Ohne Haushaltsplan keine Hamburger Marketing-Gesellschaft – und so auch keinen neuen Job für Handelskammer-Geschäftsführer Hariolf Wenzler. Der 36-jährige Volkswirt und Politologe soll das Büro der Gesellschaft leiten. Er hat in Stuttgart studiert und ist der Stadt immer noch verbunden. Auf jeden Fall seinen Corps-Brüdern von „Teutonia Stuttgart„, einer schlagenden Verbindung.

Mensur heißt der Schlag mit dem Fechtsäbel. Früher trug man den „Schmiss“ auf der Wange mit Stolz, heute geht es auch ohne Narbe. Selbstverstümmelung ist verboten, die so genannte Bestimmungsmensur nach festgelegten Regeln nicht. „Die Mensur gibt der Gemeinsamkeit in besonderer Weise Ausdruck“, erklärte Wenzler. Sie „ist heute noch ein wichtiger Teil des Korporationslebens und ein Meilenstein für jeden in seinem Werdegang in der Verbindung“, heißt es in den „Teutonia“-Grundsätzen. Die Freundschaft verpflichtet auf Lebenszeit, auch wenn längst man an der Elbe lebt.

Die Internetseite der Corpsbrüder www.teutonia-stuttgart.de begrüßt Wenzler im Gästebuch auf Seite sieben mit den Worten „Kompliment, meine Herren! Bin beeindruckt, beeindruckt. Wat sind wir doch für’n doller Haufen. Grüsse Euch aus dem Norden, Euer Wenzler.“ Dann folgt www.hk24.de – die Internetadresse der Handelskammer. Das sei völlig normal, findet Wenzler.

Er betont den Unterschied zu Burschenschaften: „Die nehmen nur Deutsche auf.“ Corps seien freiheitlich, liberal und tolerant, verpflichteten sich zu Leistungen in Studium und Beruf. Einen Konflikt mit seinen neuen Aufgaben kann Wenzler deshalb nicht entdecken. Mit der Gesellschaft soll er dafür sorgen, dass die weltoffene Hansestadt mit ihren Stärken und Schönheiten in aller Welt bekannt wird.

„Bürgermeister Ole von Beust hat mich gefragt, ob ich die Aufgabe übernehmen wollte“, sagte Wenzler, nachdem er den Vertrag für die Handelskammer ausgearbeitet hatte. Die Arbeit habe von Beust, der Aufsichtsratsvorsitzender der Marketing-Gesellschaft wird, wohl gefallen. An den Ausgaben von 15 Millionen Euro bis 2006 und den 800000 Euro für Hariolf Wenzler und sein Büro beteiligt sich die Handelskammer mit 30 Prozent. Am 30. Dezember wird die Bürgerschaft entscheiden, ob das Marketingbüro mit dem Verbindungsmann am 1. Januar an den Start gehen kann.

Quelle: Hamburger Morgenpost