Herr Carsten Pollnick veröffentlichte am 5. August 2010 folgende Zeilen in der Zeitung „Main Echo“ und in deren Internet-Auftritt:

Aschaffenburg

Vor 100 Jahren – im Sommer 1910 – wurde in Aschaffenburg die Forstlehranstalt geschlossen. Das Institut wurde nach München verlegt. Damit verlor Aschaffenburg nicht nur ein kulturelles, gesellschaftliches und wirtschaftliches Aushängeschild, sondern auch sein naturwissenschaftliches Image: Zahlreiche spätere Forstwissenschaftler hatten hier ihre Ausbildung genossen und waren danach auch im Ausland tätig.

Die Forst-Geschichte der Stadt reicht noch weiter zurück. Seit 1807, seit Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg (1744 – 1817) die Gründung eines Forstinstituts in Aschaffenburg genehmigt hatte, prägten und belebten Forsteleven, Forstkandidaten und Forststudenten aus fast allen deutschen Landen das Bild der Stadt. Es gab dabei nur eine Unterbrechung – von 1832 bis 1844.

Dr. Günther Hevendehl und Karlheinz Bürger legten einen Kranz zu Ehren der verstorbenen Mitglieder des Alten Herren Studentischer Corps nieder.

Dr. Günther Hevendehl und Karlheinz Bürger legten einen Kranz zu Ehren der verstorbenen Mitglieder des Alten Herren Studentischer Corps nieder.

Überregionaler Ruf

Die Begründer des Forstinstituts waren Sebastian Nau (1766 – 1845), später ein wenig erfolgreicher Zuckerfabrikant und Schriftsteller, sowie Johann Josef Ignaz (von) Hoffmann (1777 – 1866), Mathematik-Professor an der Karls-Universität, sowie Eduard Knodt von Helmenstreit (1778 – 1864), gefördert von Dalberg. Sie sollten die Grundlage dafür schaffen, dass diese forstwirtschaftliche Bildungsanstalt im 19. Jahrhundert einen überregional hervorragenden Ruf erlangt.

Schon im September 1819 wurde das Forstinstitut zur Königlichen Bayerischen National-Forstlehranstalt erhoben und im November im Studiengebäude (Gymnasium) eröffnet. Die forstliche Bildungsanstalt war zunächst im Gebäude der Stiftsdechantei (Pfaffengasse 13) untergebracht; später dann, als dort das Kreisgericht einzog, im Sonnengarten vor dem Karlstor. Leiter war Landesdirektionsrat Johann Franz Bauer (1762 – 1832).

Unterbrechung von 1832 bis 1844

Die vorläufige Aufhebung der Forstlehranstalt erfolgte 1832; ihr Erbe übernahm die Landwirtschafts- und Gewerbsschule.

Begründung des Staatsministeriums des Innern: »Durch mehrere Wahrnehmungen zur Überzeugung geführt, dass die Forstschule zu Aschaffenburg in ihrer dermaligen Einrichtung ihrem Zwecke nicht entspreche, beschließen wir wie folgt: Die genannte Forstschule wird geschlossen und das Lehrpersonal derselben seiner Funktion unter Vorbehalt weiterer Bestimmungen enthoben.«

Einer der Betroffenen war der Forst- und Jagdwissenschaftler Stephan Behlen. Zwölf Jahre sollte es dauern, bis 1844 König Ludwig I. (1786 – 1868) die Neueröffnung genehmigte. Sie wurde sechs Jahre später in Forstlehranstalt für das Königreich Bayern umbenannt.

Zahlreiche Forstschüler spielten 1848 eine tragende Rolle bei der Bildung eines freiwilligen Landwehrkorps im Rahmen der Revolution, einer Sicherheits-Bürgerwache unter Einschließung der Bürgerwehr mit rund 100 Forstschülern. Das Hauptquartier befand sich im Gasthof Zur Rose (Herstallstraße 35); ein Jahr später hatte das Korps seinen Zweck erfüllt und wurde aufgelöst. 1858 gab es erneut eine veränderte Namensgebung: Die Lehranstalt durfte sich fortan Centralforstlehranstalt nennen. Der durch den deutsch-französischen Krieg 1871 unterbrochene Unterricht wurde wieder aufgenommen, das Gebäude wurde nicht mehr als Lazarett für verwundete Soldaten gebraucht.
1878 wurde der naturwissenschaftliche Verein Aschaffenburg im Café Ritter in der Entengasse 8 von Forststudenten gegründet.

Kommunale Traueranzeige

Es erfolgte zwar eine Reorganisation der Lehranstalt, aber 1910 kam ihr Ende: In einer Sonderbeilage, die einer kommunalen Traueranzeige ähnelt, berichtete die Aschaffenburger Zeitung am 30. Juli über die »Verabschiedung« der Forstlichen Hochschule nach München; ein »Stück Bildungsgeschichte« der Stadt gehörte der Vergangenheit an.

Viele ehemalige Studenten wurden später angesehene Wissenschaftler, bekannte Professoren lehrten in Aschaffenburg, zum Beispiel Ludwig Schleiermacher (1855 – 1927), Hermann Dingler (1846 – 1935) und Hermann (von) Fürst (1837 – 1917).

Die Studentenverbindungen pflegten ihre Tradition, einige Wissenschaftler wurden gar mit Straßennamen gewürdigt, wie zum Beispiel Stephan Behlen und Martin Balduin Kittel.
Die in Aschaffenburg und Umgebung lebenden Alten Herren Studentischer Corps (AHSC) haben ihr 115. Stiftungsfest gefeiert. Dabei haben sie auch an den Umzug der Forsthochschule Aschaffenburg nach München vor 100 Jahren erinnert. Günther Hevendehl und Karlheinz Bürger legten am Ehrenmal der früheren Aschaffenburger Corps im Grünstreifen an der Weißenburger Straße einen Kranz nieder.

Der AHSC Aschaffenburg hat 33 Mitglieder, die als Alte Herren 24 studentische Verbindungen unterstützen und Studentenwohnheime mitfinanzieren.

Quelle: Main Echo

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