Der Journalist Gideon Zoryiku veröffentlichte den folgenden Artikel in der Mainpost, Würzburg:

Weltoffenheit und Heimatliebe

Festakt des Corps Bavaria: Unser Bild zeigt (von links) Bastian Jobst, Senior, Festredner Guido Knopp, Professor Horst Brunner, Vertreter der Uni, Bürgermeister Adolf Bauer, Organist Paul Damjakob und Wolfgang Stegmann, Altherrenvorsitzender.

Festakt des Corps Bavaria: Unser Bild zeigt (von links) Bastian Jobst, Senior, Festredner Guido Knopp, Professor Horst Brunner, Vertreter der Uni, Bürgermeister Adolf Bauer, Organist Paul Damjakob und Wolfgang Stegmann, Altherrenvorsitzender.

Das Corps Bavaria Würzburg, eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung, hat am Wochenende sein 200. Stiftungsfest begangen.

Das Corps Bavaria Würzburg, eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung, hat mit einem dreitägigen Festprogramm am Wochenende sein 200. Stiftungsfest begangen. Das Corps kann also auf eine lange Geschichte zurückblicken: Lediglich während des Dritten Reiches wurde die Verbindung auf Druck der seinerzeit herrschenden Machthaber aufgelöst.

Bei einem Festakt in der Neubaukirche begrüßte der Altherrenvorsitzende Wolfgang Stegmann über 250 Gäste aus nah und fern. Der emeritierte Professor Horst Brunner brachte als Vertreter der Universität die Verbundenheit der Hochschule mit den Korporationen zum Ausdruck.

Den Blick nach vorne richten

Bürgermeister Adolf Bauer ermutigte junge Leute, sich Verbindungen anzuschließen, da man dort Sozialkompetenz erwerbe. Die Mitglieder des Corps Bavaria rief Bauer dazu auf, nicht nur auf die 200 Jahre ihrer Geschichte zurückzuschauen, sondern den Blick nach vorne zu richten. Ein Grußwort sprach auch Wolfgang Bötsch. Der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete und letzte Bundespostminister vertrat Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

Als Festredner war der TV-Historiker Guido Knopp gewonnen worden. Er sprach über „Die glücklichste Stunde der Deutschen“. Damit meinte er die Wiedervereinigung vor 25 Jahren. Für Knopp sind die Wende-Ereignisse die erste geglückte deutsche Revolution. „Das Wort Wende, das sich eingebürgert hat, ist viel zu schwach“, betonte er. „Es war eine Revolution!“ Eingehend befasste sich Knopp mit dem Wiedervereinigungsprozess, den er als „Sternstunde der Deutschen“ bezeichnete. Die Wiedervereinigung sei nicht selbstverständlich zustande gekommen. Die Tür zur Einheit habe nur ein Spaltbreit offen gestanden. Knopp verwies darauf, dass es gegen die Wiedervereinigung einen offenen Widerstand seitens Großbritanniens, versteckte Widerstände der Franzosen und eine ablehnende Haltung der Russen gegeben habe.

Lediglich der amerikanische Präsident George Bush habe das Einheitsstreben der Deutschen unterstützt. Knopp, der in Würzburg studiert und promoviert hat, rief den Zuhörern ins Bewusstsein, welch eine entscheidende Rolle Ungarn beim Fall des „Eisernen Vorhangs“ gespielt hatte. Gespickt mit Anekdoten erzählte er von seinen späteren Gesprächen mit Teilnehmern der deutsch-ungarischen Geheimgespräche. Unter anderem sprach er auch mit Altbundeskanzler Helmut Kohl.

Neue Verfassung

Nach Ansicht Knopps hätte eine neue Verfassung dem wiedervereinigten Deutschland gut zu Gesicht gestanden. Diese hätte nicht nur den Wert der Freiheit für das „neue Deutschland“ markiert, sondern hätte den Menschen in den neuen Bundesländern das Gefühl gegeben, ernst genommen zu werden.

Der Festakt wurde musikalisch umrahmt vom ehemaligen Domorganisten Paul Damjakob. Beim Festkommers im Fürstensaal der Festung Marienberg sprach der bayerische Innenstaatssekretär Gerhard Eck. Er nannte Corps Bavaria als Beispiel dafür, dass Weltoffenheit und Heimatliebe keine Gegensätze seien.

Geschichte des Corps Bavaria

Das Corps Bavaria, auch „Die Würzburger Bayern“ genannt, wurde am 1. März 1815 von Studenten der Julius-Maximilians-Universität gegründet. Als führender Kopf der Gründung gilt der Jurastudent Carl Theodor Kast, der später in österreichischen Diensten geadelt wurde. Bis heute gilt die Satzung, die am 1. März 1822 in Kraft trat. Aus dem Corps gingen im Lauf des 19. Jahrhunderts verschiedene königlich-bayerische Staatsminister und andere bedeutende Politiker hervor.

Beispiele sind die Finanzminister Josef von Aschenbrenner, Georg von Berr und Benno von Pfeufer, Justizminister Eduard von Bomhard sowie Innenstaatsminister Friedrich von Brettreich. International bekannt wurde Eugen von Zimmerer als Gesandter und bevollmächtigter Minister (1907), kaiserlicher Kommissar für Togo (1888) und Gouverneur von Kamerun (1891).

Als das Corps sich unter dem Druck der Nationalsozialisten am 15. Februar 1936 auflösen musste, ging auch die repräsentative Corps-Villa mit 18 Zimmern in der Veitshöchheimer Straße („Villa Vornberger“) verloren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Corps Bavaria am 10. Juni 1948 wieder gegründet. Im Jahre 1953 wurde eine alte Professorenvilla in der Rottendorfer Straße 20 erworben, wo das Corps bis heute zu Hause ist.

Auch nach dem Krieg traten Mitglieder des Corps Bavaria in bedeutenden Positionen in Erscheinung. Hans Löffler war als Oberbürgermeister von Würzburg (1946-1948) und Wiederaufbaukommissar der Regierung von Unterfranken eine wichtige Figur in der Nachkriegszeit. Eine wichtige Rolle spielte auch Medizinprofessor Max Meyer als Rektor der Universität in der Aufbauzeit nach dem Krieg.

Quelle: Mainpost