CorpsstudentenEUBurschenschafter nur kleine Splittergruppe

„Rechts um! Burschen unter Wiener Kommando“, von Karl Gaulhofer, 4.1.

Viele Alte Herren der Kösener Corps in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben mit Interesse diesen Artikel gelesen. Besonders enttäuscht hat uns jedoch, dass Sie als Galionsfigur für Ihren Artikel den vielleicht bekanntesten Corpsstudenten der letzten 200 Jahre, Reichskanzler Otto von Bismarck, vereinnahmt und damit einem falschen Korporationsverband zuordnet haben.

Wer sich in der Studentengeschichte auskennt, weiß, dass für Bismarck eine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft nie infrage gekommen wäre. Das ist aber nur ein sachlicher Fehler am Rande.

Viel schwerer wiegt es, dass gerade in der ersten Hälfte des Artikels unterschwellig suggeriert wird, dass der Verband Deutsche Burschenschaft (DB) der zentrale Verband der Studentenverbindungen zumindest in Deutschland sei. Es wird unterstellt, dass die Vorgänge in der DB die Vorgänge und Diskussionen in den studentischen Korporationen des deutschen Sprachraums insgesamt widerspiegeln.

Es ist aber vielmehr so, zumindest in der Bundesrepublik, dass die Burschenschaften der DB eine kleine Splittergruppe ausmachen, deren Auffassungen bei den meisten Studentenverbindungen, auch und insbesondere bei den meisten schlagenden Studentenverbindungen, Kopfschütteln bis Entsetzen verursachen. Besonders im letzten Absatz des Artikels sprechen Sie die Wahrheit offen aus. Leider ist es hier für die meisten Ihrer Leser wohl zu spät. Sie haben Ihr Urteil bereits gebildet bzw. bestätigt gefunden.

Wir Corpsstudenten möchten Ihnen bei zukünftigen Artikeln gerne helfen, einen objektiven Überblick über die Aktivitäten und Diskussionen innerhalb der Studentenverbindungen des deutschen Sprachraums zu vermitteln. Wir können viel dazu erzählen, was moderne Studentenverbindungen mit 200 Jahren Erfahrung und ausgebauter Infrastruktur heutigen Studenten und heutigen Universitäten bieten können.

Alexander Hartung, 1. Vorsitzender des Verbandes Alter Corpsstudenten e.V.

Quelle: Die Presse