Den englische Originalbeitrag finden Sie unter https://www.corpsstudenten.eu/tradition-honour-and-beer/. Auf Wunsch zahlreicher Zuschriften haben wir den englischsprachigen Originalartikel durch den Schreibdienst und Übersetzungsservice von DictaTeam ins Deutsche übersetzen lassen.

Patrick T Walsh erforscht die merkwürdige Welt deutscher Studentenverbindungen.

Corps Marchia Brünn zu Trier

Corps Marchia Brünn zu Trier

Bei meiner Ankunft in Trier/Deutschland zu Beginn meines Erasmusjahres, blieb ich mir der Vorwarnungen meiner Vortragenden und Tutoren bewusst, nicht im höchst vielverheißenden „Erasmus-Getto“ zu landen. Sprachstudenten ist das oben genannte Getto ein Begriff, der jenen breit gefächerten Kreis englisch sprechender Studenten beschreibt, denen man wahrscheinlich in europäischen Universitätsstädten begegnet und der unglücklicherweise die Schuld daran trägt, dass Versuche, in die fremde Sprache und die Kultur einzutauchen, verhindert werden.

Nach einer Weile begann in meinem Leben in der recht angenehmen neuen Umgebung der Stadt Trier, eine gewisse Routine einzusetzen. Klassen und Vorträge wurden besucht, neue Freunde gefunden und der übliche Kreislauf des Studentenlebens, Studienarbeiten und soziales Leben unter einen Hut zu bringen, begann. Da der Hauptzweck meines Erasmusjahres in der Verbesserung meiner deutschen Sprachkenntnisse bestand, dachte ich mir, ich sollte eine Entschuldigung finden, um diese zu benutzen.

Das im Sinn, stellte ich meinen ersten Kontakt zum Corps Marchia Brünn zu Trier her. Das Corps Marchia ist eine Studentenverbindung oder genauer gesagt eine „Gesellschaft“. Studentenverbindungen wie diese, einschließlich der nationalistischeren (und manchmal rechts gerichteten), die sogenannten „Burschenschaften“ kann man buchstäblich in allen deutschen Universitätsstädten finden, obwohl statistisch gesehen weniger als 1% der deutschen Studenten aktive Mitglieder einer Studentenverbindung sind.

Ich wurde mir dieser Organisationen zuerst durch meine kulturellen Studien der Dreifaltigkeit und nur durch mein begrenztes Wissen über ihre Aktivitäten und dem übermäßig selbstbewussten Gedanken „Ah, sicher, ich bin Ire, ich kann mit Worten jedes Ziel erreichen“, bewusst und ich begann in die geheime und exklusive Welt deutscher Bruderschaften einzudringen.

Eine kurze E-Mail später und ich befand mich auf meinem Weg, nur mit einer Adresse gewappnet, einer Einladung zur Teilnahme und ein paar warnenden Worten eines deutschen Verwandten bezüglich der oft rechts gerichteten Natur deutscher Bruderschaften. Nach einigem Suchen fand ich endlich mein Ziel am Rande eines kleinen Berges und am Ende eines steilen, scheinbar vertikalen Aufstiegs gelegen – der Anblick, der mich begrüßte, war ein imposantes großes weißes Haus mit Blick auf die Mosel, mit einer enormen grün, weiß und roten Fahne, die im Wind flatterte. Bald darauf tauchte ein narbengesichtiger Mann auf, der eine Schärpe in den eben erwähnten Farben trug und mich jovial begrüßte.

Es folgte ein Vortrag über die Tätigkeiten und obersten Prinzipien des Korps unter der Leitung von Senior-Mitglied Herrn Tim Steinmann. Ich fand mich zwischen einer Gruppe seriös gekleideter Studenten wieder, alle mit der gleichen grün-weiß-roten Schärpe und viele auch mit stolz getragener, ungewöhnlicher Militärkappe und oft auch mit Schmiss im Gesicht. Mit fortschreitendem Abend floss das Bier schneller und ich lernte schnell ihre Vorliebe für Bier gekoppelt mit Respekt für meine positive Einstellung dazu kennen. Ich war mit freundschaftlichen Absichten zum Korps und seinen Mitgliedern gekommen und hatte das Vergnügen bei vielen ihrer Veranstaltungen dabei sein zu können und mehr über ihre Tätigkeiten zu erfahren.

CorpsstudentenEU_universitytimesIE_ProstMitglieder (die ausschließlich männlich sind) üben sich immer noch in der traditionellen Fechtkunst, der sogenannten „Mensur“, bei der oft eine Gesichtsnarbe davongetragen wird, auch als „Schmiss“ bekannt. Diese Fechtkämpfe gelten als Sache der Ehre und der Schmiss war in Zeiten vor dem 2. Weltkrieg eine bedeutsame, persönliche Auszeichnung und Gesichter, die derart dekoriert waren, ernteten größten Respekt. Die obersten Grundsätze eines Korps, so erzählte man mir, sind Toleranz und Demokratie. Von Mitgliedern wird erwartet, dass sie, beim Streben nach dem Esprit des Korps, abweichende Meinungen ihrer Korpsbrüder respektieren müssen (was sie, wie ich sagen muss, bis zu einem beeindruckenden Grad erreicht haben.

Obwohl eine konservativ-nationalistische Gesinnung und vielleicht sogar leichter Monarchismus vorherrscht, stehen Mitglieder des Korps in der Regel der Ära des Dritten Reichs wegen der erzwungenen Auflösung der Studentenverbindungen durch die Nationalsozialisten mit Ablehnung gegenüber, während auf frühere Epochen mit romantischer Nostalgie geblickt wird. Mitglieder genießen den Vorteil subventionierter Wohnungen, eine kostenlose Bar und was vielleicht am Wichtigsten ist, ein kostenloses, umfangreiches Karriere-Netzwerk. Diejenigen Mitglieder, deren Ausbildung abgeschlossen ist und die nun beschäftigt sind, die sogenannten „alten Herren“, subventionieren alle Ausgaben der Bruderschaft und bieten einen wichtigen Netzwerkrahmen für jüngere Mitglieder, während  Mitglieder, die weiterhin aktiv studieren, nichts bezahlen.

Es war folglich in dieser konservativen Welt, in der ich begann, einen großen Teil meiner Zeit zu verbringen. Eine tiefe Liebe zur deutschen Geschichte (und halbwegs passables Deutsch) hatten scheinbar meine persönliche Anwesenheit akzeptabel gemacht und erlaubten mir, an sehr angenehmen Abenden teilzunehmen, bei denen es vor allem um traditionelle Studentenlieder und die immer geöffnete gefährliche Bar ging. Als Organisation gesehen, war ich tief beeindruckt, von den erstaunlichen Verbindungen, die diese Organisationen zwischen vergangenen und heutigen Studentengenerationen geschaffen haben und ich kann nicht anders, als eine insgesamt positive und bewundernde Meinung von ihnen zu haben.

Dies gesagt, ist es jedoch die besondere, deutsche Natur bei diesen Bruderschaftsaktivitäten und Traditionen, die im Gegensatz zu dem oft von den Medien verbreiteten stereotypen Bild amerikanischer Bruderschaften steht, und durch die Bruderschaften zum einzigartigen Sinnbild des Studentenlebens im alten Europa wurden.

Tradition

Weitere Informationen über Corps finden Sie unter http://www.die-corps.de, Facebook und http://de.wikipedia.org/wiki/Corps.