April2013_RudolfNebel_01Margot Nierhaus

Kurzfassung des Buches von Dipl.-Ing. Rudolf Nebel, „Die Narren von Tegel – Ein Pionier der Raumfahrt erzählt“

Düsseldorf, Droste-Verlag 1972.

Inhaltsverzeichnis

EINFÜHRUNG

Dipl.-Ing. Rudolf Nebel, Pionier der deutschen Raketenforschung in den letzten Jahren der Weimarer Republik, begann seine Tätigkeit als selbstständiger Raketenforscher 1929. Durch seine Initiative kam es am 27.September 1930 zur Gründung des „Ersten Raketenflugplatzes der Welt“ in Berlin-Reinickendorf. Auf diesem Gelände wurden
bis 1933 die ersten funktionsfähigen Flüssigkeitsraketen entwickelt.

Sie bildeten das Fundament, auf dem sich die späteren Erfolge der Raumfahrt aufbauten.

Rudolf Nebel und sein engster Mitarbeiter Klaus Riedel sind Inhaber des Deutschen Reichspatentes (DRP) Nr. 633 667 „Rückstoßmotor für flüssige Treibstoffe“ , ab 13.6.1931, Bekanntmachung 16.7.1936, und des DRP „RAk“ N 32 827 II 46 g „Flüssigkeitsrakete“, das als Geheimpatent eingestuft und nicht mehr ausgelegt wurde.

Im Juni 1934 wurde R. Nebel auf dem Raketenflugplatz, auf dem er noch wohnte, von der „Geheimen Staatspolizei“ (Gestapo) des NS-Regimes verhaftet, seine Unterlagen – darunter die Patentunterlagen -, alle Maschinen, Autos und anderes Material wurden beschlagnahmt. Der Raketenflugplatz wurde geschlossen. Durch einen Zufall wurde R. Nebel nach einem Tag wieder entlassen. Jede weitere Tätigkeit auf dem Gebiet der Raketenforschung wurde ihm verboten.

Das war das Ende seiner in den wenigen Jahren so erfolgreichen Arbeit als Raketenforscher. Heute sind seine Leistungen unbestritten und wurden vielfach gewürdigt.

In seinem Buch berichtet R. Nebel anschaulich und beeindruckend über die Forschungsarbeiten und die schwierigen Arbeitsbedingungen. Aber auch über die Begeisterung aller Beteiligten und ihre unerschütterliche Überzeugung, daß ihr Traum von der Raumfahrt realisierbar sei, sowie über ihre ständige Einsatzbereitschaft, die die erzielten Erfolge erst möglich machte.

Dieses Buch ist immer noch die Primärquelle über die Forschungsarbeiten von R. Nebel und seiner Gruppe. Seit 1980 ist es vergriffen. Darüber sind 33 Jahre vergangen.

Inzwischen gibt es moderne Techniken, die neue Möglichkeiten anbieten, um Wissen und Kenntnisse zu erwerben. So kann man z. B. im Internet unter den Begriffen „Rudolf Nebel“, „Raketenpionier Rudolf Nebel“, „Anfänge der Raketenforschung“, „Aufbruch in den Weltraum“ Beiträge finden, aus denen ersichtlich wird, dass die frühe Raketenforschung in Deutschland auch heute noch Interesse findet. Keiner der Beiträge kann aber Nebels Buch ersetzen. Sie sind mehr oder weniger unvollständig, enthalten Fehler und Ungenauigkeiten.

Die Bedeutung der Forschungsergebnisse von R. Nebel und Mitarbeitern für die Geschichte der Weltraumfahrt in Deutschland bewog mich dazu, eine Kurzfassung seines Buches zu erstellen.

Die Kapitel 1, 2, 7 und der Anhang wurden nicht berücksichtigt.

  • Im Mittelpunkt stehen R. Nebel als Raketenforscher und die Forschungsarbeiten.
  • Ich gebe ausschließlich zusammengefaßte Texte des Buches wieder ohne eigene Kommentierungen.
  • Zitate sind gekennzeichnet „- „.
  • Erläuterungen zum besseren Verständnis sind in Klammern gesetzt.

Auch diese Kurzfassung will das Buch nicht ersetzen, sie kann aber durch eng zusammengefaßte Sachverhalte umfassender über die Inhalte des Buches informieren.

HERKUNFT, SCHULE, STUDIUM UND BERUF

FAMILIE UND FRÜHE KINDHEIT

Rudolf Willy Nebel wurde am 21.3.1894 in Weissenburg in Bayern geboren. Sein Vater, Johann-Josef Nebel, Kaufmann, stammte aus Koblenz.

Seine Mutter, Emma, Mathilde, Hedwig Nebel, geb. Staudinger, gehörte einer angesehenen Familie in Weissenburg an. Ihr Vater, Ernst Staudinger, Büchsenmacher, hatte im Krieg 1870/71 eine Erfindung zur Verbesserung des Zündnadelgewehrs gemacht und dafür eine Fabrik eingerichtet. Ein Onkel besaß ein Fahrradgeschäft. So hatte R. Nebel schon als Vorschulkind erste Berührungen mit der Technik.

1895 wurde eine Schwester, Else, 1899 Bruder Walter geboren. Kurz vor der Geburt des Bruders zog die Familie nach München. Der Vater war dort Prokurist einer neu gegründeten Fabrik für Kettenfahrzeuge geworden.

„Zum 5. Geburtstag bekam Rudolf das erste Fahrrad geschenkt. Bei einer Fahrt des Fünfjährigen durch den Park von Schloß Nymphenburg begegnete der Familie der Prinzregent.. Er bestaunte das Fahrrad und ließ es sich „gnädig“ erklären. Die ihm danach geschenkten 5 Pfennige erfreuten den Jungen aber mehr als die „Ehre der Begegnung“.“

Wegen häufiger Umzüge besuchte R. Nebel keine Volksschule. Ein Privatlehrer bereitete ihn auf die Aufnahmeprüfung für ein Realgymnasium vor.

VOM SCHÜLER ZUM FLUGZEUGFÜHRER

1903 wurde Nürnberg zur neuen Heimat der Familie.

R. Nebel besuchte das Realgymnasium, war gerne in der Schule und einige Jahre Klassenprimus. Schon in der Schule galt sein großes Interesse der Fliegerei. Er verschlang „Die Reise zum Mond“ von Jules Verne, las die Bücher der Flugpioniere Lilienthal und Wright und teilte die allgemeine Begeisterung  für die Idee des Grafen Zeppelin.

Inzwischen gab es immer mehr Fahrräder auf den Straßen. R. Nebel mußte eine Fahrradprüfung ablegen und erhielt eine Radfahrkarte, ausgestellt durch den Stadtmagistrat am 9.1.1908.

Im Sommer 1909 unternahm Nebel eine Fünftagestour in Begleitung von zwei Klassenkameraden mit einem selbst zusammengebauten Fahrrad von Nürnberg nach Berlin-Johannisthal, um dort den Flugübungen zusehen zu können, „fliegende“ Menschen zu erleben.

Danach war sein Berufswunsch, Flieger zu werden, zunächst aber, ein eigenes Flugzeug zu bauen. Um das nötige Geld dafür zu bekommen, Eigenbau von Kasten- und Gleitdrachen, Einbau einer Kamera in einen Gleitdrachen, damit Herstellung erster Luftaufnahmen von Nürnberg, die verkauft wurden wie „warme Semmeln“. Inzwischen gab es die „Fluggemeinschaft Nebel“, der vier  Mitschüler, ein Mechaniker und ein Schlossergeselle angehörten.

Unterstützung fand die Gruppe durch ihren Physik- und Mathematiklehrer. Mit 17 Jahren „beschränkt geschäftsfähig“ kaufte Nebel die Baupläne für eine „Grade- Libelle“ und weiteres Zubehör. Er suchte und fand eine Scheune als Montagehalle. Nach vielen Versuchen, Verbesserungen und Anwendung zahlreicher Kniffe erhob sich am 17.7. 1912 ihre „Libelle“, ihr selbst gebautes Flugzeug zum ersten Mal mit eigener Kraft vom Boden.

Die Eltern hatten von diesen außerschulischen Arbeiten des Sohnes keine Ahnung.

Am 12.Juli 1912 Abitur. Danach eröffnete der Vater dem Sohn seine Vorstellungen von dessen zukünftigem Werdegang. Ohne darauf einzugehen, nahm dieser ihn mit zum Übungsplatz. Hier erfuhr der Vater dann endlich Genaueres von den Freizeitbeschäftigungen des Sohnes und erlebte eine „Platzrunde“ der Libelle, war von allem sehr angetan und bereit den Berufsvorstellungen des Sohnes zuzustimmen.

Gemeinsam „beichteten“ sie der Mutter die neue Lage. R. Nebel fand danach die tatkräftige Unterstützung des Vaters.

Am 15.August 1912 erwarb R. Nebel mit 18 ½ Jahren den Pilotenschein Nr. 178 und das Befähigungszeugnis als Flugzeugführer, ausgestellt durch die Kgl.Bayr.Inspektion des Militär-, Luft- und Kraftfahrwesens. Vorausgegangen war ein Flug mit der „Libelle“ von Nürnberg nach Frankfurt/M.- unterbrochen von einigen Pannen – und Landung auf dem Flugplatz von August Euler. Euler, Inhaber des Pilotenscheins Nr. 1, mußte die glatte Landung bestätigen.

Nebel gehört damit zu den ersten Piloten in Deutschland, zur Gruppe der „Alten Adler“.


STUDIUM UND WEHRDIENST ALS „EINJÄHRIGER“

In den Jahren 1912-1919 absolvierte R. Nebel das Studium an der Technischen Hochschule München, unterbrochen durch Wehr- und  Kriegsdienst. Abschluß am 19.11.1919 als Diplomingenieur-Maschinenbau.

Für das von ihm gewünschte Thema einer Doktorarbeit „Raketenflug“ fand  er keinen Doktorvater, es galt als zu utopisch.

1912-1913 Wehrdienst. Ableistung des Freiweilligen Jahres als „Einjähriger“ in München beim Kgl. Bayr. Telegraphenbataillon. Die im Aufbau stehende Fliegertruppe nahm keine „Einjährigen“.

Entlassung im September 1913 als Offiziersanwärter.

Die Dienstzeit wurde auf das Studium angerechnet, da neben dem Wehrdienst Vorlesungen besucht werden konnten. Bei Kriegsausbruch war R.  Nebel daher bereits im 4. Semester.

DER ERSTE WELTKRIEG, – VOM OFFIZIERSANWÄRTER ZUM JAGDSTAFFELFÜHRER

Kriegseinsatz 1914 – 1918

Zunächst an der Westfront. 1915 EK II und Beförderung zum Leutnant der Reserve.

Am 27.Januar 1916 Versetzung zur Fliegerersatzabteilung nach Schleißheim bei München zur Ausbildung.

August 1916 Erhalt des Militärflugzeugführerabzeichens. Freiwillige Meldung zur Jagdstaffel 5, zu der auch Hermann Göring gehörte.

Nach einem Abschuss durch den Feind und halbjährigem Lazarettaufenthalt suchte Nebel nach einer Methode, den Abstand zu den feindlichen Maschinen zu vergrößern. Im Pionierpark – 20 km entfernt – fand er Ofenrohre,
Signalraketen (Pulverraketen), Sprengköpfe, Kabel und anderes Material. Daraus bastelte er Raketen, die er unter den Tragflächen seines Flugzeuges anbrachte. Die Kabel endeten am Steuerknüppel, verbunden mit einem Druckknopf, mit dem er gleichzeitig alle 4 Sprengköpfe der Signalraketen zünden konnte. Damit gelang ihm der Abschuss von zwei feindlichen Jagdfliegern. Bei einem weiteren Angriff explodierten zwei Raketen an seinem eigenen Flugzeug und setzten es in Brand, seine „Albatros“ überschlug sich bei der Landung, zwei Soldaten zogen ihn aus den Trümmern. Er musste erneut ins Lazarett bis seine Verbrennungen geheilt waren.

Am Tag seiner Rückkehr gab es eine Feier. Für die Luftsiege erhielt er das EK I und den Luftkampfbecher. Ein Kamerad, auch Flieger, kam darauf, dass es ja eine waffentechnische Revolution bedeute, wenn ein Jagdflieger mit Raketen feindliche Flugzeuge abschieße, und Hermann Göring taufte die neue Waffe mit dem Namen „Nebelwerfer“.

Ein weiteres Experimentieren mit den Raketen wurde ihm untersagt. Drei Wochen später musste Nebel in Berlin dem Inspekteur der Fliegertruppen, Oberst Siegert, seine Erfindung erklären. Statt Lob erhielt er nur Vorwürfe, neue Waffen seien Sache der Inspektion.

(Eine Weiterentwicklung begann erst 1941, ein erster erfolgreicher Einsatz im Januar 1945)

Der Oberst teilte ihm danach mit, dass er außer der Reihe zum Oberleutnant befördert sei und das Leutnantspatent vom 1.10.1912- dem Tag seines Eintritts beim Heer- erhalten habe. Gleichzeitig wurde R. Nebel das Kommando der Jagdstaffel 90 übertragen.

1918 waren in seiner Staffel 25 Jagdeinsitzer vom Typ „Pfalz D VIII“ im Einsatz. Der Umlaufmotor dieser Maschinen brachte das Flugzeug in 30 Minuten auf die damals ungeheure Höhe von 8000 m. Nebel erkannte, dass man mit Propellermaschinen nur da fliegen kann, wo Luft vorhanden ist, eine Feststellung, die 1918 nicht selbstverständlich war. Er ahnte, dass ein neuer Antrieb gefunden werde müßte, um höher fliegen zu können.

Am 15.September 1918 wurde die Jagdstaffel 90 aufgelöst.

Nebel selbst erhielt am 16.November 1918 seinen Demobilmachungsbefehl in Nürnberg.

WIEDERAUFNAHME UND ABSCHLUSS DES STUDIUMS

Bereits im Dezember 1918 konnte Nebel, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, sein Studium an der TH in München fortsetzen, so dass er schon im März 1919 das Vorexamen machen konnte. Dann kam es in München zu einem Zwischenfall, „der mir klarmachte, dass die schönsten Pläne durch die Politik zunichte gemacht werden können“.

Seit Beginn des Studiums als Mitglied der studentischen Verbindung „Corps Cisaria“ inzwischen Chargierter geworden, musste Nebel für kurze Zeit die Führung einer Gruppe des Münchener Heimat-Schutzbundes übernehmen. Dadurch geriet er in den Trubel der kommunistischen Aufstände, die „Räterepublik“ wurde ausgerufen. Der Anführer, Kurt Eisner, wurde erschossen. Als Folge nahmen die Kommunisten zahlreiche Personen als Geiseln, darunter auch R. Nebel.

Nach Einrücken des Freikorps Epp im Mai 1919 in München wurden von den Kommunisten mehr als 40 Geiseln erschossen. R. Nebel konnte einen Tag vor der Erschießung fliehen. Der Adjutant des „roten“ Kommandanten, mit dem er als „Einjähriger“ zusammen gedient hatte, befreite ihn aus dem Polizeigefängnis und versteckte ihn unter Kohlen in einem Güterzug. So kam er aus München heraus nach Nürnberg.

Zu Hause „büffelte“ er weiter und traute sich erst im Oktober 1919 nach München zurück.

Mit einer Sondergenehmigung des Innenministeriums legte er am 19.November 1919 sein Diplom-Hauptexamen an der TH ab.


BERUFLICHE TÄTIGKEITEN ALS DIPLOM – INGENIEUR

Am 01.Dezember 1919 begann seine berufliche Tätigkeit als Konstrukteur bei Siemens in Nürnberg.

Ende 1920 wechselte er zur Deutsch- Schwedischen SKF- Norma GmbH Kugellagergesellschaft als Oberingenieur, lernte dort verkaufen, erhielt Einblick in amerikanische Werbungsmethoden.

1923 gab er die Stelle auf, die Rakete ließ ihn nicht los. Mit einem ersparten, kleinen Vermögen, wurde Nebel Teilhaber einer kleinen Feuerwerksfabrik in Pulsnitz, Sachsen. Neben dem Verkauf von Pulverraketen experimentierte er damit. Es kam zu Explosionen, ein Labor wurde zerstört. Er machte die Erfahrung wie gefährlich der Umgang mit Pulverraketen war, da vom Zeitpunkt der Zündung an die Verbrennung nicht mehr gesteuert oder gestoppt werden  konnte.

1925 wechselte er in die Fabrik eines Freundes für galvanische Verbleiung  in Berlin.

In den Jahren 1927-1929 arbeitete er wieder bei Siemens und Halske in Berlin. Der Konzern hatte gerade neuartige Alarmanlagen eingeführt. Nebel erhielt einen Bezirk für den Vertrieb dieser Anlagen und konnte dabei sein Organisations- und Verkaufstalent entfalten.

Neben einem kleinen Grundgehalt von 200 RM, verlangte er einen relativ hohen Prozentsatz an Provision und beackerte mit seinem Auto, der „Blech-Lizzie“ einem erfolgreichen Ford-Modell, Tag und Nacht seinen Bezirk.

Nach Anlaufschwierigkeiten wollten alle Banken, Kassen, Juweliere usw. die neuen Alarmanlagen haben, sodass er an den Provisionen sehr gut verdiente.

DER SELBSTSTÄNDIGE RAKETENFORSCHER

R. Nebel drängte es aber zunehmend mehr seinen „Traum von der Rakete“ zu verwirklichen. Inzwischen hatte er eine größere finanzielle Unabhängigkeit erreicht, so dass er sich 1929 selbstständig machen konnte, um sich ganz der Raketenforschung zu widmen.

Die Jahre 1928/1929 waren für die Geschichte der Raumfahrt in Deutschland Fixpunkte. Die junge Wissenschaft war ins allgemeine Interesse gerückt. Die Arbeiten von Ganswindt, Oberth, dem Russen Ziolkowski, dem Amerikaner Goddard wurden aktuelles Thema.

Es wurde in den Jahren viel mit Raketen experimentiert, aber der Raumfahrt brachten sie keinen Nutzen.

EIN FILM DER UfA „DIE FRAU IM MOND“ EIN „MEILENSTEIN“ IN DER GESCHICHTE DER RAUMFAHRT. DER „VEREIN FÜR RAUMSCHIFFAHRT“-VfRA-

5.6.1927 war in Breslau der „Verein für Raumschiffahrt“, -VfR von Johannes Winkler gegründet worden, der auch den Vorsitz übernommen hatte.

Zu den Mitgliedern des Vereins gehörte auch Prof. Hermann Oberth, der inzwischen durch sein Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ berühmt geworden war.

Der weltberühmte UfA- Filmregisseur Fritz Lang hatte das Buch von Oberth gelesen und beschloss, dem Raumschiff einen Film zu widmen mit dem Titel „Die Frau im Mond“. Fritz Lang schlug der Ufa H. Oberth als wissenschaftlichen
Berater vor. H. Oberth ergriff die Chance und kam Ende 1928 nach Berlin. Als die Film-Rakete fast fertig war, kam die Werbeabteilung der Ufa auf die Idee, neben diesem Raumschiff eine richtige, tatsächlich funktionierende Rakete zu bauen, die zur Uraufführung des Films in den Himmel geschossen werden sollte. Oberth akzeptierte spontan. Er sah darin eine Chance, eine echte Rakete mit flüssigem Treibstoff auf Kosten der Ufa konstruieren zu können.

R. Nebel hatte die Zeitungsberichte über die Ufa- Rakete gelesen. Sie brachten ihn dazu, Kontakt zu H. Oberth aufzunehmen. Schon bei der ersten Begegnung kam es auf Vorschlag Oberths zur Einstellung Nebels bei der Ufa als Mitglied des Ufa- Stabes. Oberth und Nebel ahnten bald, wie groß die Schwierigkeiten sein würden, die „erste“ Flüssigkeitsrakete zu bauen.

(Beide wussten zu der Zeit noch nicht, dass der öffentlichkeitsscheue amerikanische Prof. R. H. Goddard bereits Jahre zuvor Brennversuche und sogar einige Flüge mit Flüssigkeitsraketen unternommen hatte. Aber erst in den 30er Jahren wurden sachliche Berichte über die gelungenen Versuche aus den USA veröffentlicht.)

Fachleute hatten behauptet, auch Benzin und flüssiger Sauerstoff würde explodieren.

Trotzdem bauten sie auf dem Übungsgelände der Ufa einen kleinen Behälter, füllten ihn mit flüssigem Sauerstoff und spritzten brennendes Benzin ein. Es gab eine riesige Stichflamme aber keine Explosion. Nebel wollte weitere Versuche mit 1 Liter Treibstoff, Oberth mit 16 Litern. Die Auffassungen des Theoretikers Oberth und des Praktikers Nebel über das weitere Vorgehen, die Versuchsmethoden, Kraftstoffmischungen u.a. gingen oft weit auseinander, es gab immer wieder Streitigkeiten. Bald war klar, dass die „echte Rakete“ bis zur Uraufführung des Films „Die Frau im Mond“ am 15. Oktober 1929 nicht fertig gestellt sein würde. Die Schwierigkeiten nahmen zu, für die notwendigen
Brennversuche blieb einfach keine Zeit mehr.

Das Ufa-Projekt war gescheitert.

Es gab einen Riesenkrach zwischen Nebel und Oberth, der verärgert nach Mediasch, Rumänien, zurückfuhr.

DER „23.JULI 1930“, DIE „STUNDE NULL“ DER WELTRAUMFAHRT

Inzwischen war der in Breslau gegründete „Verein für Raumschifffahrt“ nach Berlin übergesiedelt. H.Oberth war Vereinsvorsitzender, der Berliner Journalist Willy Ley sein Stellvertreter.

Nebel wurde Mitglied, und auf einer Vorstandssitzung wurde beschlossen, dass der Verein und Nebel in Zukunft zusammenarbeiten wollten.

Nebels erstes Anliegen war es, von der Ufa die Film-Requisiten zu erhalten. Nach Zahlung eines Abstandes von 1000 RM erhielt er diese, sowie Einzelteile der Oberth-Rakete und das Startgestell. Das Raumschiffmodell konnte für Vorträge verwendet werden.

Zur Weiterentwicklung gehörte jedoch sehr viel Geld.

Zunächst hielt Nebel Vorträge „mit Demonstrationen“ in Berlin und Umgebung. Nach einem Lichtbildervortrag über die Arbeiten bei der Ufa bei einer Veranstaltung des VfR meldete sich bei ihm Ingenieur Klaus Riedel, ein
Mann, der bald entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Rakete ausüben sollte. Riedel war als Feinmechaniker bei einer Werkzeugmaschinenfabrik tätig  gewesen, finanziell unabhängig und bot spontan seine Mitarbeit an.

Aber vor allem mußten finanzkräftige Geldgeber gefunden werden. Als erstes nahm Nebel Kontakt zum Heereswaffenamt (HWA) auf. Der zuständige Munitionsexperte, Major Becker, zeigte sich interessiert und
entschloß sich, Nebels Arbeiten zu unterstützen.

Auch Innenminister Severing – Sozialdemokrat – zeigte sich grundsätzlich bereit, stellte aber Bedingungen. Er müsse durch ein Gutachten eines anerkannten Wissenschaftlers Gewissheit darüber bekommen, ob die Idee auch ausführbar sei. Minister Severing vermittelte danach den Kontakt zum Leiter der Chemisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin, Dr. Ritter, den er persönlich kannte. Dr. Ritter erklärte nach Durchsicht von Nebels Unterlagen, dass er seine Werkstätten zwar nicht für den Bau einer Rakete zur Verfügung stellen würde, empfahl aber die Vorführung eines Flüssigkeitsmotors nach seinen Plänen. Für die nötigen Vorarbeiten ständen die Werkstätten zur Verfügung. Falls der Brennversuch gelänge, würde er gerne ein Gutachten ausstellen.

Nebel schlug ein Gutachten von Prof. Dr. Albert Einstein vor, dessen Schwiegersohn er kannte. Es kam zu einem kurzen Gespräch mit dem Nobelpreisträger Einstein, der – nach Einblick in Nebels Berechnungen und Zeichnungen – diesem erklärte, seine Arbeit sei die Grundlage der Raumschifffahrt und das ideale Ferngeschütz. Er sei bereit, sich persönlich gegenüber Minister Severing gutachtlich zu äußern. Mit schriftlichen Gutachten habe er schlechte Erfahrungen gemacht.

Das HWA hatte Nebel inzwischen mitgeteilt, dass es einen einmaligen Betrag von 5000 RM für die Fertigstellung der Ufa- Rakete genehmigen würde. Es konnte mit den Vorarbeiten begonnen werden.

Zur Raketenmannschaft Nebel gehörten: Klaus Riedel, dessen Freund Kurt Heinisch und der 18jährige Student Wernher von Braun, eifriges Mitglied beim VfR. Nach den Erfahrungen bei den Arbeiten für die Ufa- Rakete schien es Nebel nicht mehr schwer den Beweis zu erbringen, dass flüssiger Sauerstoff und  Benzin explosionsfrei verbrannt werden konnten.

Er schickte H.Oberth ein Telegramm und bat ihn nach Berlin zu kommen. Die kleine Raketenmannschaft hatte die Ufa-Kegeldüse schon gut vorbereitet als H. Oberth in Berlin ankam.

Am „23. Juli 1930“, dem Tag der Vorführung, herrschten ausgesprochen schlechte Wetterbedingungen. Trotzdem gelang der Nachweis der „explosionsfreien Verbrennung von flüssigem Sauerstoff und Benzin“.

Die Stunde Null der Weltraumfahrt hatte begonnen.

Das Gutachten Dr. Ritters entsprach Nebels Vorstellungen. Er empfahl die „finanzielle Unterstützung der Versuche derartige Raketen durchzubilden“.

H.Oberth kehrte nach dem geglückten Versuch in seine Heimat nach Rumänien zurück.

(Nebel und Oberth trafen sich erst 1951 bei der 2. Astronautischen Tagung in London wieder.)

Nebel und Riedel wollten weiter an ihrer Ein-Liter-Rakete bauen, die bis zum Brennversuch am 23.7.1930 nicht fertig geworden war. Nebel nannte sie „Mirak 1“- entsprechend seinem Arbeitsprinzip, mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Leistung zu erzielen, ein kleines handliches Triebwerk, um daran zu lernen, Erfahrungen zu sammeln, um diese später auf größere Projekte übertragen zu können. Aber für die weitere Erprobung brauchten sie ein passendes Gelände.

Riedels Großmutter kam ihnen zu Hilfe. Sie hatte einen Bauernhof in Bernstadt/ Sachsen, dort sollten Nebel und Riedel Urlaub machen. Sie nahmen noch Kurt Heinisch mit und widmeten sich in der Zeit der „Mirak 1“. Ein Onkel Riedels bot ihnen seine Werkstatt an, und auf einem Acker in der Nähe starteten sie einige Versuche, z.B. dauerte es eine Zeit, bis sie hinter das Geheimnis der automatischen Zündung kamen. Bei ihrem ersten Flugversuch am 7.9.1930 explodierte sie unmittelbar nach der Zündung. Es war das Ende der „Mirak 1″. Die Konstruktion hatte Schwächen. Sie wollten sie nicht noch einmal bauen.

Bei den Versuchen hatte sich außerdem gezeigt, dass sie einen „eigenen Flugplatz“ mit Werkstätten und Wohnungen haben mußten, Nebels „Traum“ vom „Raketenflugplatz“ mußte Wirklichkeit werden.

Dem VfR in Berlin hatte Riedel öfter einige Zeilen über die Versuche in Bernstadt geschickt, die der Journalist Willi Ley im Mitteilungsblatt des Vereins veröffentlichte. Interessenten meldeten sich beim Verein und spendeten für die fleißigen „Raketenbauer“. Ein großzügiger Mäzen war der Hut-Fabrikant Hugo A. Hückel, der ihre Arbeit mit 500 RM monatlich unterstützte.

DER „ERSTE RAKETENFLUGPLATZ DER WELT“ GEGRÜNDET AM „27.SEPTEMBER 1930“ IN BERLIN – REINICKENDORF

Nebel gelang es, einen alten, nicht mehr benutzten Schießplatz mit einigen vom Verfall bedrohten kleinen Gebäuden, der ihm schon 1927 aufgefallen war, nach vielen Schwierigkeiten zu erhalten. Auch H. Oberth hatte versucht, die Genehmigung zu verhindern. Er hatte an das HWA geschrieben, das für die Genehmigung zuständig war, die „Mirak 1“ sei seine Erfindung und man möge verhindern, dass Riedel und Nebel seine Erfindung auf dem neuzugründenden Versuchsplatz weiter entwickelten. Nebel erhielt jedoch die Genehmigung, nachdem er seine Unterlagen vorgelegt und nachgewiesen hatte, dass das Gutachten von Dr. Ritter nur durch seine Initiative und Finanzierung ermöglicht worden war.

Die Finanzierung des Platzes und der Versuche erfolgte durch den VfR, aber Nebel persönlich war der Mieter. Er musste eine symbolische jährliche Pacht von 10 RM zahlen. Mit der Übergabe des Platzes in Anwesenheit von zwei
Vertretern des Amtes für Liegenschaften wurde der „Raketenflugplatz Berlin-Reinickendorf“ am 27. September 1930 gegründet.

Es brauchte viel Zeit und großen Einsatz aller Beteiligten, Gebäude und Anlagen für die Versuche herzurichten, die trotz der Schwierigkeiten weitergingen.

Vor allem gebrauchten sie Geld.

Nebels Werbungserfahrungen zeigten jetzt ihre Wirkung. Aufrufe, Zeitungsartikel, kleine Schriften wie „Raketenflug“, Schreiben an Großfirmen, persönliche Besuche Nebels bei Direktoren, Vorträge von Nebel und Riedel in verschiedenen Städten und anderswo brachten Geld und Material.

Leider blieb der erhoffte Zuschuß vom Innenministerium von 50.000 RM aus, es wurden nur Sachkosten übernommen.

Neue Mitarbeiter kamen hinzu, z.B. Beermüller, Feinmechaniker aus Nürnberg, P. Ehmayer, ein Handwerker aus Österreich, später halfen Oberingenieur Horn und Schweißer Lehmann aus der Versuchsanstalt für Schweißtechnik weiter, die auch andere Helfer auf dem Raketenflugplatz ausbildeten. Es kamen auch Arbeitslose. Nebel gründete einen „freiwilligen Arbeitsdienst“, der vom Reichsarbeitsministerium genehmigt wurde und die Nr.61 erhielt.

(Weltwirtschaftskrise, 25.Oktober 1929 „Schwarzer Freitag“, Börsenkrach in New York Auslöser, in Deutschland zunehmend Zusammenbrüche von Banken und Großbetrieben, rasant wachsende Zahl der Arbeitslosen. 1932 6 Millionen, 30,8 %)

Kurz nach der Eröffnung des Raketenflugplatzes wurde die Geschäftsstelle des VfR auf das Gelände verlegt. H.Oberth, wieder in Rumänien, hatte den Vorsitz des Vereins niedergelegt.

R. Nebel wurde Vorsitzender, Patentanwalt Wurm sein Stellvertreter, Willy Ley Kassierer.

Am 2. November 1930 hatte Berlin eine Sensation. Im „ Berliner Tageblatt“ war ein ausführlicher Artikel von Willy Ley über den Raketenflugplatz Berlin-Reinickendorf erschienen.

Die Idee, das Versuchsgelände „Raketenflugplatz“ zu nennen, war ein zündender Erfolg. Das Wort war sofort in aller Munde. Zwar gab es Angriffe von Zeitungen, wie: “Noch haben sie keine Raketen, aber schon einen Raketenflugplatz“. Nebel betonte in Gesprächen aber immer wieder, dass es sich um einen „Flugplatz zur Erforschung des Raketenfluges handele“. Auch der Ausdruck „Raketenflug“ war damals neu.

In den Reportagen der Zeitungen fehlten die kritischen Untertöne nicht, einige prägten den Beinamen „Die Narren von Tegel“. Er wurde zu einem Begriff und später ein „Ehrenname“.

GRUNDLAGEN DER RAKETENFORSCHUNG, RAKETEN-PATENTE, FILMDOKUMENTE

Im Mai 1931 fand in Kiel eine Schifffahrts-, Hafen- und Verkehrsausstellung statt. Nebel konnte dort eine Raumfahrtausstellung aufbauen und diese für die Werbung nutzen. Als Entschädigung erhielt er 2000 RM.

Riedel arbeitete mit Heinisch, Beermüller und Ehmayer in der Zeit intensiv an der „Mirak 2“, um sie am Ende der Ausstellung in Kiel starten zu können. Das wurde nicht genehmigt. So kam es nach mehreren Versuchen und Korrekturen an der „Mirak 2″ am 18.5.1931 auf dem Raketenflugplatz in Berlin – Nebel war noch in Kiel – zum ersten erfolgreichen, wenn auch noch nicht einwandfreien Start der Rakete, eine „fliegende Flüssigkeitsrakete“. 1931 eine Sensation, auch die Mitarbeiter mußten dies erst einmal in sich aufnehmen.

Nebel fuhr sofort nach Berlin, Riedel hatte inzwischen einen neuen Motor eingebaut. Am 23. Mai 1931 erfolgte bei schönem Wetter der 2. Versuch. Es zeigten sich dabei weitere Mängel. Sie mussten eine neue Rakete bauen, eine Weiterentwicklung der „Mirak 2“.

Während weitere Versuche mit der „Mirak 2″ wesentliche Verbesserungen brachten und immer mehr Zuschauer kamen, wurde mit der Konstruktion der  „Mirak 3“ begonnen.

Der erste Start der „Mirak 3″ im August 1931 brachte sie auf eine Höhe von fast 1000 m, als sich der Fallschirm entfaltete. Unbeschädigt kam die Rakete wieder zu Boden.

Später wurde die „Mirak 2″ Zweistaber, die „Mirak 3″ Einstaber genannt, während die größeren Raketen den Namen Vierstaber erhielten.

Nach Entwicklung des „Vierstabers“, eine 50 Liter-Rakete, mit einem Startgewicht von 100 kg, fanden die Versuche auf der Insel Lindwerber (Liebesinsel genannt) und auf dem Schwielowsee statt.

Dort blieb nur die Möglichkeit, die „Vierstaber“ von einem Boot aus zu starten.

Mit der Entwicklung der angeführten Flüssigkeitsraketen wurden die Grundlagen erarbeitet auf denen die spätere Raketenforschung aufbaute.

Bei den Versuchen auf dem Raketenflugplatz kam Nebel zu der Vermutung, dass Explosionen durch Wärmestauungen verursacht wurden. Anstelle von Stahl probierte er die Wärme mit einem Aluminiumrohr abzuführen und hatte damit die Lösung gefunden.

R. Nebel meldete für sich und K. Riedel das Patent Nr. 633667 für den „Rückstoßmotor für flüssige Treibstoffe“ an, patentiert im Deutschen Reich vom 13.6.1931, Tag der Bekanntmachung 16.7.1936.

Eine weitere Patentanmeldung „RAk“ Nr. 3282746 g „Flüssigkeitsrakete“ für R. Nebel und K. Riedel konnte nicht mehr ausgelegt werden. Es kam eine Verfügung heraus, dass alle mit Raketen zusammenhängende Patente als „Geheimpatente“ zu behandeln seien.

Mit seiner Siemens 16 mm-Schmalfilmkamera filmte R. Nebel unter anderem den Versuch am 23.07.1930, den Raketenflugplatz mit Gebäuden, Prüfstand, Startvorgänge, auch die Versuche auf dem Schwielowsee, mit Landung einer Flüssigkeitsrakete auf dem Wasser.

Im Mai 1945 beschlagnahmten die Engländer den Film. Es gelang ihm erst 1965 den Streifen in London zurückzubekommen.

BESUCHER AUF DEM RAKETENFLUGPLATZ, INTERNATIONALE KONTAKTE, INTERNATIONALE FORSCHUNGSGESELLSCHAFT „PANTERRA“

Zu den Besuchern auf dem Raketenflugplatz gehörte z.B. der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes, Minister a.D. Dominikus, der anschließend ein Gutachten ausstellte. In diesem heißt es „die dort geleisteten Arbeiten sind geeignet, die Aufgabe der Höhen- und Fernrakete ihrer Verwirklichung näher zu bringen“.

Ein weiterer Besucher, Dipl.-Ing. W. Dilthey, auch Mitglied des VfR, hatte in seiner Heimat in Rheydt einen „Verein für Weltraumfahrt“ gegründet und wollte die Arbeiten auf dem Raketenflugplatz unterstützen. Er habe sämtliche Raketenforscher besucht und in Berlin-Reinickendorf den besten Eindruck bekommen. Im Auftrag seines Vereins spendete er 2000 RM und wollte in Zukunft jeden Monat diese Summe überweisen. Er starb kurze Zeit später unter tragischen Umständen. In seinem Testament hatte er dem Raketenflugplatz noch 500 RM vermacht.

Auch offizielle Stellen bemerkten natürlich die Versuche. Gewerbeaufsicht und Polizei stellten im Interesse der Sicherheit ihre Bedingungen, erst recht als eine Rakete auf dem Dach der Polizeikaserne landete. Der Polizeipräsident ließ sich aber überzeugen, die Vorschriften wurden jedoch verschärft.

Auch Wissenschaftler aus dem Ausland besuchten den „Raketenflugplatz“. So kam aus Paris der bekannte André Hirsch, der zusammen mit dem französischen Flugpionier Robert Esnault-Pelterie den REP-Hirschpreis gestiftet hatte.

Ehrengast war ein ganzes Wochenende der Vizepräsident der amerikanischen Interplanetarischen Gesellschaft, Edward Pentray. Es wurde über die Gründung eines „Internationalen Zentralbüros für Raumfahrt“ gesprochen, aber die politischen Ereignisse machten alle Pläne zunichte.

Diese internationalen Beziehungen waren nur möglich, weil alle überzeugt waren, dass die Raketenforschung dem Weltfrieden dienen würde.

Bereits 1930 hatte Einstein mit Nebel darüber gesprochen, eine internationale Forschungsgesellschaft zu gründen, die das Ziel haben sollte, die Völker der Erde an Großaufgaben der Wissenschaft und Technik zu interessieren, und die unproduktiven Rüstungsgelder für friedliche Arbeiten zu verwenden.

Am 5.Mai 1932 erhielt Nebel eine Einladung zur Gründungsversammlung dieser Gesellschaft. Auch Riedel war eingeladen.

Professor Kapp wurde Vorsitzender, Nebel sein Stellvertreter.

Einstein hatte den Vorsitz abgelehnt, da er um die Zeit schon stark von den Nationalsozialisten angegriffen wurde. Kurze Zeit später emigrierte er in die USA.

Die Gesellschaft erhielt den Namen „Panterra“. Kurze Zeit nach Hitlers Machtübernahme wurde „Panterra“ als jüdisches Unternehmen verboten.

Auch der „Verein für Raumschifffahrt“ – VfR – wurde aufgelöst. Willy Ley hatte sich inzwischen als Fachjournalist einen Namen gemacht. 1936 emigrierte er in die USA. Zitat Nebel:

“ In mehreren seiner Bücher stellte Ley Behauptungen auf, die nicht zutreffen, aber er hat das Verdienst als einer der ersten Augenzeugen der jungen Raketenwissenschaft für die Idee der Weltraumfahrt geworben zu haben.

Während meine Mitarbeiter und ich Versuche durchführten und praktische Arbeit leisteten, nutzte Ley die Zeit, um das Beobachtete niederzuschreiben und sorgte damit für eine Dokumentation von historischem Wert.“

DIE MAGDEBURGER PILOTENRAKETE

Die Versuche auf dem Raketenflugplatz mit Vorführungen und vielen Besuchern, und die Suche nach finanziellen Mitteln gingen weiter.

Im August 1932 äußerte ein Magdeburger Raketenplatzbesucher sein Interesse am Bau einer Rakete.

Im Oktober 1932 kam es zu Verhandlungen mit Vertretern der Stadt Magdeburg, Großfirmen und anderen Persönlichkeiten. Magdeburg stand immer im Schatten Berlins, ein Raketenstart würde Magdeburg über seine Grenzen hinaus bekannt machen.

Die Teilnehmer an den Verhandlungen waren an einem eindrucksvollen Raketenstart interessiert. Sie erwarteten eine „fliegende Rakete“, auch ein „bemannter Raketenflug“ – zu der Zeit in aller Munde – wurde ins Gespräch gebracht.

Auf dem Raketenflugplatz in Berlin war bereits mit dem Bau einer Serie von fünf Raketenmotoren neuen Typs begonnen worden, von denen einer einen Rückstoß von 750 kg erreicht hatte. Theoretisch war es damit möglich, eine bemannte Rakete auf 1000 m Höhe zu bringen, und mit Hilfe von 2 Fallschirmen Rakete und Piloten glatt landen zu lassen.

Nebel berichtete davon. Bei der Kalkulation der Kosten wurde eine Summe von 40000 RM errechnet. Die Magdeburger Stadtbank sollte diesen Betrag als Kredit auszahlen, wenn sich in Magdeburg Behörden, Großfirmen und Personen fanden, die für große und kleine Beträge die Bürgschaft übernehmen würden.

Im Frühjahr oder Sommer 1933 sollte die „Magdeburger Pilotenrakete“ fliegen.

R.Nebel war als Veranstalter zu Schadensersatz verpflichtet, wenn die Verpflichtungen schuldhaft nicht erfüllt wurden.

Die „ Pilotenrakete“ sollte etwa 8 Meter lang und mit einem Raketenmotor von 750 kg Rückstoß ausgerüstet sein. Die Passagierkabine und die Brennstofftanks sollten eine Einheit bilden, die wie ein großes Geschoss aussah. Die andere Einheit, bestehend aus dem Motor und dem Fallschirm, sah ebenfalls wie ein Geschoss aus und sollte über der ersten Einheit angebracht werden. Der Pilot, der die Rakete steuert, sollte mit seinem Fallschirm abspringen, nachdem die Rakete die vorgesehene Höhe von 1000 Metern erreicht hatte.

Noch im Herbst 1932 – vor Abschluss des Vertrages – wurde auf dem Raketenflugplatz damit begonnen, die „Großrakete“ zu bauen. Es wurden neue Motoren entwickelt, ein Prüfstand konstruiert uva. Trotzdem wurde bald klar, dass der Frühjahrstermin für den Start der Großrakete in Magdeburg nicht eingehalten werden konnte.

Oberst Dr. Becker vom HWA versuchte indessen mit allen Mitteln den Start einer solchen Großrakete zu verhindern, (dessen öffentliche Vorführung ja viele Besucher anziehen sollte), und forderte die Beteiligten auf die Kreditzusage zu verweigern.

Nebel erhielt einen Wink und informierte den Magdeburger Oberbürgermeister Ernst Reuter. Dieser erklärte daraufhin persönlich am Telefon allen Beteiligten, dass er Wert darauf lege, dass der Vertrag sofort abgeschlossen werde.

Am 27.Januar 1933 kam es dann zur Unterschrift des Vertrages durch R.Nebel – als Veranstalter – und der Stadt Magdeburg.

(Direkt nach der Machtergreifung Hitlers wurde Ernst Reuter verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. Nach dem Krieg wurde er Regierender Bürgermeister von Berlin.)

Auf dem Raketenflugplatz konnte vorerst weiter gearbeitet werden, da der Vertrag rechtsgültig war.

Im Mai 1933 wurden bei Versuchen mit der Großrakete gute Ergebnisse erzielt. Da die Stadt Magdeburg langsam ungeduldig geworden war, wurde der erste Start auf den 8.6.1933 festgelegt.

Als Startplatz war von der Stadt eine Wiese in Gut Mose – in der Nähe von Magdeburg- zur Verfügung gestellt worden.

Widrige Umstände, vor allem der weite Transport der Rakete von Berlin nach Magdeburg und unmittelbar nach dem Start einsetzender wolkenbruchartiger Regen, der zwei Tage anhielt, und dem keine Rakete und kein Startgestell gewachsen gewesen wäre, führten zu einem Abbruch des Versuchs.

Bei einem weiteren Start am 11. Juni 1933 versagte ein Sauerstoffventil, und nach einem Fehlstart am 13. Juni 1933 wurde eine weitgehende Überholung beschlossen.

Beim nochmaligen Versuch am 29.Juni 1933 wurden Mängel des Startgestells sichtbar. Die Rakete kam zwar frei, erhielt aber bereits in 30m Höhe einen seitlichen Drall und kam mit noch brennender Düse zu Boden.

Die Versuche waren gescheitert.

Die Erfahrungen dieser missglückten Starts hatten gezeigt, dass in diesem Entwicklungsstadium unter keinen Umständen eine große Entfernung vom Raketenflugplatz mit seinen Werkstätten in Kauf genommen werden konnte. Mit der Rakete und allem Material ging es wieder zurück nach Berlin.

Über den Magdeburger Vertrag wurde nicht mehr gesprochen. Das Geld war verbraucht. Es war in Konstruktionen gesteckt worden, von denen viele beschlagnahmt oder gestohlen wurden, als man im Juni 1934 den Raketenflugplatz schloss. Die Stadt Magdeburg zeigte Verständnis für die Situation. Auf Bitten Nebels setzte sich der Magdeburger Oberbürgermeister in einem Schreiben vom 20.8.1935 an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda für eine Unterstützung von Nebels Raketenarbeiten ein. Er befürwortete Nebels Pläne, da der Start einer bemannten Flüssigkeitsrakete nach Gutachten von Dr. Ritter, Leiter der Chemisch- Technischen Reichsanstalt in Berlin, und dem Luftsachverständigen der Allianz Versicherung AG, Dipl. Ing. C. Delliehausen, Berlin, technisch durchführbar sei.


DAS MILITÄR GREIFT EIN

Unter den Besuchern auf dem Raketenflugplatz waren auch dann und wann leitende Mitarbeiter von Oberst Dr. Becker vom Herreswaffenamt – HWA – meist inkognito. Sie sahen sich um, waren aber zu keinen finanziellen Zugeständnissen für die Arbeiten der Nebelgruppe bereit.

Das HWA hatte selbst begonnen, Antriebsversuche durchzuführen, auch, um eine Lücke zu finden, die strengen Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages umgehen zu können.

Ende 1931 waren Oberst Dr. Becker und die Hauptleute von Horstig und Dornberger wieder einmal selbst auf dem Platz.

Nebel berichtete über die Arbeiten und stellte die „Mirak 2“ vor. Die Herren zeigten jedoch wenig Interesse. Nebel bat daher darum, in einigen Wochen  wieder zu kommen, es gäbe dann eine Neuigkeit.

Anfang 1932 erschienen sie dann erneut. Ihr Interesse galt aber nicht der „Mirak 2“, sondern der „Mirak 3“, die im August 1931 fast 1000m Höhe erreicht hatte und unbeschädigt mit dem Fallschirm wieder auf dem Boden gelandet war.

Nebel erhielt formell den Auftrag, die Drei-Liter-Rakete, die „Mirak 3“ vorzuführen, aber nicht auf dem Raketenflugplatz, sondern – zu Nebels Sorge – auf dem Artillerieschießplatz des HWA in Kummersdorf in der Mark Brandenburg. In einem „vertraulichen“ Schreiben vom 2.Juni 1932 wurde ihm mitgeteilt, dass am Mittwoch, den 22.6.1932 der Abschuss der Dreiliter- Flüssigkeitsrakete vor sich gehen sollte. Es folgten genaue Anweisungen und die Erklärung, dass jeder Ersatz und eine Haftpflicht abgelehnt würde. Eine Vergütung von 1367 RM würde gezahlt, sofern die Bedingungen restlos erfüllt worden seien.

Auf dem Gelände in Kummersdorf war ein neues, hermetisch von der Außenwelt abgeschirmtes Sperrgebiet entstanden, auf dem Versuche mit Flüssigkeitsraketen durchgeführt wurden. Die dort vorhandenen Einrichtungen, z.B. ein vollendeter Prüfstand für die Brennkammern, Registrierapparate, Messgeräte erregten die Bewunderung der Nebelleute im Vergleich zu ihren Möglichkeiten auf dem Raketenflugplatz. Auf dem Schießplatz, wo die „Mirak 3“ erprobt werden sollte, standen neuartige Kinotheodoliten zur Verfügung, die den gesamten Flug der Rakete auf den Film bannen und gleich ihren Flugweg vermessen konnten.

Nebel hatte Riedel, Beermüller, Ehmayer und W.v. Braun als eingeübte Mannschaft mitgenommen.

Auf Nebels Buick war ein Startgestell montiert, in dem zwei „Mirak 3“ vorführfertig gelagert waren. Die übrigen Geräte waren in Fordwagen untergebracht worden.

Um zwei Uhr nachts waren sie in Berlin aufgebrochen, um 4 Uhr am Treffpunkt in Kummersdorf angelangt, und nach zwei Stunden sinnloser Herumfahrerei aus Geheimhaltungsgründen – was den empfindlichen Raketen schaden konnte – um 6 Uhr am Startplatz angekommen.

Kurz vor dem Start wurde die 6 Meter lange Rakete nochmals sorgfältig von Nebel und Riedel untersucht. Gefunden wurde nichts.

Wie sich später herausstellte, war beim Transport doch eine Panne passiert. Das Glas eines Kontaktmanometers war gesprungen, ein kleiner Riß im Glas, aber beim Start zerbrach das Glas. Dabei sperrte ein kleiner Splitter den Zeiger, so dass der Druck im Sauerstofftank nicht auf zehn Atü, sondern nur auf 6 Atü ansteigen konnte.

Der Versuch fand bei herrlichem Wetter statt.

Um 6.45 Uhr löste das Kontaktmanometer die Zündung aus.

„Der Raketenmotor donnerte los, die bläulich-weiße Flamme zischte heraus, die Rakete löste sich aus dem Startgestell, stieg höher und höher, geriet plötzlich in eine Schrägstellung und flog dann aus unserem Gesichtsfeld“:

Nach Nebels Schätzung hatte die „Mirak 3“ eine Höhe von 1200 Meter erreicht, ein Offizier meldete die Höhe von 1100 Metern.

Für Nebel und seine Mitarbeiter war dies der erste gelungene Auswärtsstart einer Flüssigkeitsrakete, die Reichswehroffiziere erlebten den ersten Start.

Trotzdem war Oberst Dr. Becker nicht zufrieden. Er erklärte, der Start sei nicht gelungen, die vereinbarten 3000 Meter Flughöhe seien nicht erreicht worden, es sei eben noch ein weiter Weg bis zur Raumschifffahrt.

Den vereinbarten Selbstkostenbeitrag von 1360 RM könne sein Amt nicht zahlen, da der Start misslungen sein.

Ein heftiger Wortwechsel zwischen Nebel und Dr. Becker war die Folge. Ein späteres Angebot, 200 RM Transportkosten zu übernehmen, lehnte Nebel ab.

Zitat: „Dornberger, später Leiter der Heeres- und Versuchsanstalt Peenemünde – spricht in seinen „Erinnerungen“ von einer „großen Enttäuschung“ über das Ergebnis der Vorführung in Kummersdorf. Es sei dabei klar geworden, welche Fülle von grundlegenden Fragen erst wissenschaftlich und technisch einwandfrei beantwortet werden müssten, ehe man an die Konstruktion von flugfähigen Geräten herangehen könnte.“

Doch noch 10 Jahre später, wo in Peenemünde ein ganzes Heer von Technikern und Helfern mit ungeheurem Geldaufwand arbeitete, passierten solche Pannen wie in Kummersdorf.

R.Nebel konnte an diesem 22.Juni 1932 nicht ahnen, dass für seine Forschungsarbeit an dem Tag der Anfang vom Ende gekommen war.

DAS ENDE DER PRIVATEN RAKETENFORSCHUNG

JUNI 1934, 1.VERHAFTUNG VON R.NEBEL, UND DAS ENDE SEINER TÄTIGKEIT ALS RAKETENFORSCHER

Auf dem Raketenflugplatz gingen nach der missglückten Vorführung in Kummersdorf die Arbeiten zunächst weiter.

( siehe: „Die Magdeburger Pilotenrakete“ 1932 – 29.06.1933)

Nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 ging das Heereswaffenamt daran, die deutsche Raketenforschung in eigene Regie zu übernehmen. Die Rakete hatte als Waffe den Interessen der Landesverteidigung zu dienen. Mit allen Mitteln des NS-Regimes setzte das HWA die Ausschaltung der privaten Raketenforschung durch.

Versuche auf dem Raketenflugplatz in Berlin-Reinickendorf wurden verboten, ebenso jede Öffentlichkeitsarbeit und alle internationalen Kontakte.

Wernher von Braun war vom HWA angeworben worden und hatte schon am 1. November 1932 seine Tätigkeit dort aufgenommen.

Die endgültige Ausschaltung der privaten deutschen Raketenforschung brachte ein „Führerbefehl“, der anordnete:“ Für das gesamte Gebiet der  Raketenforschung ist ausschließlich das Heereswaffenamt zuständig.“

Wie das Heereswaffenamt über R.Nebel dachte, erfuhr er im Juni 1934. Nebel wohnte nach Einstellung der Versuche noch weiter auf dem Flugplatz, – er war ja der Mieter – , und war dabei andere Erfindungen auszuarbeiten, als zwei Beamte der Geheimen Staatspolizei – Gestapo – ihn dort festnahmen. Er musste mit Ihnen in die Wohnung seiner jüdischen Braut fahren, wo sie seine private Korrespondenz und die neue Broschüre „ Raketen – Torpedos“ beschlagnahmten.

Sie brachten ihn auf den Gefängnishof ihres Hauptquartiers in der Prinz-Albrecht-Straße, der voller SA-Männer war. Nebel war in den Strudel der „Röhm-Affaire“ geraten und hätte leicht erschossen werden können.

(„Röhm-Putsch“, 30. Juni 1934. Unter seiner Führung und unter Umgehung des Rechtsweges ließ Hitler an dem Tag – bei Duldung durch die Reichswehr – den Stabschef der Sturmabteilung – SA – Ernst Röhm, die gesamte Führungsspitze der SA und viele Hunderte seiner Leute umbringen.)

Ein Zufall rettete Nebel.

Ein Polizeikommissar, regelmäßiger Besucher des Raketenflugplatzes, erkannte Nebel auf dem Hof und ließ ihn sofort in eine sichere Zelle bringen. Bei der späteren Vernehmung in seinem Büro konnte Nebel – während einer
kurzen Abwesenheit des Kommissars – aus einem offenen Schreiben auf seinem Schreibtisch entnehmen, dass er „Landesverrat“ begangen habe. Begründung:

„Herr Nebel hat im März 1930 vom HWA einen Betrag von 5000 RM erhalten zur Durchführung von Raketenversuchen. Dies lief unter „Geheim“.

Trotzdem hat Nebel diese Versuche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit den Tatbestand des Landesverrats erfüllt.“

Der Kommissar konnte bei Telefonaten mit anderen Dienststellen Nebels Angaben, dass er wegen mangelnder finanzieller Unterstützung gezwungen gewesen sei, durch öffentliche Vorführungen Spendengelder zu beschaffen,
bestätigen.

Er bekam erleichterte Haft und wurde einen Tag später wieder entlassen.

Bei der Rückkehr auf den Raketenflugplatz waren u.a. seine Patentunterlagen, Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge und auch sein alter Buick verschwunden.

Das HWA hatte die Beschlagnahme angeordnet und Nebel den Platz  gekündigt, was nach dem Vertrag möglich war.

Der Raketenflugplatz Berlin-Reinickendorf war Geschichte.

VERSUCH EINES NEUBEGINNS

Zunächst versuchte Nebel, seine Verbindungen aus dem ersten Weltkrieg zu nutzen, u.a. zu Udet u.Göring, um eine neue Basis für seine Arbeiten zu finden, was aber nicht weiter führte.

Auch ein Empfehlungsschreiben von Dr. Todt, dem Generalinspekteur für das Deutsche Straßenwesen, das mit dem Satz endete:“Von dem Träger der Idee, Herrn Nebel, habe ich den Eindruck, dass er kein spekulativer, phantastischer Erfinder, sondern ein nüchterner, konstruktiv denkender Ingenieur ist, der sehr wohl die Schwierigkeiten und Grenzen seiner Idee  kennt“, half nicht.

Es traf ihn besonders hart, dass er auch als „Flieger“ abgelehnt wurde, obwohl eine Untersuchung 1935 seine „Fliegertauglichkeit“ bescheinigt hatte. Auch alte Kameraden von der Jagdstaffel konnten nichts für ihn erreichen.

Die kurzfristige Verhaftung im Juni 1934 hatte das HWA dazu genutzt, R. Nebel auf einer sogenannten „Schwarzen Liste“ zu führen. Er war auch kein Mitglied der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei – NSDAP – und wurde es auch nicht.

Anstellungen im öffentlichen Dienst blieben ihm dadurch verwehrt.

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, begann Nebel im Juni 1935 erneut als Konstrukteur bei Siemens.

Im Mai 1936 hatte er bei der Gestapo unter starkem Druck einen Revers unterschreiben müssen, dass er „auf Lebenszeit aus der Raketenforschung ausgeschlossen sei“.

Während seiner Tätigkeit bei Siemens beschloss Nebel, eine Entschädigung für seine beschlagnahmten Patente zu fordern.

Riedel und W. von Braun, der inzwischen auf dem Versuchsgelände des HWA in Peenemünde arbeitete, setzten sich sehr für ihn ein. Vor allem Riedel hatte den Kontakt zu ihm aufrecht erhalten. Nach einigem Zögern stimmte das HWA einer Abfindung zu und bot Nebel und Riedel 75000 RM als Lizenzgebühr für die Auswertung der Erfindungen an, wohl auch, um den Schein des Rechts zu wahren. Obwohl Nebel eine beträchtlich höhere Summe in die Erfindungen gesteckt hatte, musste er schließlich das Angebot akzeptieren.

Am 2. Juli 1937 kam es zu einem Vertrag, als „Geheim“ gekennzeichnet, zwischen dem HWA-Prüfwesen und Nebel und Riedel, der von allen Beteiligten unterschrieben wurde.

Im § 6 ( 1) des Vertrages heißt es ausdrücklich; dass „Nebel und Riedel verpflichtet sind, alles mit dem Vertrag in Zusammenhang stehende geheim zu halten,

Im § 6 ( 2 ) unter Androhung von Strafe.

Im § 3 ( 2 ) heißt es:“ Zahlung des Betrages ist am Tage des Dienstantritts Riedels bei dem Heereswaffenamt-Prüfwesen fällig.“

Einen Monat später bekamen sie das Geld.

In einem privaten Vertrag legten Nebel und Riedel ihre Anteile fest. Nebel erhielt 50000 RM, Riedel 25000 RM.

Gemeinsam stellten sie 5000 RM zur Verfügung, die anteilig Heinisch, Hüter, Beermüller und Ehmayer bekamen.

Mit der Patententschädigung konnte Nebel sich erneut selbstständig machen.

DER SELBSTSTÄNDIGE INGENIEUR

SOMMER 1937 GRÜNDUNG „INGENIEUR-BÜRO Karl SAUR und Rudolf NEBEL“

Bei Siemens hatte er Dipl.Ing. Karl Sauer kennengelernt, der eine Maschine konstruiert hatte, die ein Uhrwerk automatisch zusammenbauen konnte.

Gemeinsam eröffneten sie ein „Ingenieurbüro“ in Berlin-Wilmersdorf und entwickelten einen „Automatischen Arbeiter“, der zahlreiche Arbeitsvorgänge bewältigen konnte.

Daneben hatte Nebel einen Plan für ein „Erfinder–Hilfswerk“ ausgearbeitet, der bei den entscheidenden Stellen gut ankam.

Im Herbst 1937 erhielt er durch den Staatsrat Görlitzer den Auftrag, dessen Leitung zu übernehmen.

Zusammen mit Reichsbahnrat Ludwig sollte er in Schlesien ein Hilfswerk einrichten.

Zur Ausführung des Planes kam es aber nicht mehr.

Dies scheiterte an einem für Nebel folgenschweren Zwischenfall.

JANUAR 1938, 2.VERHAFTUNG VON R.NEBEL

Weihnachten 1937 wollte Nebel in Spindelmühle in der Tschechoslowakei einen Ski-Urlaub verbringen. Ein Ausflug über die Grenze ins Riesengebirge war für viele Berliner damals noch eine harmlose Sache, obwohl es schon Spannungen zwischen beiden Ländern gab. Abfahrbereit hatte er am 22. Dezember noch die Post abgewartet und diese eingesteckt. Bei der Post befand sich auch ein Einschreiben mit dem „Geheimvertrag“, der ihm von einem Referenten der „Deutschen Arbeitsfront“ nach Einsicht zurückgesandt worden war.

Auf der Rückfahrt am 2.Januar 1938 musste er das Auto wegen heftigen Schneefalls mehrmals frei schaufeln. Völlig erschöpft kam er an der Grenze an. Nach der tschechischen Grenzkontrolle fuhr er an der deutschen Zollstation ohne Halt durch, da er keine Zollbeamten sah. Nach einigen Kilometern wurde er von Polizisten gestoppt und ohne Angaben von Gründen in das Gefängnis von Löbau gebracht.

Erst jetzt wurde ihm plötzlich klar, welchen „Kapitalfehler“ er gemacht hatte. In seinem Erschöpfungszustand hatte er bei der Durchfahrt durch die Zollstation nicht an den „Geheimvertrag“ gedacht. Jetzt würden die Polizisten das Auto durchsuchen, den Vertrag finden und ihn zur Rechenschaft ziehen. Bei der Vernehmung durch einen Gestapo-Beamten wurde ihm dann mitgeteilt, dass er wegen dringenden Verdachts auf Landesverrat verhaftet worden sei. Man sei sicher, dass er in der Tschechoslowakei Verhandlungen mit der Regierung wegen seiner Patente geführt habe, um diese an Raketen zu interessieren. Seine Einwände, er sei nur im Ski-Urlaub gewesen, was er durch Fotos zu beweisen suchte, wurden nicht akzeptiert. Danach folgte seine Verlegung in das berüchtigte Zuchthaus Bautzen. Nach drei Wochen Haft in Bautzen, die ihm gesundheitlich sehr zugesetzt hatte, er hatte u.a. rapide abgenommen, verlegte man ihn zur Gestapo nach Dresden, wo er besser behandelt wurde.

Er bot dort eine Kaution an, damit er den Beweis erbringen könne, dass er keinen Landesverrat begangen habe, wurde dann aber entlassen, ohne Kaution.

Später erfuhr er, dass die Gestapo durch eigene Leute in Spindelmühle und in Prag Recherchen hatte durchführen lassen, die Nebels Aussagen, nur im Ski-Urlaub gewesen zu sein, bestätigt hatten.

Trotzdem blieb seine Eintragung auf der „Schwarzen Liste“ des HWA bestehen, wie er bei einer Musterung am 1.September 1939 erfuhr, sein Einsatz im 2. Weltkrieg war daher auch ausgeschlossen.

Doch damit war die Sache noch nicht erledigt.

Nach Berlin zurückgekehrt, meldete er sich zunächst bei Reichsbahnrat Ludwig, um die Arbeit für das Erfinder-Hilfswerk wieder aufzunehmen. Dieser habe sich sehr merkwürdig verhalten und gesagt: “Herr Nebel, Sie sind doch Jude“. Auf die Rückfrage Nebels, was das solle, habe dieser geantwortet: „Wer Jude ist, bestimmen wir!“ Ludwig hatte von der Verhaftung erfahren und offenbar „von oben“ die Anweisung erhalten, Nebel nicht mehr zu „verwenden“.

AUFTRAG DER WEHRMACHT, KRIEGSENDE IN NORDHAUSEN UND BAD WILSNACK

Zurück im privaten Ingenieur-Büro arbeiteten Saur und Nebel an der Entwicklung des „Automatischen Arbeiters“ weiter. In einer kleinen Werkstatt in Berlin-Lichterfelde erstellte Saur mit 5 Mitarbeitern die Konstruktionen für die Automaten, Nebel überwachte deren Anfertigung, Montage und Arbeiten bei den Kunden. Sie erhielten Aufträge verschiedener Privatfirmen und konnten sorgenfrei leben.

Am 23.November 1943 wurde das Berliner Büro total ausgebombt. Danach verlegten sie ihre kleine Firma nach Bad Wilsnack an der Elbe.

Durch die Initiative von Klaus Riedel, – der trotz Nebels „Abseitsstellung“ immer mit ihm in Verbindung geblieben war bis zu seinem tödlichen Autounfall im November 1944 in Peenemünde – bekamen Nebel und Saur im Juli 1944 – kurz vor dem Attentat auf Hitler – den Auftrag „20 Automatische Arbeiter“ für die Wehrmacht zu bauen.

Saur sollte die Konstruktionszeichnungen von Wilsnack aus liefern, Nebel im „KZ-Mittelbau Dora“ bei Nordhausen die Arbeiten beaufsichtigen. Einige deutsche Techniker und 100 Häftlinge wurden dafür eingesetzt. Die Sicherheitsbestimmungen waren äußerst streng. Jeder persönliche Verkehr zwischen deutschen Zivilarbeitern und den Häftlingen war verboten und wurde hart bestraft.

(Unter dem Decknamen „KZ-Mittelbau“ verbarg sich die größte unterirdische Rüstungsfabrik, die unter dem Konsteingebirge bei Nordhausen im Harz erbaut worden war und streng geheim gehalten wurde.)

Am 1. April 1945 wurde das Werk aufgelöst.

Den Angestellten war gekündigt worden. In der kleinen Stadt lebten zu der Zeit etwa 40000 Menschen, die meisten im Aufbruch.

Am 2./3. April flogen die Alliierten einen ihrer schwersten Bombenangriffe gegen deutsche Rüstungsbetriebe.

25.000 Menschen kamen in diesen Tagen im Bombenhagel um.

Am 3. April 1945 war Nordhausen eine brennende Ruine.

R. Nebel hatte diese Tage (Osterfeiertage) außerhalb Nordhausens verbracht, wurde dadurch von den Bombenangriffen verschont und kehrte danach nach Bad Wilsnack zurück.

Für R.Nebel und K.Saur kam das Kriegsende am 2.Mai 1945 beim Einmarsch der Russen in Bad Wilsnack.

Sie hatten auf dem Kirchturm die „weiße Fahne“ gehisst – trotz heftigem Beschuss durch eine kleine Abteilung der Waffen-SS. Der russische Kommandant hatte die beiden wohl gesehen und ernannte Nebel sofort zum Bürgermeister.

Nebels Papiere wurden beschlagnahmt, die Ufa-Rakete und kleinere Modelle der Flüssigkeitsrakete sofort nach Moskau abtransportiert.

An langen Schachabenden mit dem Kommandanten gelang es ihm seine Papiere zurückzuerhalten.

1947 FLUCHT IN DEN WESTEN

1947 war er erstmalig bei Nacht und Nebel über die Zonengrenze nach Landshut gefahren, um dort die Amerikaner zu treffen.

Da er aber in Peenemünde nicht dabei war, zeigten sie kein Interesse.

In Bad Wilsnack kam es inzwischen zunehmend zu gefährlichen Auseinandersetzungen mit einheimischen Kommunisten, da er für kurze Zeit Vorsitzender der neu gegründeten Liberal-Demokratischen Partei und Kreisleiter geworden war.

Er schaffte es dann einige Zeit später noch einmal, sich mit allen Papieren endgültig in den Westen abzusetzen.


LEBEN UND ARBEIT IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Nach seiner Flucht fand R.Nebel in Bad Lauterberg im Harz eine Anstellung als Hilfsarbeiter in einem chemischen Werk, bis dessen Demontage und Abtransport nach England im Oktober 1949 beendet war.

Im November 1949 zog er nach Anröchte, Kreis Lippstadt.

Dort fand er Aufnahme bei seiner späteren Lebensgefährtin und Ehefrau und deren Vater, die im November 1945 aus dem Ruhrgebiet nach Anröchte zwangsevakuiert worden waren und dort eine kleine Wohnung zugewiesen bekommen hatten. Zunächst erhielt er Arbeitslosenunterstützung.

Im September 1950 nahm Nebel an der 1. Astronautischen Tagung in Paris teil und traf dort ehemalige Mitarbeiter vom Raketenflugplatz und den Wissenschaftler Eugen Sänger.

Auf der Rückfahrt bot er dem Rundfunksender in Köln spontan einen Bericht über die Pariser Tagung an, der auch gesendet wurde.

Das Honorar von 100 DM war ein fürstliches Geschenk für ihn.

Diese Erfahrung brachte ihn dazu, einen Vortrag in Lippstadt zu halten, 14 km von Anröchte entfernt.

Nebel hatte einen Saal gemietet, 100 Plakate drucken und aushängen lassen, 1 DM Eintritt verlangt und selbst an der Kasse gesessen.

Der Vortrag wurde ein Riesenerfolg, die Polizei musste den Saal wegen Überfüllung sperren. Nebel erkannte, dass das Interesse an der „Rakete“ und der „Raumfahrt“ groß war.

(Von der „V2“ als Wunderwaffe gegen Ende des Krieges gab es nur „Gerüchte“)

In den nächsten Wochen stellte er einen Dia-Vortrag mit eigenem Bild- und Filmmaterial, Zeichnungen und Dokumenten zusammen, den er ständig aktualisierte. Die Vorträge waren sehr begehrt, dementsprechend erhielt er genügend Einnahmen und war nicht mehr auf Arbeitslosenhilfe angewiesen.

( Die erste größere Summe erhielt ein örtlicher Bauherr für die baldige Fertigstellung einer 4 räumigen Etagenwohnung im 1.Stock eines Neubaus. Die primitiven Wohnverhältnisse hatten ein Ende.)

Um Vorträge im Umkreis halten zu können, kaufte er ein gebrauchtes Auto und Siemens Vorführgeräte für Filme und Dias.

R.Nebel hatte eine neue Existenz gefunden, er lebte wieder von und mit der Rakete und der Raumfahrt.

Am 1. April 1959 Umzug der Familie nach Düsseldorf in eine Neubau-Etage.

(Im Rahmen der Rückführung von nach dem Krieg Zwangsevakuierten)

Am 21. März 1959, 65 Jahre alt geworden, erhielt Nebel jetzt eine kleine Altersrente.

Haupteinnahmequelle blieben aber seine Vorträge.

Bis Mitte der 1970er Jahre hielt Nebel ca. 4000 Vorträge in der ganzen Bundesrepublik und trug dadurch mit dazu bei, einer breiten Bevölkerung die sich inzwischen rapide entwickelnde Weltraumfahrt näher zu bringen.

Von 1963 bis 1965 war R.Nebel als „Wissenschaftlicher Berater“ bei der Gesellschaft für Weltraumforschung in Bad Godesberg tätig.

( heute : Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – DLR – in Porz-Wahnheide)

Am 25. Juni 1965 wurde ihm das „Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.

Am 1.Mai 1966 bewilligte ihm der Bundespräsident auf Grund seiner Verdienste einen „Ehrensold“, so dass er neben seiner kleinen Rente ein Minimum an Auskommen hatte.

( Eine materielle Entschädigung für seine grundlegenden Forschungsarbeiten wurde ihm – trotz intensiver eigener Bemühungen – bis an sein Lebensende versagt.)

Auf Grund der Einladung des Wissenschaftsministeriums konnte R.Nebel am 16.Juli 1969 den Start der Apollo 11 zum Mond auf der Ehrentribüne in Kap Kennedy miterleben.

Für ihn „eines der schönsten Ereignisse meines Lebens“, sein „Jugendtraum“ hatte sich erfüllt.

Nach dem Start gratulierte Nebel Wernher von Braun zu seinem Erfolg.

Ein Brief von W.v.Braun vom August 1969, im dem er Nebels entscheidende Beiträge zur Entwicklung der Flüssigkeitsraketen hervorhebt, ist dem Buch von R.Nebel, „Die Narren von Tegel – ein Pionier der Raumfahrt erzählt“ vorangestellt.


Nachwort

Rudolf Nebel verstarb am 18. September 1978 -84jährig- in Düsseldorf.

Am 30.Oktober 1978 wurde seine „Urne“ in einem „Ehrengrab“ auf dem Südfriedhof seiner Vaterstadt Weissenburg in Bayern beigesetzt.
Auf dem Grab befindet sich außer dem „Gedenkstein“ seiner Vaterstadt noch das „Emblem“ der Gruppe „ Alte Adler“, zu der R.Nebel gehörte.

Eine Straße in Weissenburg i.Bay. erhielt am 12.Mai 1965 den Namen „Rudolf-Nebel-Straße“.

R.Nebel war „Ehrenmitglied“ der „Hermann-Oberth-Gesellschaft e.V.“ und der“Gesellschaft für Luft und Raumfahrt e.V.“ ( Nach Zusammenlegung der beiden Gesellschaften Januar 1993, „Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, Lilienthal-Oberth e.V.)

Sein Archiv vermachte R.Nebel im August 1978 dem „Deutschen Museum“ in München.

Gertrude Nebel, geb. Nierhaus, verstarb am 14.Januar 2004 – 99 ½ jährig – in Düsseldorf. Sie überlebte ihren Mann 26 Jahre.

Beide hatten keine Kinder.

Ich bin dankbar, dass es mir noch möglich war, eine „Kurzfassung“ des Buches meines Schwagers, R. Nebel, „Die Narren von Tegel – ein Pionier der  Raumfahrt erzählt“ zu schreiben.

Nur so konnte ich ja meine Absicht realisieren, umfassendere Informationen ins Internet zu stellen.

Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, welche Leistungen von R. Nebel und seinen Mitarbeitern unter den finanziellen, technischen und politischen Bedingungen der Jahre 1929 – 1934 erbracht wurden.

Die „Kurzfassung“ wird mit dazu beitragen, konkretere Kenntnisse über die frühe deutsche Raketenforschung zu erwerben.

An dieser Stelle danke ich allen, die mich während des Schreibens immer wieder ermutigten und tatkräftig unterstützten.

Mein besonderer Dank gilt meiner Wahltochter, sie hat entscheidend zur formalen Gestaltung und zum äußeren Erscheinungsbild beigetragen und dafür viel Zeit investiert.

Allen Lesern und Leserinnen wünsche ich interessante Lesestunden.
Düsseldorf im April 2013
Margot Nierhaus

Anlagen aus dem Buch, 6 Kopien

Das Foto auf dem Schutzumschlag des Buches mit Erläuterungen

Das Foto auf dem Schutzumschlag des Buches mit Erläuterungen

Am „23.Juli 1930“ wurde bei einem Brennversuch auf dem Gelände der Chemisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin der Nachweis erbracht, dass flüssiger Sauerstoff und flüssiges Benzin explosionsfrei verbrannt werden kann. Das geeignete Treibmittel für Flüssigkeitsraketen war gefunden.

DIE STUNDE NULL der Weltraumfahrt hatte begonnen.

Das Foto dokumentiert die Bedeutung dieses Ereignisses für die Raumfahrt. Es hat inzwischen Symbolcharakter erlangt und wurde vielfach veröffentlicht. Zu den Personen auf dem Foto:

  • Vorne links: Dipl.-Ing. Rudolf NEBEL, mit weißem Kittel und Kamera, Initiator des Versuchs.
  • Daneben: Dr. RITTER, mit Hut und weißem Kittel, Leiter der CTR und Gutachter.
  • Mitte rechts: Prof. Hermann OBERTH, neben der Rakete, Verfasser des Buches „Die Rakete zu den Planetenräumen“1923
  • Vorne rechts:Ing. Klaus RIEDEL, neben Prof. Oberth, im weißen Kittel mit der Minimumrakete, R.Nebels engster Mitarbeiter.
  • Schräg hinter K.Riedel, der 18jährige Wernher von Braun, freiwilliger Helfer in R.Nebel „Raketenmannschaft“.

Das Foto wurde von R.Nebel mit Selbstauslöserkamera aufgenommen und befindet sich in seinem Archiv im Deutschen Museum in München, seit 1978.

R. Nebel war Inititator und Finanzier des Versuchs und erhielt anschließend ein Gutachten von Dr.Ritter.

Weitere Informationen siehe KURZFASSUNG Seiten 7, 8 und 9

Klappentext des Buches

Klappentext des Buches

Inhaltsverzeichnis aus dem Buch, Kopie

Inhaltsverzeichnis aus dem Buch, Kopie

Briefkopie aus dem Buch

Briefkopie aus dem Buch

April2013_RudolfNebel_06

Anm.: Ein weiteres Patent, das DRP“Flüssigkeitsrakete“ mit 17 Patentansprüchen  “Rak“ N 32827 46 g konnte nicht mehr ausgelegt werden und wurde zum  Geheimpatent erklärt.  Kopie der Patentschrift aus dem Buch

Anm.: Ein weiteres Patent, das DRP “Flüssigkeitsrakete“ mit 17 Patentansprüchen “Rak“ N.32827.46.g konnte nicht mehr ausgelegt werden und wurde zum Geheimpatent erklärt. Kopie der Patentschrift aus dem Buch

Literaturverzeichnis aus dem Buch

Literaturverzeichnis aus dem Buch

Anlagen aus der Privatsammlung Nebel / Nierhaus – 4 Kopien

Privatarchiv Nebel / Nierhaus

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