Christian Ammon, Mitarbeiter bei Main.de, veröffentlichte am 3.06.2013 folgenden Artikel über das 150. Stiftungsfest des Corps Makaria-Guestphalia.

Beim Stiftungsfest des Corps Makaria-Guestphalia: (von links) Stadtkämmerer Christian Schuchardt, der Würzburger Professor für Geografie Ulrich Ante, Corpssenior Benedikt Guggenmos, Festredner Professor Peter Bofinger, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der Philistervorsitzende Bernd Schaible, der frühere Vizepräsident der Universität Würzburg Jobst Böning und Mitorganisator Jürgen Kirchner.

Beim Stiftungsfest des Corps Makaria-Guestphalia: (von links) Stadtkämmerer Christian Schuchardt, der Würzburger Professor für Geografie Ulrich Ante, Corpssenior Benedikt Guggenmos, Festredner Professor Peter Bofinger, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der Philistervorsitzende Bernd Schaible, der frühere Vizepräsident der Universität Würzburg Jobst Böning und Mitorganisator Jürgen Kirchner.

Die wuchtigen Schläger fehlen auf wenigen der Schwarz-Weiß-Fotografien, mit denen das farbentragende und pflichtschlagende Corps Makaria-Guestphalia seine 150-jährige Geschichte in einer nun eröffneten Ausstellung im Martin-von-Wagner-Museum dokumentiert. Auf manchen Bildern lächeln junge Männer mit notdürftig verarzteten, aber stolzen Gesichtern in die Kamera. Auch auf dem Jubiläumsstiftungsfest in der Würzburger Residenz und auf der Feste Marienberg sind vereinzelt Alte Herren mit einem Schmiss aus Studententagen zu sehen.

Benedikt Guggenmos spricht von einer „längst überwundenen Mode“. Jedem sei heute überlassen, ob er eine mögliche Schnittwunde so behandeln lässt, dass sie verschwindet oder ob er sie offen nach außen zeigt. Nur wenige der Jüngeren tun das. Das Fechten der vier vorgeschriebenen Mensuren jedoch hält er jedoch keineswegs für eine überkommene Einrichtung. „Das Fechten stärkt den lebenslangen Zusammenhalt“, erklärt der junge Mann, der als erster in seiner Familie einer Studentenverbindung beigetreten ist. Allzu oft fehle jedoch den Leuten das Wissen, um die verschiedenen studentischen Traditionsbünde einzuordnen, sagt er. Anfangs gelockt von einer kostengünstigen Zimmeranzeige, repräsentiert der Student der Politikwissenschaft heute als Corpssenior die insgesamt fünf Aktiven nach außen.

Die Corpsstudenten fühlen sich in einen „Topf geschmissen“ mit nationalistischen oder rechtsextremen Burschenschaften, bestätigt Jobst Böning, langjähriger Vizepräsident der Universität und selber „Alter Herr“ einer schlagenden Verbindung. Im Gegensatz zu den Burschenschaften und den kirchennahen Verbindungen verstehen sich die Corpsstudenten im Dachverband des Kösener Convents als wissenschaftlich, politisch und religiös ungebunden.

Gegründet wurde die Makaria am 7. Dezember 1863. Fünf Jahre später wird sie zur Landsmannschaft mit „unbedingter Satisfaktion“. Doch nicht immer geht es so wohlgeordnet zu wie beim Mensurfechten auf dem Paukboden mit Sekundanten und Unparteiischen. An einem warmen und sonnigen Frühjahrstag des Jahres 1874 werfen in einem Gartenlokal schlechter sitzende Mitglieder des Corps Nassovia einen Bierseidel zu den Makaren. Daraufhin sieht sich ein Fuchs der Makaren dazu bemüßigt, auf den Tisch der Nassauer zu springen. Wenig später ist eine wüste Prügelei im Gange.

Nach der „Nassauerschlacht“ verbietet die Universität beide Bünde. Als Ersatz entsteht 1875 das Corps Guestphalia, dessen Gründer Karl Grotkaß noch im gleichen Jahr wegen einem Pistolenduell zu Festungshaft verurteilt wurde. Unter den Studenten kursiert damals der Spruch: „Wer zu den Makaren gehen will, muss in der einen Hand den Säbel und in der anderen Hand die Pistole halten“. Erst 1950 kommt es zur Wiedervereinigung zwischen Makaren und Guestphalen.

Dass es den Corpsstudenten mit dem früh festgeschriebenen „Toleranzprinzip“ ernst ist, bewiesen die Makaren mit dem Austritt aus dem Coburger Landsmannschafter-Convent 1897, das die Aufnahme von Juden untersagt hat, und der Umwandlung der Landsmannschaft in ein Corps. Im Jahr 1935 dagegen genügte ein bloßer Wechsel des Dachverbands nicht mehr. Die 130 Guestphalen und 194 Makaren fügten sich widerwillig der Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten.

„Das Fechten stärkt den lebenslangen Zusammenhalt.“ Benedikt Guggenmos, Corpssenior, Corps Makaria-Guestphalia

Manch einer möchte denn auch widerständiges Verhalten darin sehen, dass die seit 1944 im Haus der Walhalla fortgeführten Treffen der Kameradschaft „Tilman Riemenschneider“ die corpsstudentische Tradition noch im Krieg wiederaufleben ließen.

Die zum Jubiläum aufgelegte umfangreiche Festschrift verleugnet indes nicht, dass einzelne Mitglieder wie der Guestphale Hellmuth Unger, der Vordenker der Euthanasie, oder der Makare Waldemar Wolter, Standortarzt im KZ Mauthausen, überzeugte Nationalsozialisten waren und eine herausragende Karriere durchliefen.

Nicht zuletzt Verwicklungen einzelner Verbindungsstudenten mit den Nationalsozialisten führten in den späten 1960er Jahren zu einer tiefen Krise. Inzwischen scheint der Brückenschlag zwischen Tradition und Offenheit jedoch gelungen. So veranstalten die Burschen des Corps Makaria-Guestphalia auf ihrer „Marxburg“, einer Jugendstilvilla in der Mergentheimer Straße, formlose Abendessen mit Gästen, eine Regenwald-Party oder eine Halloween-Fete.

Doch ebenso natürlich werden bei den Kneipenabenden Bier-Rituale zelebriert, „zeitgemäße“ Studentenlieder aus dem „Allgemeinen Deutschen Kommersbuch“ gesungen und es wird gepaukt: täglich eine Stunde. „Wir fühlen uns dazu verpflichtet, unsere Fuchsen ideal auf die Mensur vorzubereiten“, sagt Benedikt Guggenmos.

Quelle: Main.de