Am 29.06.2011 erschien in der Zeitung „Neue Westfälische“ folgender Artikel des Autors Hartmut Braun:

Wilhelm Busse wurde Opfer eines Raubmordes und blieb den Herfordern so in Erinnerung

Herford/Heidelberg. Er war einer der profilierten Politiker Herfords: 29-jährig am 1. Februar 1900 zum 2. Bürgermeister gewählt, acht Jahre später zum Oberbürgermeister befördert. Als Mitglied der Nationalliberalen vertrat er den Wahlkreis Herford-Stadt von 1911 bis 1919 im preußischen Landtag. Zwei Jahre später wurde Wilhelm Busse ermordet – heute vor 90 Jahren.

Als Opfer dieser Bluttat, eines Raubmordes in einem Wald bei Heidelberg am 29. Juni 1926, ist er in Herford in Erinnerung geblieben. Seine politische Tätigkeit ist dagegen kaum beachtet worden.

Dabei fällt in die Amtszeit des aus Detmold stammenden Juristen der Neubau des neobarocken Rathauses. Schon vorher war er mitverantwortlich für den Ausbau des Schulwesens in den Jahren nach 1900. Nach der stürmischen Industrialisierung nach 1871 war Herford eine relativ wohlhabende Stadt geworden: Gediegene Wohnhäuser am Wall künden davon.

Wilhelm Busse hatte in Heidelberg und Berlin Jura studiert. 1892 schaffte er sein Referendariat. Er war Gerichtsassessor, ehe er 1900 in die Stadtverwaltung wechselte.

Wie viele junge Leute seiner Zeit schloss er sich während des Studiums in Heidelberg einer schlagenden und farbentragenden Verbindung an, des Corps Vandalia. Busse hielt die Verbindung weit über die Studienzeit hinaus.

Ende Juni 1921, knapp 30 Jahre nach seinem Studium, machte er auf der Rückreise von Stuttgart in Heidelberg Station, wo er den früheren Herforder 2. Bürgermeister Werner traf. Die beiden verabredeten sich zum Spaziergang im Wald – und verschwanden spurlos.

14 Tage später wurden sie von Angehörigen des Corps Vandalia [sachlich von corpsstudenten.eu korrigiert] zwei Stunden von Heidelberg entfernt tot in einem Wald aufgefunden. Ihre Leichen waren unter Felsbrocken und Schutt verborgen.

Busse war durch einen Schuss getötet worden, Werner durch Schlag- und Stichverletzungen. Motiv: Offenkundig Raubmord. Die Hosentaschen des Herforder Bürgermeisters waren noch nach außen gekrempelt. Seine Leiche war in einem schrecklichen Zustand.

Die Polizei verhaftete einen 23-jährigen Eisenbahnschmied aus dem Odenwald namens Leonhard Siefert. Der beteuerte seine Unschuld, wurde jedoch im Jahr darauf in einem Indizienprozess nach sechs Verhandlungstagen im Januar 1922 für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Am 14. Juli wurde Busses Leiche nach Herford überführt, im Rathaus aufgebahrt und zwei Tage später am Alten Friedhof an der Lippischen Bahn beigesetzt.

Gedenkstein für Wilhelm Busse im Heidelberger Stadtwald - Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busse

Gedenkstein für Wilhelm Busse im Heidelberger Stadtwald - Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busse

Dort im Heidelberger Wald, wo die Leichen der beiden Ermordeten gefunden wurden, erinnern heute zwei von dem Corps [auch hier wurde die Verbindungsbezeichnung von corpsstudenten.eu korrigiert] aufgestellte Gedenksteine an das mörderische Geschehen: „Hier fiel durch Mörderhand am 29. Juni 1921 der Herforder Oberbürgermeister Wilhelm Busse“, steht auf einem davon.

Im Oktober des gleichen Jahres wählte der Magistrat Busses Vertreter Osmer zum Nachfolger.

Quelle: Neue Westfälische