Herr Andreas Hasenkamp, Journalist bei den Westfälischen Nachrichten, veröffentlichte am 17.06.2013 folgenden Artikel:

Zwischen zwei Strophen von „Gold und Silber“ hielt Oberbürgermeister Markus Lewe als Ehrengast des Corps Rheno-Guestphalia eine Ansprache. Foto: Andreas Hasenkamp

Zwischen zwei Strophen von „Gold und Silber“ hielt Oberbürgermeister Markus Lewe als Ehrengast des Corps Rheno-Guestphalia eine Ansprache. Foto: Andreas Hasenkamp

Das erste und heute einzige Corps von Münster, die Rheno-Guestphalia, gestiftet 1908, feierte jetzt das 105. Stiftungsfest. Oberbürgermeister Markus Lewe hielt eine Festansprache.

Der schon ältere Chirurg schätzt sein studentisches Corps ebenso wie der Lehramts-Student, der gerade seinen Master macht: Beide feierten am Freitagabend im großen Saal des Zwei-Löwen-Clubs das 105. Stiftungsfest des ersten und heute einzigen Corps von Münster, der Rheno-Guestphalia, gestiftet 1908.

Fritz Stagge, der Chirurg aus dem Siegerland, studierte in Tübingen, wechselte wegen des Corps nach Münster. Dem hatte schon sein Vater angehört – auch das sei ein Motiv zum Mitmachen gewesen. Er schätzt die „organisierte Freundschaft“, kann hier leicht seine Kommilitonen wiedertreffen, ob studierte Juristen, Betriebswirte oder Mediziner wie er. Im Corps kam der Kontakt über den Fachbereich hinweg. Berliner und Freiburger, alle finde man hier wieder. Fast überall in Deutschland habe man Anknüpfungspunkte, im Ausland seien auch viele.

Das Ausland kommt auch zu ihnen: zu den „Münsteraner Botschaftsgesprächen“ kamen seit 2010 Botschafter von Israel bis Tansania.

Als eingefleischter Münsteraner bekennt sich Maximilian Busch. Die Universität wechseln? Er will hier arbeiten und leben, bis zum Zentralfriedhof, erzählt der Fuchsmajor locker, während er seinen Repräsentationspflichten nachkommt und sich um seine Probe-Mitglieder, die „Füchse“, kümmert. Seine Eltern hätten mit so was wie einem Corps nichts am Hut gehabt. Zufällig hatte er einen Kontakt und fand Gefallen daran.

Die Historie kennt er, und auch die Lieder. Die mit „Vaterland“ singe man weniger, immer das Münsterlied. Zwischen zwei Strophen von „Gold und Silber“ spricht als Festredner Oberbürgermeister Markus Lewe von Tradition und Moderne in der „Stadt im Lindenkranze“.

„Ad exercitium salamandri!“: Der Trinkspruch zum Gruß an befreundete Verbindungen durchbricht das Stimmengewirr von knapp 100 Männern: Während die Bedienung, einzige Frau im Saal, zum Tischende mit den „Füchsen“ besonders häufig Biergläser bringen muss, ist den Corpslern auch nach einer Stunde noch große Textsicherheit zu bescheinigen. Kräftig bei Stimme und tonsicher sind sie auch.

In altehrwürdigen Sesseln sitzen drei junge Studenten, mit Frack, Degen und runder Corps-Mütze. Die drei sind die Chargierten, kümmern sich um die Organisation, einer um den „Paukbetrieb“: die Rheno-Guestphalia ist eine „schlagende Verbindung“. Einer, Anfang 20, ist der „Senior“. Es sei nicht einfach, heute „das Studium auf die Kette zu kriegen“, sagt der „Senior“ in seiner Ansprache. Im Vordergrund stehe das Studium, dann träten Anliegen des Corps zurück, sagt Busch in seiner „Kneipenjacke“.

Der Senior berichtet von den schweren Anfängen nach 1908, zitiert die Konstitution des Corps mit dem „Zweck, die Mitglieder in aufrichtiger Freundschaft auf Lebenszeit zu verbinden, ohne Beeinflussung ihrer, politischen religiösen und wissenschaftlichen Ausrichtung“. Man könne auch eine andere Hautfarbe haben oder den Zivildienst hinter sich oder sexuell anders orientiert: Student muss man sein, betont Busch. Er grenzt sich von rechtslastigen Tendenzen bei manchen Burschenschaften ebenso ab wie der Vorsitzende der Altherren des Corps, Professor Dr. Hermann Freter. „Brüder, eh der Becher kreise“ erklingt, das Lied von anno 1920 prägt der Gedanke an „Versailles“.

„Die Gedanken sind frei“, schmettern die Corpsler um halb zehn. Die vom Senior gewünschten „feucht-fröhlichen Stunden“ des Festkommers fangen erst an.

Quelle: Westfälische Nachrichten