Der Botschafter Kubas, S. E. Raúl Francisco Becerra Egana (69) trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Aufmerksame Beobachter: Ratsherr Georg Berding und Rhein-Westfalen in Couleur

Der Botschafter Kubas, S. E. Raúl Francisco Becerra Egana (69) trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Aufmerksame Beobachter: Ratsherr Georg Berding und Rhein-Westfalen in Couleur

Der kubanische Botschafter in Deutschland, S. E. Raúl Francisco Becerra Egana (69), geht davon aus, dass in dem über mehr als 50 Jahre angespannten Klima, wie es die Beziehungen zwischen seinem Land und den USA bestimmt, eine weitere Aufhellung eintritt.

Beim traditionellen Münsteraner Botschaftergespräch, zu dem das studentische Landescorps Rheno-Guestphalia für den 25. April nach Münster eingeladen hatte, gab Botschafter Becerra Egana den Verbindungsstudenten und ihren rund 100 Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und den Hochschulen der Stadt einen Einblick in die Geschichte seines Landes und die Beziehungen mit seinem Nachbarn, den USA. Dessen unveränderte Blockade-Haltung ordnete er als Folge der innenpolitischen und wahltaktischen Einflüsse in den USA ein. Das Verhältnis zwischen den ungleichen Staaten werde geprägt durch das erstmals vom US-Präsidenten Eisenhower 1960 verhängte und heute durch ein US-Gesetz festgeschriebene Handels- Wirtschafts- und Finanzembargo. Botschafter Beccera Egena verwies auf die grossen Erfolge Kubas trotz des Embargos. Das Gesundheitwesen Kubas sei vorbildlich und der Erfindungsreichtum junger Kubaner zeigten, dass Kuba trotz dieses Embargos die Schwierigkeiten meistere. Die Analphabetenquote in Kuba sei eine der geringsten der Welt.

In der lebhaften Diskussion mit dem Botschafter, der selbst von 1973 – 1979 an der Berliner Hochschule für Ökonomie Außenhandelswirtschaft studiert hatte, bekamen die Zuhörer Antworten aus erster Hand zur veränderten Führungsrolle in der regierenden Partei Kubas und dem von ihrem Präsidenten Raúl Castro schrittweise eingeleiteten wirtschaftlichen Wandel. Die Münsteraner Corpsstudenten und ihre Gäste zeigten sich einerseits beeindruckt vom beschriebenen Leistungswillen der kubanischen Bevölkerung, konfrontierten aber ihren Gast auch mit ihren Erwartungen an ein Land, das angesichts seiner geopolitischen Lage besondere Aufmerksamkeit erfährt. Fragen der Zuhörer zu politischen Gefangenen und Internetzensur wurden offen beantwortet.

In welchem Umfang die von der kubanischen Regierung eingeschlagenen Wege den Menschen und der Wirtschaft des mittelamerikanischen Landes dauerhaft mehr Gestaltungsfreiheit eröffnen, musste jedoch auch nach lebhafter und durchaus kontroverser Diskussion an diesem Abend auf dem Münsteraner Rhein-Westfalen-Haus in der Piusallee als Frage und Hoffnung der Zuhörer offen bleiben – soweit nicht beim anschließenden Empfang auf dem Corpshaus und dem persönlichen Gespräch mit dem Gast aus Kuba weitergehende Perspektiven angedeutet wurden.

Der Botschafter Kubas, S. E. Raúl Francisco Becerra Egana (Bildmitte) beim Empfang der Stadt im Kreis seiner studentischen Gastgeber vom Corps Rheno-Guestphalia

Der Botschafter Kubas, S. E. Raúl Francisco Becerra Egana (Bildmitte) beim Empfang der Stadt im Kreis seiner studentischen Gastgeber vom Corps Rheno-Guestphalia

„Wir haben hier in Münster mit den Botschaftergesprächen den internationalen Austausch auf einer Top-Ebene institutionalisiert“, kommentiert Dirk Frotscher (Direktor der Landesbank Berlin und Alter Herr bei den Rhein-Westfalen) die von ihm initiierte Reihe der Botschaftergespräche. „Es begann vor sechs Semestern mit dem wirkungsreichen Besuch des Botschafters Israels“, so Dirk Frotscher, „und das war ein besonderes Signal, dass der Vertreter Israels ohne Vorbehalte und zum offenen Dialog zu einer schlagenden Studentenverbindung in Deutschland kommt“.

BWL-Student Lars Heinrich, Senior/Sprecher der aktiven Rhein-Westfalen, der die Diskussion gekonnt moderierte, fügte hinzu: „Seit der Stiftung unseres Corps vor mehr als einhundert Jahren sind wir der Toleranz und der corpsbrüderlichen Freundschaft verpflichtet. Mit dem eindrucksvollen Auftakt durch den Botschafter Israels wurde die Position unserer Verbindung und auch der Corps hinweg über nationale und Glaubensgrenzen eindeutig beschrieben“.

Der Vorsitzende der Alten Herren des im übrigen einzigen Münsteraner Corps, Prof. Dr. Hermann Freter, stellte dazu fest: „Rheno-Guestphalia ist es in wenigen Semestern mit dieser exklusiven Veranstaltungsreihe gelungen, einen in der Studentenschaft und für die Universität und die Hochschulen in Münster weitreichenden Beitrag zum Gedankenaustausch über Grenzen und Kulturen hinweg zu begründen und dauerhaft zu pflegen.“

Auch die Stadt Münster wurde von den Studenten in dieses Konzept eingebunden. Von Beginn dieser Veranstaltungsreihe an empfing sie die nach Münster angereisten Botschafter im Friedenssaal. Damit war auch jeweils der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt verbunden – eine durchaus erfolgreiche Initiative von Verbindungsstudenten in und für die Stadt des Westfälischen Friedens.

Auf dem weiteren von den Rhein-Westfalen für den Botschafter organisierten Münster-Programm stand nach der Begrüßung des Botschafters auf dem Prinzipalmarkt ein Lunch im kleinen Kreis mit den Vertretern der schlagenden Verbindung. Es folgte der Besuch beim Verband Internationaler Unternehmen Münster und Umgebung e.V. und dort das Gespräch mit dessen Vorsitzenden Dr. Hilmi Saleh auf der Tagesordnung. Ein Treffen mit dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Herrn Johannes Frizen, wurde mit der Besichtigung eines landwirtschaftlichen Musterbetriebs abgeschlossen.

Am zweiten Tag seines Aufenthalts in Münster trifft sich der kubanische Botschafter mit dem Vizepräsidenten der Deutschen Hochschule der Polizei, Herrn Gerd Thielmann, um sich über die Ausbildung an dieser in Deutschland einmaligen Münsteraner Hochschule informieren zu lassen und erstmals den Dialog mit der Hochschule aufzunehmen.

Den Rhein-Westfalen und ihrem Corpsbruder Frotscher ist es in den zurückliegenden Semestern gelungen, die Botschafter Israels, aus dem Kosovo, Tanzanias sowie aus Afghanistan, Äthiopien und Lettland für einen Besuch in der Stadt des Westfälischen Friedens und beim Corps Rheno-Guestphalia zu gewinnen.

Die Reihe der Münsteraner Botschaftergespräche wird im Wintersemester am 7. November 2013 mit dem Besuch durch die Botschafterin der Philippinen, H. E. Maria Cleofe R. Nativitad, fortgesetzt. Ihr Thema: „Moving forward: Towards to 60 years of Philippine-German diplomatic relations“.

Quelle: openPR.de