Am 24.06.2011 war in der Mitteldeutschen Zeitung folgender Artikel zum 175. Stiftungsfest der Borussia-Halle des Redakteurs MICHAEL FALGOWSKI zu lesen:

Borussen unter sich (von links): Christian Napierala, Peter Kühn, Mirko Kämpf, Christian Sauerbier und Philipp Preiß. (FOTO: THOMAS MEINICKE)

Borussen unter sich (von links): Christian Napierala, Peter Kühn, Mirko Kämpf, Christian Sauerbier und Philipp Preiß. (FOTO: THOMAS MEINICKE)

Halle (Saale)/MZ. Sie tragen die alten Farben Preußens – schwarz-weiß-schwarz – als Bänder mit Silberrand. Und auch in ihren Mützen. Und sie pflegen das akademische Fechten, oben auf dem Paukboden des Hauses, unter einer dort hängenden Deutschlandfahne: die Studenten des Corps Borussia Halle. Am Freitagabend fechten sie nicht. Denn die Preußen feiern. Schließlich hat sich vor 175 Jahren das Corps gegründet – in Halle.

„Wir sind eine der ältesten Studentenverbindungen in der Stadt. Außerdem feiern wir ,20 Jahre Rückkehr nach Halle'“, sagt Clemens Lüken, Vorsitzende des Altherren-Vereins der Borussen. Dort sind die nicht mehr aktiven Verbindungsmitglieder organisiert. Bereits 1991 ist das Corps aus dem „Exil“ in Mainz nach Halle zurückgekehrt. Verboten war Borussia aber nicht nur in der DDR. Bereits 1934 wurde der Betrieb eingestellt – die Borussen akzeptierten die Nürnberger Rassengesetze nicht.

Höhepunkt des Wochenendes ist der „Festkommers“ am Freitagabend. Die Festrede hält Christoph Bergner (CDU), Bundes-Innenstadtsekretär aus Halle. Bei einem Besuch des Händelhauses spricht zudem Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD) Grußworte.

Die Corpsbrüder feiern aber vor allem „auf dem Haus“, was nichts anderes heißt als „in“ der Villa, die die Verbindung 1993 in der Nähe des Neuwerks gekauft hat. Am Eingang steht: „Noli turbare circulos meos“. „Störe meine Kreise nicht!“, übersetzt Maschinenbau-Student Peter Kühn. „Das ist aber lediglich ein interner Hinweis auf den Status des Corps. Zum Beispiel, dass einige Regeln weniger streng gehandhabt werden. Unser Haus steht jedem Besucher mit wirklichem Interesse offen.“

Bei der Führung durchs Haus mit Saal, „Kneipe“, Paukboden sowie neun Studenten-Zimmern und entlang der vergilbten Fotos früherer Borussen nennt er die Prinzipien des Corps: „Nationalität, Religion, soziale Herkunft und politische Ansichten spielen keine Rolle bei der Aufnahme. Es geht um Toleranz gegenüber Andersdenkenden, vor allem aber um die lebenslange Freundschaft.“ Kühn, seit 2006 Borusse, weiß auch, dass „Vorurteile“ in der Öffentlichkeit wie die des latenten Rassismus oder der Frauenfeindlichkeit – die „Corpsschwestern“ werden nicht aufgenommen – kaum zu beseitigen sind. Ein Grund: „Wir werden immer wieder mit den Burschenschaften in einen Topf geworfen. Aber unsere Grundsätze sind doch andere“.

Auch Clemens Lüken distanziert sich deutlich etwa von einem aktuell heftig diskutierten geplanten Antrag im Verband „Deutsche Burschenschaft“, dem das Corps nicht angehört. Inhalt des schließlich zurück gezogenen Antrags: Nur Söhne deutschstämmiger Eltern sollten aufgenommen werden dürfen. Zudem werden einige wenige Burschenschaften vom Verfassungsschutz beobachtet. Man sei anders, apolitisch eben und nicht rassistisch, versichert Altherren-Borusse Lüken. „Wir haben Corpsbrüder aus Korea oder Zypern.“

Aber nicht nur für die Borussia bietet das Wochenende ein besonderes Datum: In ihrem Haus in der Burgstraße „rekonstituiert“ sich am Sonnabend das Corps Guestphalia Halle. Auch diese Studentenverbindung kehrt damit offiziell nach Halle zurück.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung