Am 10. August 2011 erschien folgender Artikel des Autors THOMAZ REIBETANZ in der Freien Presse in Freiberg:

Der Freiberger Student Jan Aurich hat den Vorsitz des deutschlandweiten Korporationsverbandes Weinheimer SC übernommen. Seine Verbindung „Saxo-Borussia“ ist nicht die einzige in Freiberg.

Stramm stehen fürs Gruppenfoto: Beim Ritual, das sich Vorortübergabekommers nennt, übergab Daniel Saftig aus München (l.) per Händedruck die Leitung des Weinheimer Senioren Conventes an Jan Aurich aus Freiberg. Er hat nun für ein Jahr gemeinsam mit den Verbindungskameraden des Freiberger Corps „Saxo-Borussia“ die Leitung des Dachverbandes inne. Foto: Marcel Schlenkirch

Stramm stehen fürs Gruppenfoto: Beim Ritual, das sich Vorortübergabekommers nennt, übergab Daniel Saftig aus München (l.) per Händedruck die Leitung des Weinheimer Senioren Conventes an Jan Aurich aus Freiberg. Er hat nun für ein Jahr gemeinsam mit den Verbindungskameraden des Freiberger Corps „Saxo-Borussia“ die Leitung des Dachverbandes inne. Foto: Marcel Schlenkirch

Freiberg – Bei offiziellen Anlässen tragen Sie Bergkittel sowie Mützen und Bänder in den Farben ihrer Vereinigung. Ganz nach traditionellen Regeln dürfen Frauen bei ihnen nicht Mitglied und beim Fechten keine Schutzausrüstungen getragen werden. Sie haben in ihren Statuten ein Selbstverständnis verankert, dass sie als tolerant und weltoffen beschreibt. Und dennoch, oder gerade deshalb, wirken die Mitglieder der Freiberger Studentenvereinigung „Saxo-Borussia“ elitär. Manch einer nennt sie sogar rückständig oder frauenfeindlich.

„Das ist nicht richtig“, entgegnet Jan Aurich. Der 23 jährige Bergbau-Student der TU- Bergakademie Freiberg ist Mitglied bei „Saxo-Borussia“ und seit einigen Tagen sogar der Leiter eines Dachverbandes der studentischen Corps in Deutschland. „Bei uns sind Frauen willkommen. Sie dürfen nur nicht Mitglied werden.“ Eine zeitgemäße Begründung liefert er gleich mit: Wenn nämlich eine Beziehung zwischen zwei Verbindungsmitgliedern in die Brüche gehen würde, wäre die Harmonie im Nachhinein gestört. Und das wäre nicht im Sinne der Verbindung.

„Die falschen Meinungen entstehen, weil wir alle über einen Kamm geschert werden.“ Jens Grigoleit ASV Freiberg

Etwas hilflos wirkt dieser Versuch Aurichs, den traditionellen Regeln einen modernen Hintergrund zu verleihen. Bei „San-Borussia“ wird niemals ein Mitglied zugeben, dass die Grundsätze verstaubt oder nicht zeitgemäß sein könnten. Hier nennt man das Traditions- und Brauchtumspflege. Den Alltag der Verbindung beschreibt Jan Aurich so: ”Mit Absolventen der TU, ehemaligen Mitgliedern der Verbindung, treffen wir uns regelmäßig und unterstützen uns im Uni-Alltag. Dazu gestalten wir gemeinsam unsere Freizeit.“

Dass man ihnen einen Hang zur deutsch-nationalen Politik nachsagt, kann Aurich nicht verstehen. „Wir sind vollkommen unpolitisch“, betont er. Auch mit den anderen Verbindungen in Freiberg verstehe man sich gut. Zumindest Jürgen Linhart kann das bestätigen. Er gehört zum Freiberger Verein Deutscher Studenten. „Wir haben mit den anderen Gruppierungen kein Problem“, sagt er. Auch bei seiner Verbindung stehe das Miteinander im Vordergrund. Studium und Freizeit gemeinsam meistern – mit einem Namen, der auf eine falsche Fährte lockt. „Hier können auch Ausländer mitmachen. Der Name ist eben historisch gewachsen.” Aber Frauen sind auch hier tabu.

Bei der Akademischen Studentenvereinigung Freiberg ist das anders. „Wir distanzieren uns von einigen Brauchtürnern anderer Verbindungen“, sagt Mitglied Jens Grigoleit. „Die falschen Meinungen entstehen, weil wir alle über einen Kamm gescheit werden. Wir sehen uns als eine Art Freizeityerein.“ Aufnahmeprüfungen, Probezeiten und. Stänkereien mit den anderen Verbindungen gehören zur Tradition, sagt er, Brauchtum müsse eben gepflegt werden.

Corps Saxo-Borussia Freiberg

Corps Saxo-Borussia Freiberg

Corps Saxo-Borussia“: Diese Studentenverbindung (dafür steht übrigens das aus dem Französischen stammende Wort Corps) wurde 1842 gegründet und hat derzeit 20 aktive Mitglieder. Dazu kommen die ,,Alten Herren“, das sind ehemalige Studenten, die dieser Verbindung angehört haben. Beim Corps Saxo-Borussia dürfen nur Männer Mitglied werden. Es gehört zu den farbentragenden Verbänden, die Herren tragen ein Band und Kopfbedeckung in den eigenen Farben.

 

 

 

Quelle: Freie Presse