Herr Priv.-Doz. Dr. med. Jens Ulrich verfasste im „Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft“ folge Laudatio auf den nun 100 jährigen Arzt und Corpsstudenten Dr. Peter Schleiff Hassiae Gießen zu Mainz, sp. Thuringiae Jena:

Der Jubilar und der Autor im September 2008 bei einem Symposium anlässlich des 60. Jahrestages der Klinikgründung.

Der Jubilar und der Autor im September 2008 bei einem Symposium anlässlich des 60. Jahrestages der Klinikgründung.

Es ist schon eine besondere Ehre, dem „Gründungsvater“ der Hautklinik in Quedlinburg persönlich zum 100. Geburtstag gratulieren zu dürfen und dabei einen sehr rüstigen und geistig noch sehr regen Jubilar vorzufinden. Der Geburtstag soll Anlass sein, etwas detaillierter über das arbeitsreiche Leben von Peter Schleiff zu berichten.

Peter Schleiff wurde am 19. November 1910 in Halle an der Saale als Sohn eines Hautarztes geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin in Zürich, Gießen, wo er das Physikum absolvierte, sowie in Jena und Halle legte er 1935 ebendort das Staatsexamen ab und promovierte sich. Er begann anschließend seine Facharztausbildung in Heidelberg unter Walther Schönfeld, der, aus Greifswald kommend, gerade die Leitung der Klinik übernommen hatte. Peter Schleiff war als Schönfelds Vorlesungsassistent, wie er mir selbst berichtete, begeistert von der Persönlichkeit und der fachlichen Kompetenz Schönfelds und insbesondere auch von seiner politischen Standhaftigkeit gegen den Nationalsozialismus. Peter Schleiff erzählte einmal schmunzelnd, dass die Hautklinik in Heidelberg als einzige Klinik zu den entsprechenden Anlässen nicht die NSDAP-Flagge gehisst hätte.

Der beginnende 2. Weltkrieg machte dann einen großen Strich durch die  beruflichen Pläne Peter Schleiffs. Er musste als Arzt in Uniform in verschiedenen Lazaretten arbeiten und hatte z. B. in Bitsch (Lothringen), für heutige Verhältnisse unvorstellbar, allein 240 Betten zu versorgen. Im September 1944 geriet er in britische Gefangenschaft, die bis Juli 1948 andauerte. Dort arbeitete er zunächst als Lagerarzt und versorgte später vor allem venerologische Patienten. Als Dozent der medizinischen Akademie für deutsche Kriegsgefangene hielt er Vorlesungen vor Medizinstudenten über Dermatologie und Venerologie.

Zurückgekehrt aus der Gefangenschaft stand Peter Schleiff vor einem Trümmerhaufen. Alles persönliche Hab und Gut war in den Wirren des Krieges zerstört oder geplündert worden. Er ging mit seiner Ehefrau und zwei mittlerweile schulpflichtigen Kindern zunächst zurück nach Halle, wo er jedoch nicht bleiben wollte. Er schaute sich dann in der Stadt seiner Großeltern, Halberstadt, nach einer Möglichkeit zu praktizieren um. Die Stadt war jedoch fast völlig zerstört, so dass er sich in das nur wenige Kilometer entfernte, vom Krieg weitgehend verschonte, Quedlinburg begab. Hier gab es am 1906 gegründeten Krankenhaus eine, wie damals durchaus üblich, der Inneren Klinik angegliederte Station für Geschlechtskranke. Diese war in einer ehemaligen Scheune untergebracht, in der die Patienten teilweise auf Strohsäcken liegen mussten. Peter Schleiff hatte die Vision, aus dieser Station eine funktionierende Hautklinik aufzubauen. Er erhielt am 1. August 1948 den Auftrag, eine Klinik zu gründen, den Titel eines Chefarztes und ein monatliches Salär von 250 Mark.

Durch seine Beharrlichkeit, vor allem auch Behörden gegenüber, gelang es ihm im April 1949, in einer Villa einer ehemaligen Saatzuchtfirma eine eigene Hautklinik einzurichten. Peter Schleiff tat das mit sehr viel Enthusiasmus und persönlichem Engagement. Aus der Retrospektive fällt es schwer, sich die Schwierigkeiten der damaligen Zeit vorzustellen. Der rasante Aufschwung der Wirtschaft im Westen ging ja am Osten Deutschlands komplett vorbei. Peter Schleiff gelang es jedoch, in der alten Villa eine Hautklinik nach dem Vorbild seines Lehrers Schönfeld zu errichten. Die Klinik verfügte immerhin über 70 Betten. Im Dachgeschoss wurden eine Anlage zur Röntgenbestrahlung und ein Testlabor, im Keller ein klinischchemisches und ein mykologisches Labor sowie eine Badeabteilung eingebaut. Später wurde auch eine Kosmetikabteilung etabliert.

In der Folge konnte Peter Schleiff dann auch ärztliche Assistenten einstellen, die in Quedlinburg ihre gesamte Facharztausbildung durchliefen. Einer der ersten Kandidaten war Dr. Hans-Georg Haneke (Vater von Prof. Eckart Haneke, Freiburg), der später in Nordhausen eine dermatologische Praxis betrieb.

Peter Schleiff war ein rastloser Arbeiter, der neben der Patientenversorgung, die für ihn immer den Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit darstellte („Ein guter Arzt muss sich dem Patienten zuwenden, nicht dem Papier“), sich vielfach wissenschaftlich und berufspolitisch engagierte. Er ist seit 1938 Mitglied der DDG und wurde Mitglied der Sektion Dermatologie der Akademie der Wissenschaften der DDR. Peter Schleiff hat zahllose Vorträge auf regionalen und nationalen Veranstaltungen gehalten. Aufgrund seines Engagements vor allem in der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in der Nachkriegszeit wurde er zum Bezirksvenerologen und auch zum Bezirkslupusarzt ernannt. All dies führte dazu, dass die Quedlinburger Klinik weit über die Grenzen der Harzregion hinaus einen guten Ruf genoss. Im Jahre 1977 ging Peter Schleiff in den „Un“ruhestand. Ein Leben ohne Arbeit war für ihn nicht vorstellbar. So hat er bis zum 98. Lebensjahr eine kleine Privatpraxis in seinem Haus betrieben. In seiner knappen Freizeit hat sich Peter Schleiff in der Evangelischen Kirche und im Quedlinburger Rotary-Club engagiert. Viel Zeit für die Familie blieb da nicht übrig, wie seine Tochter Johanna-Eleonore Schmidt-Schleiff berichtet, die als vertragsärztliche Dermatologin in Quedlinburg in die Fußstapfen des Vaters getreten ist.

Peter Schleiff ist bis ins hohe Alter ein, an der Dermatologie und vor allem auch seinem Steckenpferd, der Venerologie, interessierter Kollege geblieben, der sich ständig fortbildete. Er nahm z. B. im Jahre 2008, damals 98-jährig, an einem Symposium zum Thema Borrelieninfektionen teil, welches anlässlich des 60. Jahrestagung der Klinikgründung in Quedlinburg stattfand und beteiligte sich hier rege an der wissenschaftlichen Diskussion. Kurze Zeit später besuchte er die Quedlinburger Hautklinik, die sich seit 2005 in völlig komplett neuen Räumlichkeiten befindet, um sich über die aktuellen Arbeitsbedingungen und die Möglichkeiten der Behandlung dermatologischer Patienten zu informieren. Beim Rundgang durch die Klinik war allenthalben zu spüren, wie bekannt und beliebt Peter Schleiff gleichermaßen unter Patienten und Kollegen ist und mit welcher Hochachtung und Dankbarkeit ihm die Menschen der Region begegnen. Hochverehrter, lieber Herr Kollege Schleiff, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Quedlinburger Hautklinik gratulieren Ihnen zum 100. Geburtstag und wünschen Ihnen weiterhin eine gute Gesundheit.

Quelle: Journal der Deutschen Dermatologische Gesellschaft, 01.2011

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