Fackelzug der Studenten. Foto: Kreutzer

Fackelzug der Studenten. Foto: Kreutzer

Die Redakteurin, Frau Rosemarie Grosch, veröffentlichte am 22.04.2013 folgenden Aritkel in der Rhein-Neckar-Zeitung:

Weinheim. Was sind schon 100 Jahre? Ein Wimpernschlag der Ewigkeit. Aber auch wenn die zwischen 1907 und 1913 auf dem Gipfel des Weinheimer Hausbergs erbaute Wachenburg im Vergleich zu den anderen Burgen an der Bergstraße, des Odenwalds und des Neckartals noch relativ jung ist: An ihrem 100. Geburtstag in diesem Jahr richten sich viele Augen auf das im Stil einer salischen Kaiserpfalz errichtete, wohl markanteste Wahrzeichen der Zwei-Burgen-Stadt.

Was wohl nur wenige wissen dürften: Die Wachenburg ist weder Eigentum der Stadt noch gehört sie dem Land Baden-Württemberg. Besitzer sind die Studenten-Corps „Weinheimer Senioren Convent“ (WSC) und „Weinheimer Verband Alter Corpssstudenten“ (WVAC). Die Corpsangehörigen hatten sich Weinheim bereits 1864 wegen seiner zentralen Lage zwischen den technischen Hochschulstandorten Karlsruhe, Stuttgart, Hannover und Zürich als Ort für ihre jährlichen Tagungen ausgesucht.

Aber wie kam Weinheim zu seiner – neben der Ruine Windeck – zweiten Burg? Anfang der 1890er Jahre hatte sich der WSC mit dem Gedanken getragen, ein Ehrenmal für seine im Krieg von 1870/71 gefallenen Angehörigen zu errichten. Aus diesem Grunde wollte man sich am Bau eines Denkmals der Stadt auf dem Weinheimer Marktplatz beteiligen. Diesen Plan ließ man jedoch fallen, weil sich dem ersten Gedanken ein weiterer hinzugesellte: Man wollte den Bau der Gedenkstätte mit der Errichtung eines Festplatzes für die alljährlichen studentischen Verbandstagungen verbinden.

1896 bot sich die Burgruine Windeck als dafür geeignet an. Entwürfe für die Bebauung wurden ausgearbeitet und genehmigt. Kurz vor Beginn der Arbeiten ging die Windeck jedoch durch eine Schenkung des Großherzogs von Baden an den Grafen von Berckheim über. Die Pläne wanderten in den Papierkorb. Der neue Eigentümer duldete keine zusätzlichen Bauten.

Um 1903 ließ der Weinheimer Bürgermeister Heinrich Ehret den damaligen Vorsitzenden der studentischen Altherrenvereinigung wissen, dass die Stadt plane, auf dem Wachenberg einen Aussichtsturm mit Schutzhütte zu errichten.

Nach Verhandlungen mit der Gemeinde Leutershausen, der das Gelände des Wachenbergs gehörte, kam es zum Abschluss eines Erbpachtvertrages über das Wachenbergareal zur Errichtung einer Burganlage. Ausschreibungen für die Gestaltung der Burg erbrachten 14 Vorschläge. Man entschied sich für den Entwurf des Architekten Arthur Wienkoop, weil dieser eine Ausführbarkeit in mehreren Bauabschnitten bot. Im Frühjahr 1907 kam es zur Grundsteinlegung. Das künftige Burggelände allerdings war noch unwegsames Berg- und Waldgelände. Die einzige Zufahrtsmöglichkeit nach oben führte durch den an der Nordseite des Wachenbergs gelegenen Steinbruch.

Der erste Bauabschnitt sah die Errichtung des Bergfrieds mit einer Ehrenhalle für die Gefallenen des deutsch- französischen Krieges sowie die Anlage des Festplatzes vor. Beide wurden 1908 eingeweiht. Im zweiten Bauabschnitt folgten das Wappentor mit seinerzeit 61 Wappensteinen, die Burgschänke und eine Unterkunft für den Schankwirt.

Bauabschnitt drei vollendete 1909/10 den Bau des unteren großen Burgtores mit dem Fuchsenturm sowie die äußere Burgmauer. Deren südlicher Teil ist zugleich Teil der Grundmauern des Palasgebäudes. Deren Vollendung und Einweihung wurden schließlich im Jahr 1913 gefeiert.

Womit sich der Kreis zu heute schließt. Mit der Burganlage, wofür die Baukosten alleine von Weinheimer Corpsstudenten aufgebracht worden waren, wurde ein beachtliches Werk vollbracht: WSC und WAHV, der sich später in WVAC umbenannte, hatten ihr Denkmal und Weinheim ein neues Wahrzeichen.

Im Juli 1965 kaufte der WVAC das 17.423 Quadratmeter umfassende Wachenburggelände der Gemeinde Leutershausen ab. Womit auch Grund und Boden des Areals endgültig in den Besitz des Verbandes übergingen.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung