Am 18.11.2010 veröffentlichte Frau Kerstin Beier folgendes in der Mitteldeutschen Zeitung über den Arzt und Corpsstudenten Dr. Peter Schleiff Hassiae Gießen zu Mainz, Thuringiae Jena EM folgendes:

Dr. Peter Schleiff im Gespräch mit zwei der Krankenschwestern, mit denen er viele Jahre gemeinsam gearbeitet hat: Eva Ohlhoff und Marianne Tetzel (Mitte). (FOTO: CHRIS WOHLFELD)

Dr. Peter Schleiff im Gespräch mit zwei der Krankenschwestern, mit denen er viele Jahre gemeinsam gearbeitet hat: Eva Ohlhoff und Marianne Tetzel (Mitte). (FOTO: CHRIS WOHLFELD)

QUEDLINBURG/MZ. Dr. Peter Schleiff feiert am Freitag seinen 100. Geburtstag. Die Flut von Glückwünschen und guten Worten ist absehbar, denn mit dem Namen des bekannten Quedlinburger Arztes verbinden sich Erinnerungen tausender dankbarer Patienten nicht nur aus Quedlinburg, sondern weit darüber hinaus.

Wie vielen Menschen der Dermatologe im Laufe seines langen Berufslebens helfen konnte, weiß er nicht zu beziffern. „Das zählt man ja nicht“, sagt der weißhaarige Mann, der bis vor knapp zwei Jahren noch in seinem Haus am Brühl lebte, inzwischen im DRK-Pflegeheim betreut wird.

Auch wenn das Gehör nicht mehr so will wie er das gerne hätte – voll geistiger Regsamkeit blitzen seine Augen immer wieder auf, wenn er gemeinsam mit seinem Gegenüber Erinnerungen auffrischt. Erinnerungen an die Studentenzeit zum Beispiel, die der in Halle geborene Sohn eines Hautarztes in Zürich, Gießen, Jena und Halle verbrachte. In dieser Zeit mischte er in studentischen Verbindungen mit, und daraus sind Freundschaften erwachsen, die ein ganzes Leben hielten. Ein Foto aus jenen Jahren ziert sein Bücherregal. Prägend waren Krieg und vierjährige Gefangenschaft in England – als Arzt in mehreren Lazaretten war er mit den Folgen des Krieges ganz unmittelbar vertraut, erlebte Leid und Elend aus nächster Nähe.

Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft hatte er die Wahl, eine Stelle entweder in Halberstadt oder in Quedlinburg anzutreten. Er entschied sich für Quedlinburg, übernahm die als Notabteilung gegründete Hautklinik als Chefarzt und baute diese aus. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Abteilung trotz der großen finanziellen Schwierigkeiten in den Nachkriegsjahren zu einer modernen Klinik, in der auch wissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben wurde. Bis 1977 leitete er die Klinik, und auch über den Ruhestand hinaus war er in seiner Praxis in der Brühlstraße rastlos für seine Patienten da. „Ein guter Arzt“, so seine Maxime, „muss sich den Patienten zuwenden. Nicht dem Papier“, hasste er Bürokratie und Administration. An seiner Seite wirkte seine Frau Bertel – als Hausfrau, Mutter der Kinder Johanna, Heinrich und Dietrich und als stets geduldige Sprechstundenschwester. „Die Praxis war immer brechend voll, aber abgewiesen wurde niemand“, erinnert sich Dr. Klaus Peter, dessen Familie mit den Schleiffs verbunden war und der genau wie Dr. Schleiff zu den aktiven Rotariern Quedlinburgs gehört.

1998 konnte Dr. Peter Schleiff das Fest der diamantenen Hochzeit mit seiner Frau, seinen drei Kindern und sechs Enkeln feiern. Inzwischen gehören auch fünf Urenkel zur Familie. Der Tod seiner Frau vor zehn Jahren und seines ältesten Sohnes Dietrich in diesem Jahr gehört zu den Schicksalsschlägen, die der Mediziner zu verarbeiten hatte. Freizeit gab es kaum für den Rastlosen, der sich neben seiner Arbeit auch in der Evangelischen Kirche und nach der Wende im Rotary-Club engagierte. Bis zu seinem 95. Geburtstag hielt er hier noch Vorträge. „Die Arbeitstage waren lang, aber die Arbeit war auch mein Hobby“, sagt der Jubilar. Nur manchmal, da fand er Zeit, sich mit seiner Familie ins Wochenendhäuschen in Friedrichsbrunn zurück zu ziehen. Hier war er eins mit der Natur, erlebte Erholung und Abstand vom anstrengenden Alltag.

Ein Rezept, gesund alt zu werden? Trotz aller Weisheit eines Jahrhunderts, die er ausstrahlt, kennt er es nicht. Er hebt ratlos die Schultern und lächelt. Vielleicht sind es die täglichen Spaziergänge im Brühl, der ständige Kontakt zu den Menschen, die Anerkennung. Vielleicht auch die Gewohnheit, abends nicht mehr zu essen als eine Butterschnitte und gelegentlich ein Gläschen Rotwein zu trinken. Na dann: Zum Wohl!

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung

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