Am 10. August 2010 berichtet die Siegener Zeitung folgendes:

SCHEUERFELD Daniel Saftig steht an der Spitze des Weinheimer Senioren Corps

Durch Zufall schloss sich der Student der Verbindung Normannia-Vandalia an: Jetzt ist er Vorsitzender des Dachverbands mit rund 10 000 Mitgliedern.

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Daniel Saftig in Couleur seines Corps vor dem Rathaus Betzdorf.

rai Im schwarzen Anzug, mit weißem Hemd, goldenen Manschettenknöpfen und hellblauer Krawatte sitzt Daniel Saftig in einem Betzdorfer Cafe. Eine Mütze in den Farben Grün-Rot-Gold liegt neben dem jungen Mann, zwei Bänder mit verzierten edlen Knöpfen auf dem Tisch. Auf den ersten Blick mag die Zusammenstellung mit schickem Anzug und den Accessoires etwas ungewöhnlich wirken – aber nicht für einen Verbindungsstudenten: Der Jurastudent aus Scheuerfeld gehört dem Corps Normannia-Vandalia München an.

Und für ein Jahr steht er nun an der Spitze des Weinheimer Senioren Corps (WSC), einem bundesweiten Dachverband für Corps. Wie der aus Siegen stammende Saftig schildert, war es ein Zufall, dass er überhaupt dem Corps beitrat. Seit seinem 14. Lebensjahr in Scheuerfeld lebend, legte er am Stein-Gymnasium das Abitur ab. Nach dem Wehrdienst schrieb er sich in Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilian-Universität München ein. Den Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt nutzte er auch zur Wohnungssuche.

„40 Zimmer habe ich mir angeschaut“, erinnert sich der Student. Und für 400 Euro habe man nur Kellerlöcher angeboten bekommen. Bei der Suche wurde er über eine Annonce auf das Corps aufmerksam. „Mit einer Studentenverbindung konnte ich überhaupt nichts anfangen“, erinnert er sich heute. Über eine andere Schiene hatte Saftig inzwischen eine Bleibe gefunden und wollte erst einmal studieren. Als er einige Zeit später per E-Mail eine Einladung des Corps zur Semesterparty bekam, habe er eigentlich nur aus Höflichkeit darauf reagiert – aber: der Funke sprang über. „Ein cooler Haufen“, das habe er damals gedacht. 23 aktive Studenten und 15o Altherren, also ehemalige Corpsstudenten, zählt Normannia-Vandalia.

Das aus zwei Gruppierungen fusionierte Corps übernahm die traditionellen Namen, die sich üblicherweise von Völkerstämmen ableiten. Weil er keine Ahnung von einer Verbindung gehabt habe, habe er die Studenten mit Fragen gelöchert. Mutproben, wildeste Sachen oder gar Erniedrigendes, wovon man ja schon gehört habe, gebe es bei einem Corps aber nicht, betont Daniel Saftig, und er stellt rückblickend fest: „Aus reiner Überzeugung bin ich dabei geblieben.“

Das habe er bis heute nicht bereut. Corps seien beispielsweise unpolitisch. Hautfarbe, Nationalität und Konfession spielten keine Rolle. „Corps leben nach dem Toleranzprinzip und vom Pluralismus“, merkt der 26-Jährige an. Burschenschaften seien da schon eher deutschnational beziehungsweise vaterländisch ausgerichtet. Fakultätsübergreifend würden sich Corpsstudenten austauschen.

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An seine Fechtpartien erinnern die verzierten Knöpfe, die Daniel Saftig an den Bändern der einst fusionierten Corps Normannia und Vandalia trägt.

Und so blieb Saftig auch nach seinem Wechsel des Studiums Normannia-Vandalia treu – nach dem Vordiplom wechselte er von Volkswirtschaftslehre auf Jura. Vom Fuchs, wie sich die Mitglieder in der Probezeit nennen, wurde er schließlich zum aktiven Studenten.

Corps sind farbentragend und schlagende Verbindungen. Beim Fechten, was mit einem Fechtmeisterlehrer auf dem Paukboden trainiert werde, gehe es um Hiebbewegungen mit dem Arm. Bei den Fechtpartien – jeder muss eine gewisse Zahl gegen einen Studenten eines anderen Corps bestreiten – stünden sich stets etwa gleichstarke Partner gegenüber. Denn Ziel sei es, dass nichts Gravierendes passiere.

Und was ist mit dem berühmten Schmiss? Saftig fasst sich an die Stirn. Er trug einen davon, den man heute kaum noch sieht. „Ich habe einen Fehler gemacht und den Misserfolg schnell vorgeführt bekommen“, räumt er offen ein.

Jetzt wartet die schöne Aufgabe auf ihn, den WSC mit seinen rund 10 000 Mitgliedern zu vertreten. Gemäß der Statuten wechselt der Stab in diesem Jahr von Clausthal nach München. Normannia-Vandalia wählte aus seinen Reihen Daniel Saftig als Senior; zwei Kommilitonen stehen ihm zur Seite. „Es ist eine Ehre und selten zugleich, in dieser Position tätig sein zu dürfen“, freut sich Saftig auf die anstehenden Aufgaben. Seine Wochenenden sind nun für ein Jahr mehr oder weniger ausgebucht. Er will alle Hochschulorte mit Corps besuchen und die Situation erkunden. Zum Beispiel müssen sich viele Studenten zurzeit noch an die Umsetzung der neuen Masterstudiengänge gewöhnen. Für mögliche Nöte will er ein offenes Ohr haben. Wichtig ist ihm auch das Thema Öffentlichkeitsarbeit. Bislang, so räumt Saftig ein, hätten sich der WSC und die Corps abgeschottet. Das wolle man ändern. „Wir sind da als ein Angebot für Studenten.“

„Es ist ein Männerbund“: Das antwortet Saftig auf die Frage, ob es nicht zeitgemäß wäre, wenn sich die Corps für Studentinnen öffnen würden. Der Jurastudent sieht auch keinen Handlungsbedarf, weil man eben keine Nachwuchssorgen habe. Aber: „Selbst wenn man sich öffnen würde: Keine Frau würde fechten“, ist sich Saftig sicher.

Und: Man erspare sich das Problem mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Frauen seien jedoch oft Gäste bei Veranstaltungen. Reizvoll an dem Vorsitz ist für den Scheuerfelder, dass man eine Menge Leute kennen lerne, auch bekannte Persönlichkeiten – und dazu wird er nun ein Jahr lang Gelegenheit haben.

Quelle: Siegener Zeitung

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