Der Autor Paul Wagner veröffentlichte am 13.06.2013 folgenden Artikel über das Corps Holsatia Kiel:

Vor den Bildern und Scherenschnitten der ersten Aktiven aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Kneipsaal (von links): Andreas Schramm, Marius Denecke, Heinrich Blumenberg, Marcel Remke und Erik Fulde in den Kneipjacken der Holsatia. © Thomas Eisenrätzer

Vor den Bildern und Scherenschnitten der ersten Aktiven aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Kneipsaal (von links): Andreas Schramm, Marius Denecke, Heinrich Blumenberg, Marcel Remke und Erik Fulde in den Kneipjacken der Holsatia. © Thomas Eisenrätzer

Die älteste Kieler Studentenverbindung feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Das Corps Holsatia zu Kiel mit seinem Verbindungshaus im Niemannsweg im vornehmen Stadtteil Düsternbrook erwartet ab Donnerstag zu seinem viertägigen Stiftungsfest mehr als 300 Gäste aus aller Welt.

Kiel. Sie fahren mit ihrer Jacht zur See, üben mit den Säbeln, organisieren Vortragsabende oder feiern ausgiebig in ihrem Verbindungshaus. Die Studenten und Alten Herren vom Corps Holsatia halten die Traditionen ihrer Studentenverbindung am Leben. Im Verbindungshaus zeugen Vitrinen mit Büchern, Bierkrügen, Tabakpfeifen oder Preisen für gewonnene Regatten von der wechselhaften Geschichte der vergangenen 200 Jahre. Auf dem Paukboden liegen Säbel und Paukhelme griffbereit, eine Stunde pro Tag üben die jungen Männer die Mensur.

Jede Generation von Aktiven prägt die farbentragende und schlagende Studentenverbindung auf ihre eigene Weise. Der Kontakt der Corpsbrüder soll für ein Leben lang halten. „Das Prinzip des Lebensbundes ist nicht überholt“, sagt Jurastudent Andreas Schramm. Der 21-jährige gehört zu denjenigen Aktiven, die an der Kieler Universität oder der Fachhochschule studieren und während dieser Zeit die Zimmer im Verbindungshaus bewohnen. Aktuell sind sechs aktive Studenten, acht inaktive Studenten sowie etwa 230 Alte Herren im Corps Holsatia organisiert. Die Verbindung betont ihren unpolitischen Charakter und steht allen Interessierten unabhängig von deren Herkunft oder Religion offen. Einzig Frauen können dieser Verbindung nicht beitreten.

In den vergangenen zwei Jahrhunderten stammten viele Mitglieder aus alteingesessenen schleswig-holsteinischen Familien, darunter der ehemalige Ministerpräsident Helmut Lemke oder Herzog Friedrich und Prinz Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein. Viele dieser Familien haben ihre Wappen in Buntglasfenstern des Verbindungshauses hinterlassen. Das Corps organisiert jährlich das „Holsteiner Gespräch“, eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Außerdem initiiert die Verbindung seit zwölf Jahren die Verleihung des Holsteiner Studienpreises an Studenten mit herausragenden Leistungen.

Zu den wichtigsten Aktivitäten des Corps Holsatia gehört jedoch seit 1919 das Segeln. Zwei Boote, die „India II“ und die „Nesselblatt IX“, die zum Stiftungsfest getauft werden soll, liegen vor dem Kieler Yacht Club im Wasser. In den Wintermonaten halten die Studenten die Schiffe in Schuss – zu Pfingsten, an Himmelfahrt und im Sommer starten sie zu Segeltörns in Richtung Schweden und Norwegen.

Die Vorbereitungen für das große Stiftungsfest zum Jubiläum laufen bereits seit einem Jahr. Zum Programm gehören Segeltörns, ein Convent, Ausflüge sowie ein Festball. Zum großen Festakt am Sonnabend, 15. Juni, um 11 Uhr im Kieler Yacht Club werden Uni-Präsident Gerhard Fouquet und der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen als Festredner erwartet.

Quelle: KN-online.de