Anläßlich des Kösener Kongresses 2002 erschien am 16. Mai 2002 folgender Beitrag in der Mitteldeutschen Zeitung:

Die Corpsstudenten in Deutschland wollen verstärkt in die Öffentlichkeit gehen und ihr Image aufpolieren. Es gehe darum, Vorurteile gegenüber diesen Studentenverbindungen abzubauen, die sich als ein Netzwerk junger und ehemaliger Studenten zwischen Hochschule, Beruf und Gesellschaft verstehen. Das sagten Vertreter der Cösener Corpsstudenten zum Auftakt ihres jährlichen Traditionstreffens am Donnerstag in Bad Kösen (Burgenlandkreis).
Bad Kösen/dpa.

Dem «Cösener Corpsverband» (Kösener Senioren-Convents-Verband/KSCV) gehören insgesamt 23 000 Mitglieder an. Davon sind etwa 2000 aktive Studierende, die übrigen bleiben als Alte Herren Mitglieder der Verbindung.

«Wir müssen aus dem Elfenbeiturm heraus», sagte der Vorsitzende des Verbandes alter Corpsstudenten, Gerhard Daniel (Kiel) zum Auftakt des Kösener Congresses vor Journalisten. «Es war ein Fehler, dass wir uns 50 Jahre lang nur mit uns selbst beschäftigt haben.» Den Studentencorps hafte bis heute der Ruf an, ein elitärer Kreis zu sein. Indessen könnten die Corps Kenntnisse, Erfahrungen und Schlüsselqualifikationen vermitteln, die in einer globalisierten Welt stärker gefragt seinen, als je zuvor. Daniel betonte, die Studentencorps träten für Toleranz ein und grenzten sich strikt gegen den politischen Extremismus ab. Bei der Aufnahme in die Studentencorps würden keine Unterschiede hinsichtlich politischer Auffassungen, religiöser oder ethnischer Herkunft gemacht. Damit grenzten sich die Corps klar von den Burschenschaften ab.

Die Studentencorps wollen ihre internationalen Verbindungen verstärkt pflegen, sagte der Sprecher der aktiven Studenten, Frank Meißner (Marburg). Dies sei besonders wichtig im zusammenwachsenden Europa. Vor allem sollten auch Brücken nach Osteuropa, etwa in das Baltikum geschlagen werden. Für den November kündigte Meißner einen Weltkorporationstag in Würzburg mit rund 1000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland an. Der Kösener Congress wird seit 1994 wieder in der Geburtsstadt des Corpsverbandes, Bad Kösen, abgehalten. Er dauert bis Samstag. Neben Tagungen und geselligen Beisammensein werden traditionell hervorragende Studenten mit der «von Klinggräff- Medaille» geehrte. Die Auszeichnung ist nach dem Corpsgründer genannt.

Die historischen Wurzeln der konfessional und parteipolitisch nicht gebundenen Kösener Corps und der mit ihnen eng verbundenen Weinheimer Corps gehen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sie waren in der Zeit des Nationalsozialismus verboten. Corps sind schlagende Verbindungen. Bis heute wird die so genannte Mensur gefochten. Das mittlerweile häufig als nicht mehr zeitgemäß kritisierte Mensurfechten wurde von den Corpssprechern als eine Form der Traditionspflege der körperlichen Ertüchtigung sowie der Förderung von Fairness und Gemeinschaftsgeist als wichtiger Bestandteil des Corpslebens verteidigt. Frauen können nicht Mitglieder in den Studentencorps werden. Nach eigenen Angaben unterhalten die Corps derzeit in Deutschland 150 Corpshäuser mit zusammen 2000 Wohnplätzen.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung