Der Journalist Bernward Althoff veröffentlichte am 07.11.2011 folgenden Artikel:

Bonner Studentenleben

Eine Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus beleuchtet das Bonner Studentenleben im 19. Jahrhundert. Das Leben war in vielen Fällen feucht-fröhlich, wie die Semesterbilder mit Bierhumpen haltenden Studenten zeigen. Nur eines von vielen zum Thema.

Semesterbilder waren im 19. Jahrhundert eine beliebte Erinnerung an ein Studienjahr an einer deutschen Universität. Die Verbindungsstudenten zeigten sich mit Bierseideln oft vor romantischer Kulisse wie hier an der Klosterruine Heisterbach. (Fotos: Böschemeyer)

Semesterbilder waren im 19. Jahrhundert eine beliebte Erinnerung an ein Studienjahr an einer deutschen Universität. Die Verbindungsstudenten zeigten sich mit Bierseideln oft vor romantischer Kulisse wie hier an der Klosterruine Heisterbach. (Fotos: Böschemeyer)

BONN. Ergo bibamus – lasst uns trinken! Und das taten Studenten an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn (nicht nur) während des 19. Jahrhunderts offensichtlich ausgiebig, wie die Semesterbilder mit Bierhumpen haltenden Studenten im Wichs ihrer Korporationen vor romantischer Kulisse beweisen, die gegenwärtig im Ernst-Moritz-Arndt-Haus zu sehen sind. Sie bilden den Mittelpunkt einer Ausstellung des Stadtmuseums mit dem Titel „Bonner Studentenleben im 19. Jahrhundert – ein Sittengemälde“.

Die zahlreich ausgestellte Bildkunst – Stammbuchblätter, Scherenschnitte (Silhouetten) und Studentenporträts – befindet sich im Besitz des Bonner Stadtmuseums und des Stadtarchivs und ist wohl die wichtigste zeitgenössische Quelle für das Studentenleben an der damals noch jungen Bonner Universität (1818 als preußische Reformuni gegründet). Da die Studenten meist nur ein Jahr an einer Uni eingeschrieben waren und dann weiterzogen, waren diese Semesterbilder eine wichtige Erinnerung für spätere Zeiten.

Das Studentenleben in Bonn wurde im 19. Jahrhundert zunächst fast nur von schlagenden Studentenverbindungen (Burschenschaften, Corps, Turner- oder Sängerschaften), seit 1844 (Gründung der Bavaria) auch von katholischen Verbindungen geprägt. Zwar gab es auch „ungebundene“ Studenten, die hatten aber kein gutes Image und wurden verächtlich als „Kamele“ abgetan. Der straff geregelte Komment mit Mensurfechten, Kneipen und Kommersen füllte das Leben der jungen Studiosi aus („richtig“ studiert wurde wohl auch noch).

Und Bier war das „flüssige Schmiermittel“ für geselliges Beisammensein – intern im Corps-Haus und draußen in der Stadt. Lärmende Studenten raubten so manchem braven Bonner Bürger die Nachtruhe, Raufereien waren an der Tagesordnung.

Im oberen Stock des Arndt-Hauses sind einige Genrebilder ausgestellt, die in ihrer satirischen Haltung fast an Bilder des großen Franzosen Honoré Daumier erinnern. Auf dem Bild „Nach der Kneipe“ sieht man einen total besoffenen Studenten im Wichs, der sich vergebens bemüht, ins Bett zu steigen. Auf dem Boden streckt ein Hund alle Viere von sich und lässt die Zunge aus dem Maul hängen – er hat sich offensichtlich auch die „Kante gegeben“.

Das geschah häufiger, denn viele Korporationen hielten sich so genannte „Corps- oder Couleur-Hunde“ als Maskottchen, die zum Biertrinken erzogen wurden – heute würde das die Tierschützer auf die Barrikaden treiben!

Und wenn es ein Studiosus zu toll trieb, musste er in den Karzer der Universität, eine mitunter saftige Geldbuße gab’s obendrein, die den Säckel des Uni-Kanzlers füllte. Auch der 18-jährige Student Karl Marx musste 1836 wegen „Lärmens in der Öffentlichkeit“ für einen Tag den Uni-Karzer aufsuchen. Der Pedell vermerkte im Protokoll: „Marx war still!“ Vielleicht feilte er an der Einleitung des „Kommunistischen Manifests„: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“. Vielleicht plagte ihn aber auch nur ein dicker Kater.

Quelle: Kölner Rundschau