Mit dem Papst gegen die Gebietsreform

von Jörg Foetzke Greifswald.

Obwohl das studentische Corps „Pomerania“ sich ohne politische Ausrichtung gibt, blieben beim 200. Stiftungsfest der Verbindung am Sonnabend in der Aula der Greifswalder Universität Aussagen zur Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern nicht aus. Der ehemalige Ministerpräsident Professor Alfred Gomolka sprach sich in seiner Festrede gegen bestehende Pläne aus. Damit werde das Subsidaritätsprinzip verletzt, das die Eigenverantwortung vor die Regulierung des Staates stellt. Dabei zitierte er Papst Pius IX., der in einer Enzyklika aus dem Jahre 1931 davon sprach, die Verletzung des Prinzips, „ist überaus nachteilig und verwirrt die ganze Gesellschaftsordnung“. Dies träfe genau auf die anstehende Kreisgebietsreform zu, meinte Gomolka. Noch deutlicher wurde der Greifswalder Landtagsabgeordnete Egbert Liskow (CDU) der im Auftrag der Stadt das Grußwort überbrachte. Greifswald könne sich nur weiterentwickeln, „wenn wir frei und unabhängig sind“, erklärte Liskow. Die Gäste der Feierstunde bat er, eine Protesterklärung der Greifswalder Bürgerschaft gegen die Kreisgebietsreform zu unterzeichnen.

Dass dies nur wenige Corpsmitglieder taten, hatte dann sicher mit den Grundsätzen der Verbindung zu tun: „Wenn manch einer von uns damit auch übereinstimmt, offizielle politische Bekundungen geben wir nicht ab“, erklärte Corpssprecher Wolfgang von der Groeben. Von Gründung im Jahre 1810 an sei das Corps „Pomerania“ politisch neutral. Im Mittelpunkt ständen die Freundschaft unter den Mitgliedern, sowie Vaterlandsliebe. Doch sei das Corps nie nationalistisch gewesen. Vielmehr musste es 1935 seine Arbeit einstellen und das Greifswalder Domizil verkaufen. Da Studentenschaften zu DDR-Zeiten verboten waren, gab es auch nach dem Zweiten Weltkrieg keine Möglichkeit eines Neubeginns in Greifswald. Daher wahrte der Altherren-Verband die Traditionen unter dem Dach der Göttinger „Saxonia“. Erst seit 1992 gehört das Corps „Pomerania“ wieder zu den an der Greifswalder Universität vertretenen studentischen Verbindungen.

“ nur wenn wir frei und unabhängig sind“

Archiv / Quelle: http://www.nordkurier.de

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