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Westfalen –  Demokratieentwicklung durch Bürgerbeteiligung und Dezentralisierung, Dialog zwischen verfeindeten Interessengruppen, Sicherung der inneren Ordnung und insbesondere einer unabhängigen Justiz, Mobilisierung privater Investitionen – auf diese Formel brachte die Botschafterin der Republik Mail, I. E. Hawa Ba Keita bei ihrem Vortrag am 23. Oktober beim Corps Rheno-Guestphalia zu Münster die Herausforderungen, vor denen sich das von ihr in Deutschland vertretene mittelafrikanische Mali sieht.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Münster. Die Botschafterin, neben ihr die Bürgermeisterin, Frau Wendela-Beate Vilhjalmsson (SPD) und ihre Gastgeber vom Corps Rheno-Guestphalia

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Münster. Die Botschafterin, neben ihr die Bürgermeisterin, Frau Wendela-Beate Vilhjalmsson (SPD) und ihre Gastgeber vom Corps Rheno-Guestphalia

Noch sei die Spaltung des Landes nicht endgültig überwunden, wie sie 2012 von Separatisten und Dialethisten zunächst mit der Unterwerfung der Provinzen im Norden angestrebt wurde. Allein die schnelle Intervention Frankreichs habe den Vormarsch stoppen und im letzten Augenblick den Zerfall des von sieben Nachbarländern umgebenen Landes verhindern können. Zwischenzeitlich sei es gelungen, aus der zur politischen Kraft gewordenen Armee wieder eine Schutztruppe zu bilden, die zusammen mit den rd. 10.000 im Land stationierten UNO-Soldaten die Durchsetzung der inneren Sicherheit übernommen habe.

Ein umfangreiches Besuchsprogramm rundete das Botschaftgespräch ab.

Ein umfangreiches Besuchsprogramm rundete das Botschaftgespräch ab.

An die vereinbarte internationale Hilfe durch die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds müssen sich, so die Botschafterin, jetzt auch private Investitionen anschließen. Für entsprechende Engagements seien die Voraussetzungen geschaffen seien, u.a. durch das Zurückdrängen der Korruption und den Aufbau einer unabhängigen Justiz. Eine zentrale Herausforderung sieht die Botschafterin auf dem Feld der Berufsausbildung, die es auch mit Hilfe aus dem Ausland zu fördern gelte. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Jugend Mali verlässt, ihre Zukunft im Ausland sucht und der Verlust die wirtschaftliche und soziale Entwicklung beeinträchtigt.

Gemeinsames Ziel von Politik und Wirtschaft sei es, die Wirtschaftskrise zu überwinden und einen bescheidenen aber kontinuierlichen Aufschwung in Mali zu sichern. Dabei sei Deutschland ein leuchtendes Beispiel. Die traditionell starke Landwirtschaft und der Bergbau seien gute Grundlagen für eine solche Entwicklung und dauerhafte Stabilisierung. Eine Gefahr für die Stabilisierung im Lande müsse in der Ebola-Epidemie gesehen werden. Mali sei bislang verschont geblieben, habe jedoch die Zeit seit dem Ausbruch der Krankheit in den Nachbarländern genutzt, um sich vorzubereiten.

Gruppenbild mit der Botschafterin im Friedenssaal des historischen Rathauses.

Gruppenbild mit der Botschafterin im Friedenssaal des historischen Rathauses.

„Mali, das viele mit Timbuktu und dem seit Jahrhunderten bestehenden Zentrum des Transsaharahandels verbinden, steht auch für eine große kulturelle Tradition“, ergänzte der Initiator der Botschaftergespräche und Alter Herr des Corps, Dirk Frotscher (Direktor der Berliner Sparkasse) die nachfolgend im Plenum mit der Diplomatin diskutierten Themen aus Wirtschaft und Politik.

Die Angehörigen des vor mehr als 100 Jahren in Münster gegründete Corps Rheno-Guestphalia verbinden ihr 10tes Botschaftergespräch mit einem Engagement für den bis 2015 abzuschließenden Bau eines Ausbildungszentrums für Behinderte in Koutiala, der mit ca. 140.000 Einwohnern drittgrößten Stadt in Mali. Hierzu baten die die Studenten bei den Teilnehmern an der Veranstaltung um Spenden auf das Konto des Projektträgers, der Aktion Pro Afrika e.V.: IBAN DE03 4306 0129 0682 2275 00; Volksbank Bochum-Witten; mit dem Verwendungszweck „Behindertenzentrum Koutiala/Corps Rheno-Guestphalia“. Die Spendengelder können jetzt durch weitere Zuwendungen aufgestockt und fließen ungeschmälert dem Projekt zu.

„Wir setzen mit den Botschaftergesprächen und dem sozialen Engagement das um, was in den Grundsätzen unserer studentischen Vereinigung gefordert wird: Toleranz und gesellschaftliches Engagement“, so Frotscher. In Münster habe man mit den Botschaftergesprächen den internationalen Dialog und die Verständigung über Grenzen zum weiteren Programmpunkt erhoben.

“Für ausländische und deutsche Studenten der Westfälischen-Wilhelms-Universität und der weiteren Hochschulen bietet der offene Dialog gleichzeitig die Möglichkeit, eine studentische Verbindung einmal näher kennenzulernen, die bereits seit 1908 Ausländer als Mitglied aufnimmt und Toleranz seit über 100 Jahren praktiziert”, so der Senior des Corps, stud. iur. Finn Hohenschwert (20). Gerade durch einen kürzlich gesendeten Fernsehbericht des NDR über das Corps Lusatia Leipzig sei bei vielen Studenten Neugierde geweckt worden. Gäste seien deshalb stets bei den Veranstaltungen des Corps willkommen.

Mme Hawa Ba Keita und das gastgebende Corps wurden im Rahmen ihres Münsterprogramms auch mit einem Empfang durch die Stadt im Friedenssaal geehrt, wo sie die Bürgermeisterin, Frau Wendela-Beate Vilhjalmsson (SPD), begrüßte und die Botschafterin sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug.

Corps Rheno-Guestphalia / Piusallee 164 / 48147 Münster, Telefon: 0251 – 2301417, http://www.rheno-guestphalia.de

Quelle: Westfalium