Der Autor Sönke Wiese veröffentlichte in der Hamburger Morgenpost folgenden Beitrag:

SEBASTIAN GREVE: SEIN GROSSVATER IST UNI-MÄZEN – ZUR VORLESUNG FÄHRT ER MIT EINEM 500ER MERCEDES

Seine „Studentenbude“ liegt an der Alster, zur Uni fährt er mit einem 500er Mercedes. Der Jura-Student Sebastian Greve führt ein Leben, von dem BAföG-Empfänger träumen. Die MOPO besuchte Hamburgs reichsten Studenten.

Der 23jährige empfängt uns im dreiteiligen Nadelstreifenanzug in seiner 200-Quadratmeter-Wohnung. An der Uni zeige er sich lieber in Jeans und Pullover, um nicht aufzufallen wie er sagt: „Ich prahle nicht gerne mit dem Reichtum meiner Familie.“ Sein Großvater heißt Helmut Greve und schenkte der Uni für rund 80 Millionen Mark zwei neue Flügelbauten – die größte private Spende für eine deutsche Hochschule.

Anders als viele seiner Kommilitonen muß sich Greve junior also keine Sorgen um seine Zukunft machen. Eine Führungsposition im 23 Firmen umfassenden Familien-Konzern ist ihm sicher, gute Kontakte hat er sowieso: Die Größen dieser Stadt gehen bei den Greves ein und aus.

Besonders leicht habe er es im Leben trotzdem nicht gehabt, betont Sebastian Greve. Schon in der Schule sei er als „arroganter Schnösel“ ausgegrenzt worden, weil „Deutschland das Land der Neider ist. Reichtum und Leistung sind nicht angesehen“, sagt er. Auf einem Internat wäre er vor Neidern sicherer gewesen. Doch sein Vater wollte, daß der Sohn in einer „normalen“ Umwelt aufwächst.

Und so studiert der angehende Multimillionär auch an der wenig glanzvollen Universität Hamburg. Dort geht ihm so manches gegen den Strich. Zum Beispiel jene Kommilitonen, „die zu spät in die Vorlesung platzen und dann erst einmal ihre Thermoskanne und Morgenzeitung auspacken. So etwas darf nicht sein“, findet Greve.

Richtig auf die Palme bringen den angehenden Juristen die Zustände im Studentenparlament: „Ich habe noch nie so viele Idioten auf einem Haufen gesehen. Das ist wie in der Muppet-Show.“ Seit zwei Jahren gehört er dazu, vertritt als einziger Abgeordneter die von ihm finanzierte Hochschulgruppe „Pro Universitate“ – um „den Linksextremisten nicht das Feld zu überlassen“.

Im Parlament fiel Enkel Greve, der auch bei der schlagenden Verbindung „Corps Irminsul“ mitmischt, durch Lobeshymnen auf die „Verdienste“ seines Großvaters im Zweiten Weltkrieg auf. Er sei stolz auf jeden alliierten Bomber, den Ritterkreuzträger Helmut Greve damals vom deutschen Himmel geholt habe.

Stört es ihn nicht, daß von der Spendierlaune seines Großvaters auch Studenten profitieren, die ganz anders denken? Greve junior schüttelt entschieden den Kopf. Und um sein Erbe fürchte er schon gar nicht: „Für mich bleibt noch genug übrig.“

Quelle: Hamburger Morgenpost