Im 24. Freiburger Wochenbericht veröffentlichte die Redaktion folgenden Artikel:

Rhenania Freiburg ist die älteste Studentenverbindung der Stadt – Ein Gespräch über Gegenwart und Zukunft

„Eine einheitliche Gesinnung kann und darf es bei uns nicht geben", betont Julius Dieckmann, Aktiver bei Rhenania Freiburg. FOTO: MEYER

„Eine einheitliche Gesinnung kann und darf es bei uns nicht geben“, betont Julius Dieckmann, Aktiver bei Rhenania Freiburg. FOTO: MEYER

Das Corps Rhenania, die älteste Studentenverbindung in Freiburg, feierte am Wochenende ihren 200. Geburtstag. Von Julius Dieckmann, (23) dem Vertreter der im Corps Rhenania Freiburg aktiven Studenten, wollte Sven Meyer wissen, warum sich ein junger Mann für eine schlagende Verbindung entscheidet.

Wenn man auf der Straße zum Stichwort Studentenverbindung nachfragt, assoziieren die meisten Menschen damit eine verschworene, konservative Männerclique, die sich mit Säbeln duelliert und viel trinkt. Wie begegnen Sie solchen Stereotypen?

Julius Dieckmann: Erstmal ist es so, dass alles immer in einen Topf geworfen wird: Ich muss den Leuten immer erklären, dass wir keine Burschenschaft, Landsmannschaft oder Turnerschaft sind, sondern ein Corps. Wir zeichnen uns dadurch aus, dass wir zur Gruppe der ältesten Studentenverbindungen gehören, dementsprechend haben wir eine ganz andere Tradition und andere Werte. Trotzdem müssen wir immer wieder mit Vorurteilen kämpfen, die uns in die rechte Ecke stellen. Dabei gehört die Toleranz zu unseren Kernwerten. Alle Religionen, Nationalitäten und politischen Richtungen sind bei uns willkommen. Eine einheitliche Gesinnung kann und darf es bei uns nicht geben.

Es muss doch ärgerlich und nervtötend sein, immer wieder mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden?

Dieckmann: Das ärgert mich auch sehr. Vor allem, weil wir oft gar nicht die Gelegenheit dazu haben, uns so zu präsentieren wie wir wirklich sind. Daher kann ich fast schon nachvollziehen, wenn die Leute falsche Dinge denken, weil sie es gar nicht besser wissen können.

Wie kommt ein junger Mann, der gerade sein Studium antritt, zu einem schlagenden Corps?

Dieckmann: Mein älterer Bruder war hier schon aktiv. Daher war ich schon öfters mal bei Festen hier und hatte einen positiven Eindruck. Dann hatte ich die Gelegenheit mal genauer ins Haus zu schauen und fand das alles sehr sympathisch.

Hat Sie das Ritual der Mensur, des verpflichtenden Fechtkampfs mit scharfen Waffen nicht abgeschreckt?

Dieckmann: Respekt habe ich schon davor Und es ist erstmal auch gewöhnungsbedürftig, schließlich ist das kein Ballsport oder so, sondern ein Kampf mit scharfen Waffen. Damit hatte ich vorher keine Berührungspunkte. Aber man bereitet sich ja sehr gut darauf vor und ist teilweise auch geschützt. Für mich ist das Teil der Tradition. Es beweist mir zudem, dass ich in Stresssituationen bestehen kann.

Welche Vorteile haben Sie von Ihrer Mitgliedschaft? Helfen Ihnen die Corpsbrüder auch beim Studium?

Dieckmann: Das nicht direkt, aber zum Studienbeginn war das schon sehr praktisch. Man kommt unbedarft und unsicher an die Uni und ist für jede Hilfestellung dankbar. Als großen Gewinn empfinde ich die zwanglosen Gespräche mit den Alten Herren. Wenn ich mich da beispielsweise mit einem Professor unterhalte, nehme ich daraus was fürs Leben mit. Die Triebfeder des Ganzen ist aus meiner Sicht der generationenübelgreifende Zusammenhalt.

200 Jahre ist Ihr Corps nun alt und immer weniger Studenten treten ihm bei. Wie ist es um die Zukunft bestellt?

Dieckmann: Es stimmt, früher waren es mehr. Heute sind es kaum mehr als acht, neun Aktive im Haus. Wenn es so bleibt, können wir damit leben. Leider haben fast alle Studentenverbindungen Nachwuchssorgen. Wir führen die Tradition weiter, gleichzeitig hinterfragen wir die Dinge aber auch und beleuchten die Tradition kritisch. Schließlich sind wir für das Fortbestehen darauf angewiesen, dass Nachwuchs zu uns kommt. Wenn wir merken würden, dass wir dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen oder dass es etwas gibt, was Studenten abschreckt, würden wir das auch ändern.

Quelle: Freiburger Wochenbericht