Herr Günter Kowa veröffentlichte am 13.06.2002 in der Mitteldeutschen Zeitung folgenden Artikel:

Katja blickt auf die Landschaft vor der RudelsburgKatja blickt auf die Landschaft vor der Rudelsburg

Katja blickt auf die Landschaft vor der Rudelsburg

„Dort Saaleck, hier die Rudelsburg, und unten tief im Tale / da rauschet zwischen Felsen durch die alte liebe Saale; / und Berge hier und Berge dort zur Rechten und zur Linken – / die Rudelsburg, das ist ein Ort zum Schwärmen und zum Trinken“. Nicht sehr wahrscheinlich, dass Hermann Allmers‘ Trinklied von 1845 auf einer heute beginnenden Tagung gesungen wird, die sich bis Sonntag in Bad Kösen der „Erinnerungslandschaft Rudelsburg-Saaleck“ widmen will. Und doch hat das Lied einiges mit dem Thema zu tun. Es gehört felsenfest in die Tradition der deutschen Studentenverbindungen, deren Geschichte eng mit dem Tagungsort verknüpft ist und die wiederum nicht für sich allein betrachtet werden kann.

Bad Kösen/MZ.  „Dort Saaleck, hier die Rudelsburg, und unten tief im Tale / da rauschet zwischen Felsen durch die alte liebe Saale; / und Berge hier und Berge dort zur Rechten und zur Linken – / die Rudelsburg, das ist ein Ort zum Schwärmen und zum Trinken“.

Nicht sehr wahrscheinlich, dass Hermann Allmers‘ Trinklied von 1845 auf einer heute beginnenden Tagung gesungen wird, die sich bis Sonntag in Bad Kösen der „Erinnerungslandschaft Rudelsburg-Saaleck“ widmen will. Und doch hat das Lied einiges mit dem Thema zu tun. Es gehört felsenfest in die Tradition der deutschen Studentenverbindungen, deren Geschichte eng mit dem Tagungsort verknüpft ist und die wiederum nicht für sich allein betrachtet werden kann.

Die Gegend wird heutzutage kulturhistorisch fast beziehungslos als Postkarten- und Ausflugsidylle vermarktet. Mit der Tagung wollen die Veranstalter in diese Übereinkunft hinein einige Fragen stellen. Der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, der Heimatbund Thüringen sowie der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Saalecker Werkstätten haben deshalb außer Wissenschaftlern bewusst auch Politiker, Tourismusfachleute und nicht zuletzt Vertreter der korporierten Studentenschaft eingeladen.

In einer Reihe von Referaten über die Burgen als Schauplatz jüngerer deutscher Geschichte soll in der Öffentlichkeit eine Diskussion über den Umgang mit symbolhaft besetzten Orten in Gang kommen. So ist die Bad Kösener Landschaft eng mit deutsch-nationalen Strömungen verknüpft, die in ihr eine „mythische Mitte“ Deutschlands erkennen wollten.

Einer der Pfeiler dieses Gedankens ist die Rudelsburg, wo 1848 der wichtigste Dachverband der deutschen Corpsstudenten, der Kösener Senioren Corps-Verband, gegründet wurde. Seitdem pilgern die Korporierten alljährlich zu Pfingsten zum „Kommers“ in der Rudelsburg, die in diesen Kreisen auch noch in anderer Hinsicht als schicksalhaft angesehen wird. Sie ist der Gedenkort der gefallenen Corpsbrüder des Krieges 1870/71 sowie des Ersten Weltkrieges. Für diese letzteren entwarf Hermann Hosaeus 1926 das Löwendenkmal, das jüngst restauriert wurde. Aber ebenso wie beim wiederangebrachten Gemäldezyklus von Nibelungen-Heroen im Rittersaal, 1916 von Max Friese gemalt, gibt es auf der restaurierten Rudelsburg nirgends einen Verweis auf die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge.

Ähnlich „stumm“ bleibt die benachbarte Burg Saaleck über ihren Ausbau durch den Juristen Hans-Wilhelm Stein, einem Exponenten der völkischen Szene in den 20er-Jahren. Er versteckte auf der Burg, deren Pächter er war, die Rathenau-AttentäterErwin Kern und Hermann Fischer, bis sie am 17. Juli 1922 die Polizei aufspürte.

Schließlich gehen innerhalb und außerhalb der Stiftung Saalecker Werkstätten derzeit die Wogen darüber hoch, ob in der Anlage das zwiespältige Wirken des Architekten und NS-Rassetheoretikers Paul Schultze-Naumburg angemessen dargestellt ist. Vor der Konferenz will der wissenschaftliche Beirat mit Stiftungsmitgliedern zusammentreffen, um über Konsequenzen aus der internen und öffentlichen Kritik zu beraten. Ein Rückzug des Beirats sei nicht auszuschließen, sagte dessen Sprecher, Justus H. Ulbricht, auf Anfrage.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung