Am 25.06.2011 war folgender Artikel von Frau Katharina Mayer in der Zeitung Schwäbisches Tagblatt zu lesen:

Die Fachschaft der Sportwissenschaften hat das Stocherkahnrennen 2011 für sich entschieden: Die Sieger liefen schon im Ziel ein, als es am Nadelöhr gerade erst so richtig eng wurde.

Ein guter Start kann den weiteren Verlauf des Stocherkahnrennens entscheiden – da ist voller Körpereinsatz gefragt. Bild: Faden

Ein guter Start kann den weiteren Verlauf des Stocherkahnrennens entscheiden – da ist voller Körpereinsatz gefragt. Bild: Faden

Tübingen. Tausende Besucher standen bereits lange vor Rennbeginn an der Strecke, gegen elf Uhr waren die besten Plätze am Flusslauf belegt, Neckarinsel wie Eberhardsbrücke proppenvoll. Mit dem Kostümwettbewerb gab es schon im Vorfeld einiges zu sehen: Beliebt waren die Hochzeit im englischen Königshaus und das US-Internierungslager Guantanamo – jeweils zwei Mannschaften widmeten sich diesen Themen. Den Kostümpreis bekam das Team der Fachschaft Geowissenschaften. Die hatte ihr Boot in einen Mississippi-Raddampfer mitsamt pseudohistorischen Papp-Aufbauten und qualmendem Schornstein verwandelt.

Nach der Kostümparade bewegte sich der Kahn-Konvoi Richtung Freibad-Brücke, wo das eine oder andere Team noch versuchte, jeglichen erdenklichen Ballast abzuwerfen. Die Rennrichter der ausrichtenden Burschenschaft Alte Straßburger Germania hatten alle Hände voll zu tun, das unübersichtliche Startfeld in die vorgesehene Reihenfolge zu bringen. Insgesamt 56 Kähne galt es so zu positionieren, wie es sich bei der Startnummernverlosung in der vergangenen Woche ergeben hatte.

Ganz reibungslos verlief der Rennbeginn indes nicht: die ersten beiden Reihen standen schon abfahrbereit, als die letzten Kähne einliefen. Da war dann auch die vorgesehene Reihenfolge egal: letzte Reihe, fertig, aus.

Auf den Startschuss wollte im Getümmel ohnehin keiner mehr warten: Rennrichter Michael Fuchs konnte „Nein“ und „Warten“ brüllen, soviel er wollte, das Feld stocherte einfach los. Egal, befand Burschenschaftskollege Sebastian Wegener, denn „gegen die Masse kommt man nicht an. Aber wenn alle gleichzeitig gestartet sind, ist das ok“. Beim Stocherkahnrennen zähle sowieso nur der Spaß.

Den hatte das Siegerteam „Shir-Kahn“ ganz offensichtlich. „Wir haben einen super Start erwischt“, sagte Simon Baumhauer, Stocherer der Fachschaft Sportwissenschaften, nach der Siegerehrung. Und, ganz kostüm- und namensgemäß: die Restmannschaft habe einfach „so tigermäßig gepaddelt“. Ein bisschen Glück sei trotzdem nötig, so Baumhauer. Und ein knüppelhartes Training zeigte Wirkung. „Wir sind das Rennen bis zum Abkotzen immer wieder gefahren.“

Am berüchtigten Nadelöhr, der Engstelle zwischen Neckarbrücken-Pfeiler und Insel, wo sich Kähne in beiden Fahrtrichtungen an einander vorbeischieben müssen, hatten die Sportwissenschaftler den Sieg schon fast in der Tasche. Was anderen Teams als Gerangel und Gezerre in Erinnerung bleiben dürfte, fand Shir-Kahn-Paddlerin Susi Pape-Kramer „witzig“: Der Tigerkahn habe sich noch knapp vor einem anderen durchschieben können. Und befand sich dann schon auf der Zielgeraden, als das hintere Starterfeld noch nicht einmal an der Eberhardsbrücke angekommen war.

Bei den Verlierern ging einfach alles schief

Für die langsamsten Kahn-Besatzungen begann hinter der Engstelle der gnadenlose Kampf um den – mindestens – vorletzten Platz. Da wurde der Ton den eigenen Teammitgliedern gegenüber mal ein wenig rauer: „Die Kommandos gebe ich und sonst niemand“, schrie ein sichtlich erboster Stocherer seine Mitfahrer an.

Ganz eindeutig war die Sache mit den Verlierern in diesem Jahr übrigens nicht. Der Ekel-Kelch ging knapp am Corps Frankonia vorbei. In der Germania war schon „Medizinal-Lebertran Bremer Schlüssel“ in die Halbliter-Gläser gefüllt. Da passierte mit einer guten Viertelstunde Verspätung ein Nachzügler die Ziellinie – der Kahn der Verbindung Guestfalia. Die Besatzung hatte zu diesem Zeitpunkt so ziemlich alles hinter sich, was bei einem Stocherkahnrennen nicht passieren sollte. „Wir haben den Stocherer verloren, wurden am Nadelöhr abgedrängt und sind dann hängen gelieben“, erläutert Guestfale Georg Häußler.

Das mit dem Lebertran könne man sich übrigens „vorstellen wie Speiseöl – mit einem ganz miesen Nachgeschmack.“ Da ist dann auch die Trinkmenge egal: Zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens forderte eine Mannschaft Nachschlag vom „Lecker lecker Lebertran“ – und bekam ihn prompt.

Quelle: Schwäbisches Tagblatt