Wien (OTS) – Das schlagende Akademische Corps Symposion Wien lud den arrivierten jüdischen Journalisten Prof. Rudolf Gelbard, Vorstandsmitglied des DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes), führendes Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und Holocaust-Überlebender, im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsreihe „Symposiaden“ zum Gespräch.

Das Corps Symposion ist Mitglied im ältesten Dachverband von Studentenverbindungen, dem KSCV (Kösener Senioren-Convents-Verband). Corps des KSCV fechten Mensuren und sind dem Toleranzprinzip verpflichtet, akzeptieren also Mitglieder unabhängig von deren weltanschaulichen Positionen.

Prof. Gelbard sprach zum Thema Shoah und Genozide im Rahmen der Vortragsreihe „Symposiaden“ des Corps Symposion. Er erweitert damit die Reihe prominenter Vortragender wie dem Mediziner Prof. Ehrenberger, dem Soziologen Prof. Girtler und dem Musiktheoretiker Prof. Haberl.

Der Altherrenvorsitzende des Corps Symposion, DDr. Karl-Georg Heinrich, wie auch der eigens angereiste Vorsitzende des Verbandes Alter Corpsstudenten (VAC), Alexander Hartung, betonten in ihren Begrüßungsworten die Verdienste jüdischer Corpsstudenten. In packenden Worten gab Prof. Gelbard Einblick in den menschlich berührenden Alltag im KZ. Er berichtete über Überlebensstrategien am Rande täglich drohender Exekution, Solidarität bei der Verteilung knapper Ressourcen und verdeutlichte mit Anekdoten die Banalität des Bösen, die in der Shoah ihren erschreckenden Höhepunkt fand.

Prof. Gelbard erzählte von Mitgliedern schlagender Studentenverbindungen als KZ-Häftlinge und hob die erheblichen Unterschiede zwischen verschiedenen Arten schlagender Verbindungen hervor. So waren die bedeutenden Führer des Widerstandes gegen den NS-Staat Graf Schulenburg und Henning von Treskow Corpsstudenten. Der Vorsitzende des Corps Symposion, Ambros Tazreiter, ehemals Zivildiener im DÖW, betonte die weltanschauliche Neutralität der Corps, die sowohl Karl Marx, Wilhelm Liebknecht, Heinrich Heine, als auch Fürst Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. die Mitgliedschaft erlaubte.

Das Corps Symposion wird im Rahmen weiterer kultureller und humanistischer Veranstaltungen die bestehenden Kontakte zur Israelitischen Kultusgemeinde vertiefen.

Quelle: APAOTS