Im Jahresbericht 2010 des Malteser Hilfsdienstes Hamburg ist folgendes über den Gründer der „Malteser Migranten Medizin“ in Hamburg, Herrn Dr. med. Hubertus-Eberhard Zimmermann [Corps Thuringia Jena], zu lesen:

Dr. med. Hubertus-Eberhard Zimmermann

Dr. med. Hubertus-Eberhard Zimmermann

Seit dem 20. November 2007 halten Dr. Helgo Meyer-Hamme, Dr. Detlev Niebuhr und Dr. Hubertus-Eberhard Zimmermann abwechselnd und unterstützt durch Praxishilfen jeden Dienstag in der Zeit von 10:00 – 14:00 Uhr ehrenamtlich MMM-Sprechstunde ab. Menschen ohne Krankenversicherung und meist auch ohne gültigen Aufenthaltsstatus erhalten nun schon im vierten Jahr kostenlos und anonym in den Räumen des Marienkrankenhauses medizinischen Rat und Hilfe. Wo die bescheidenen Mittel vor Ort nicht reichen und um den Patienten darüber hinaus eine möglichst hochwertige medizinische Versorgung anzubieten, hilft inzwischen ein auf 59 niedergelassene Ärzte angewachsenes Netzwerk aus allen medizinischen Fachgebieten. Da mit den Behandlungsfällen oft auch komplexe soziale und rechtliche Problemsituationen einhergehen, sind wir froh über die weiterhin gute und enge Zusammenarbeit mit vielen externen Beratungs- und Hilfseinrichtungen: dem Familienplanungszentrum, der Caritas, dem Flüchtlingszentrum, dem Fluchtpunkt – Kirchliche Hilfsstelle für Flüchtlinge, dem Diakonischen Werk, MIGRA im Verdi Zentrum, verikom – internationales WIR-zentrum, dem mediBüro sowie den Sozial- und Gesundheitsämtern.

Damit Außenstehende einen kleinen Einblick in eine typische MMM-Sprech-stunde erhalten, sei hier ein kleiner Ausschnitt aus einer Reportage der Journalistin Ulrike Meyer-Timpe zitiert, die im ZEIT Wissen Magazin 05/2010 erschienen ist.
„Ein schüchternes Klopfen, die Tür öffnet sich einen Spalt. Eine Afrikanerin sucht fragend den Blick von Detlev Niebuhr. „Kommen Sie herein, bitte schön“, sagt der Internist mit einladender Geste. Dichte Tüllgardinen sorgen für Dämmerlicht in dem 12-Quadratmeter-Raum, der in einem Seitentrakt des Hamburger Marienkrankenhauses liegt. An der Wand hängt ein Kreuz; einen Vormittag pro Woche räumt der Krankenhauspfarrer sein Zimmer für die anonyme Sprechstunde. … Die Afrikanerin nimmt Platz auf einem der Plastikstühle. „Parlez-vous français?,“ fragt sie leise und blickt sich nervös um. „Oui“, antwortet der Arzt, „bonjour“. Was ihr denn fehle? Sie reicht ihm den Arztbrief eines Kollegen, der ihr eine gutartige Geschwulst an der Gebärmutter entfernt hat. „Ich habe solche Schmerzen und die Tabletten helfen nicht“, sagt sie und zeigt Niebuhr die Packung. „Das ist gar kein Schmerzmittel“, sagt der Internist. „Es ist ein Antibiotikum gegen Bakterien.“ …

Bevor Niebuhr die Afrikanerin untersucht, hat er noch ein paar Fragen. Aus welchem Land sie denn stamme und wie sie heiße. Ob sie ihren richtigen Namen nennt ist ihm egal. Hauptsache er hat ein Stichwort, unter dem er die Krankenakte führen kann. Nach ihrer Anschrift fragt er nicht. Dann bittet er sie in den Nebenraum, wo eine Liege und ein Ultraschallgerät stehen – gespendet von einer Kollegin, die Ihre Praxis neu möblierte. Alles in Ordnung. Der Arzt wählt ein Präparat für die Patientin. Der Medizinschrank ist gut gefüllt mit Arztmustern – Geschenke von Kollegen. …

Zu Niebuhr kommen an diesem Vormittag unter anderem eine Estin, die offenbar eine Fehlgeburt hatte, und ein aus Bosnien vertriebener Kroate mit starken Kopfschmerzen, die womöglich mit seinem erhöhten Blutdruck zusammenhängen. vergangene Woche war eine Ecuadorianerin da, die unter einer akuten Blinddarmentzündung mit Bauchfellentzündung litt. Er schickte sie gleich weiter in die Notaufnahme der Klinik.“

Dies sind nur einige Beispiele von inzwischen 450 Patienten aus 69 Herkunftsländern mit insgesamt 712 Konsultationen. Ob vereiterte Zahnwurzel, Augenstiche, Depression, Autoaggression, Angstzustände, Leistenbruch, (Bauchhöhlen-) Schwangerschaft, Peniskarzinom, Gastritis, Leberzirrhose, Tumore, Frakturen, Epilepsie, Rheuma, Kopfschmerzen oder Nasenbluten … . MMM hilft unbürokratisch, schnell und wirkungsvoll, körperliches und seelisches Leiden zu mindern.

Dr. Helgo Meyer-Hamme und MMM-Patientin

Dr. Helgo Meyer-Hamme und MMM-Patientin

Der Schweregrad der akuten Gesundheitsstörungen bei Menschen ohne Krankenversicherung ist dabei nach unserer Beobachtung nach wie vor höher als in einer normalen Arztpraxis. Die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe wird von vielen Patienten aus Angst vor negativen rechtlichen und finanziellen Konsequenzen solange hinausgezögert, bis es gar nicht mehr anders geht.

Höhepunkte:

Freuen konnten wir uns im Jahre 2010 insbesondere über eine Förderung seitens der Nordheim Stiftung in Höhe von 5.000 € und eine erneute Spende seitens der GRG Services Hamburg GmbH in Höhe von 3.000 €. Diverse Privat- und Anlassspenden (z.B. Spenden statt Präsente zum Geburtstag) haben ebenfalls dafür gesorgt, dass wir im Jahr 2010 für Operationen, Brillenzuschüsse und Medikamente stets genug „Wasser unter dem Kiel“ hatten. Eine ganz besondere Ehrung des bundesweiten Engagements aller ehrenamtlich tätigen MMM-Ärzte und Helferinnen stellte schließlich die Verleihung des Freiherr-vom-Stein-Preises für gesellschaftliche Innovation 2010 der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. dar.

Medienresonanz:

Zu Berichten im Hamburger Abendblatt, Welt, Spiegel Online, Neue Kirchenzeitung, Hinz & Kunzt, sowie im NDR- und ZDF-Fernsehen, RTL und Spiegel TV … sind im Jahr 2010 Berichte im Deutschland Radio, im Magazin ZEIT Wissen und in der Pharma Zeitung hinzugekommen.

Trends:

Zu beobachten ist weiterhin eine Zunahme von Patienten aus Osteuropa (ins-besondere Polen, Bulgarien und Rumänien) mit legalem Aufenthaltsstatus aber ungeklärtem bzw. ganz ohne Versicherungsschutz und insolventer Deutscher Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Versicherungsprämien zu zahlen.

Der folgenden Tabelle ist zu entnehmen, dass die MMM-Ambulanz weiterhin mit leicht zunehmender Tendenz frequentiert wird. Mund-zu-Mund-Propaganda und wachsende Bekanntheit des Projektes in den einzelnen „Communities“ geben Anlass zu der Vermutung, dass die Patientenzahlen auch im Jahre 2011 zunehmen werden und damit auch der Bedarf an Spendengeldern weiter steigen wird.

MMM Hamburg, 2007 – 2010

 

 

 

Tab.: 450 Patienten mit 712 Behandlungen

Quelle: Malteser Hilfsdienst Hamburg

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