Prof. Dr. Abdul Rahman Ashraf

Prof. Dr. Abdul Rahman Ashraf

Münster: Am 20.10.2011 fand im Rahmen der vom Corps Rheno-Guestphalia Münster organisierten „Münsteraner Botschaftergespräche“ der Vortrag seiner Exzellenz, Herrn Prof. Dr. Abdul Rahman Ashraf, Botschafter der islamischen Republik Afghanistan in Deutschland, mit dem Thema „Entwicklungsperspektiven in Afghanistan“ auf dem Corpshaus der Rheno-Guestphalia in der Piusallee 164 in Münster mit ca. 100 Gästen statt.

Seit Anfang 2010 führt das traditionsreiche, 1908 gestiftete Kösener Corps Rheno-Guestphalia zu Münster, zwei Mal im Jahr die sog. „Münsteraner Botschaftergespräche“ durch. Inzwischen waren Israels Botschafter Yoram Ben-Zeev, der Botschafter der Republik Kosovo, Dr. Vilson Mirdita, und der Botschafter der Vereinigten Republik Tanzania, Ahmada R. Ngemera, Gast der Rhein-Westfalen. Die Vorträge bieten die einmalige Möglichkeit, mit einem offiziellen Vertreter eines Landes direkt und offen über das jeweilige Land zu kommunizieren. Die Vortragenden erhalten hierfür keine Kostenerstattung, sondern nehmen diese Vorträge – oft unter persönlicher Anstrengung – ehrenamtlich wahr. Schließlich beträgt die Entfernung Berlin – Münster 480 km und eine Anreise ist wegen der notwendigen Flexibilität der Botschafter nur mit dem Auto möglich. Bereits jetzt bestehen Zusagen weiterer Botschafter für vergleichbare Vorträge in Münster.

Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Münster

Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Münster

Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den Aktiven des Corps in der Gaststätte Stuhlmacher fand um 14.00 Uhr die offizielle Begrüßung des Gastes durch die Stadt Münster, vertreten durch Frau Bürgermeisterin Karin Reissmann, im Friedenssaal statt, bei der sich der Gast in das Goldene Buch der Stadt Münster eintrug. Botschafter Ashraf wies in seiner Dankesrede auf die langjährigen Friedensverhandlungen, die den 30 jährigen Krieg beendeten, hin und zog insoweit Parallelen zu den Friedensbemühungen in Afghanistan. Anschließend gab es zu Ehren des Gastes einen kleinen Empfang. Nach der Begrüßung durch die Stadt Münster fand eine Stadtbesichtigung statt, bevor Botschafter Ashraf durch Vermittlung des Corps mit dem Präsidenten der Landwirtschaftkammer NRW, Herrn Johannes Frizen, zu einem Gedankenaustausch zusammenkam.

Am Abend fand der eigentliche Vortrag vor ca. 100 Personen statt, darunter zahlreiche Vertreter der Universität und der Bundeswehr. Botschafter Ashraf berichtete über die großen Fortschritte der politischen Stabilität in Afghanistan und die wirtschaftlichen Perspektiven. Afghanistan sei ein Land, welches über große Bodenschätze verfüge, insbesondere Litium und Kupfer seinen in großen Mengen vorhanden. Auch könne Afghanistan Wasserlieferant für seine Nachbarstaaten sein. Hier bestünden Chancen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Bevölkerung. Leider werde jedoch in der internationalen Presse wenig über die Fortschritte in Afghanistan berichtet, sondern überwiegend über Anschläge und eine zunehmende Bedeutung der Taliban. Botschafter Ashraf wies auf die lange Freundschaft zwischen Deutschland und Afghanistan hin und dankte den Deutschen für ihre Unterstützung. In seinen Gedanken sei er bei den Familienangehörigen, die Söhne oder Väter in Afghanistan verloren hätten. Afghanistan selbst habe in den letzten dreißig Jahren über 2 Millionen Tote zu beklagen gehabt und die Bevölkerung sehne sich nach Frieden. Wenn die internationale Schutztruppe ISAF ab 2014 mit dem Abzug beginne, seien die afghanischen Sicherheitsbehörden in der Lage, diese Lücke zu schließen. Allerdings dürfe die internationale Gemeinschaft Afghanistan auch nach 2014 nicht allein lassen, sondern müsse weiterhin begleitend und unterstützend im Land verbleiben.

Nach seinem 60 minütigem Vortrag in perfektem Deutsch – Botschafter Ashraf hat in Bonn promoviert – gab es eine lebhafte Diskussion über die Notwendigkeit des ISAF – Einsatzes sowie über eine fortschreitende Islamisierung der afghanischen Gesellschaft. Er betonte, dass es keine Alternative zu Verhandlungen mit den Taliban gebe, allerdings hätten die Taliban keine einheitliche Führung und oft wisse man nicht, wer welches Verhandlungsmandat besitze. Brigadegeneral Warnecke, Chef des Stabes des Dtsch-NL Corps in Münster, ergänzte die Ausführungen von Botschafter Ashraf durch seine eigenen persönlichen Erfahrungem im Einsatzland sowie als Leiter Einsatzführungsstab im BMVg in Berlin. General Warnecke hob die Fortschritte in den letzten Jahren ebenfalls hervor und wies darauf hin, dass nach 2014 – die politische Entscheidung vorausgesetzt – auch die Bundeswehr Afghanistan weiter unterstützen werde, wobei sich der Schwerpunkt der Unterstützung durch Deutschland auf den Aufbau staatlicher Strukturen verlagern werde. Auch wurde kurz über die geplante Afghanistan Konferenz auf dem Petersberg am 5.12.2011 berichtet. Man dürfe jedoch nicht zuviel erwarten. Die Konferenz werde nur wenige Stunden andauern und nicht alle Interessengruppen werden vertreten sein. Allerdings sei diese Konferenz ein wichtiger Beitrag für die Entwicklung Afghanistans. Täglich gebe es bilaterale Verhandlungen mit den verschiedenen Interessengruppen, so dass am 5. Dezember im wesentlichen noch offene Punkte behandelt werden können und ein Abschlusspapier unterzeichnet werden kann.

Nach dem Vortrag und der Diskussion gab das Corps Rheno-Guestphalia einen Empfang zu Ehren des Gastes, bei dem die Diskussion fortgesetzt wurde. Der Besuch war ein voller Erfolg und die Gäste haben einen sehr positiven Eindruck von der Islamischen Republik Afghanistan erhalten.