In den Salzburger Nachrichten erschien am 22. Februar 2018 der folgende Artikel:

(Anmerkung der Redaktion von http://www.corpsstudenten.eu: „Herr Prof. Dr. Roland Girtler ist KEIN Burschenschafter, sondern ein Corpsstudent. Zu unserem Bedauern werden die signifikanten Unterschiede von manchen Journalistinnen und Journalisten oftmals nicht wahrgenommen. Daher korrigieren wir in [] sachliche Fehler der Salzburger Nachrichten.“)

Der Soziologe Roland Girtler ist Burschenschafter [Corpsstudent] und gehört dem Corps Symposion Wien an. Er steht dazu und will sich gerade jetzt nicht wegducken.

WIEN. Die Burschenschaften sind derzeit Dauergäste in der politischen Berichterstattung. Die Germania zu Wiener Neustadt, der der inzwischen zurückgetretene niederösterreichische FPÖ-Chef Udo Landbauer angehört, machte Schlagzeilen, weil in ihrem Liederbuch Texte enthalten sein sollen, die sich über den Holocaust lustig machen. Dasselbe wird nun der Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia vorgeworfen, deren Obmann ein Mitarbeiter im Büro von Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) ist.

Der Soziologe Roland Girtler, der ein Buch über die Burschenschaften geschrieben hat („Farbenstudenten zwischen Weltbürgertum und Antisemitismus sagt, dass diese Vorbehalte gänzlich im „Widerspruch zu den Idealen der Burschenschaften“ stünden. Die Burschenschaften seien Anfang des 18. Jahrhunderts im Kampf gegen Unterdrückung und für Freiheit entstanden, sie hätten Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit eingefordert. „Es sind damals sogar Burschenschafter in die USA gereist, um gegen die Sklaverei zu kämpfen“, erzählt Girtler. Wegen ihrer Freiheitsideen seien die Farbenstudenten in Deutschland und Österreich lange Zeit unterdrückt und überwacht worden. Außerdem hätten sie sich dafür eingesetzt, dass die deutsche Kultur, von Goethe bis Schiller, allen zugänglich sei. „Dies waren auch die Gründe, dass viele Sozialdemokraten deutschnational gedacht haben und Mitglied von Burschenschaften waren, etwa der Gründer der österreichischen Sozialdemokratie Viktor Adler oder der deutschen Sozialdemokratie Ferdinand Lassalle“, sagt Girtler.

Dass es in Burschenschaften Antisemiten und Nationalsozialisten gegeben habe, sei ebenfalls nachvollziehbar. So wie in anderen Gesellschaftsschichten auch, hätten sich diese Ideen bei den Farbenstudenten Anfang des vergangenen Jahrhunderts verbreitet, obwohl sie den ursprünglichen Vorstellungen widersprochen hätten. „Aber es gab auch hier solche und solche“, sagt der Soziologe und verweist darauf, dass einige der Offiziere, die am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler durchgeführt haben, Farbenstudenten gewesen seien.

Er selbst stehe jedenfalls dazu, einer solchen Verbindung, dem Corps Symposion zu Wien, anzugehören, gerade jetzt wolle er sich nicht wegducken. Er selbst habe jedenfalls nie gehört, dass antisemitische und den Holocaust verherrlichende Lieder bei Veranstaltungen gesungen worden seien. Er kenne auch keine Liederbücher, in denen solche Texte, die inakzeptabel seien, veröffentlicht worden seien. Klar sei für ihn, dass niemand jemand anderen wegen seiner Einstellung erniedrigen dürfe. Gerade zu echten Burschenschaften passe das überhaupt nicht.

Im studentischen Fechten, der Mensur, sieht Roland Girtler vor allem ein Abenteuer, bei dem es darum gehe, die eigene Furcht zu überwinden. „Es ist halt eine Ausnahmesituation, vielleicht mit einer sehr wilden Klettertour zu vergleichen“, sagt der Wissenschaftler.

Der Soziologe Roland Girtler ist selbst Burschenschafter [Corpsstudent] und hat ein Buch über die Farbenstudenten geschrieben.

Der Soziologe Roland Girtler ist selbst Burschenschafter [Corpsstudent] und hat ein Buch über die Farbenstudenten geschrieben.

„Auch bei den Burschenschaften gab es solche und solche.“ Roland Girtler, Soziologe

Quelle: Pressreader