In der Würzburger Main Post war am 15. Juni 2011 über das 175. Stiftungsfest der Nassovia Würzburg folgendes zu lesen:

Die Verbindungsstudenten des Corps Nassovia: (vorne von links) Thomas Götzelmann, Timo Heppner, Daniel Le sowie Bürgermeister Adolf Bauer und Professor Henning Gallenkamp, Vorsitzender des Altherrenverbandes. In der zweiten Reihe von links Dietrich Aden, Tarlan Kurak, Constantin Graf zu Castell-Castell und Korbinian Hirschmüller. Foto: Christian Ammon

Die Verbindungsstudenten des Corps Nassovia: (vorne von links) Thomas Götzelmann, Timo Heppner, Daniel Le sowie Bürgermeister Adolf Bauer und Professor Henning Gallenkamp, Vorsitzender des Altherrenverbandes. In der zweiten Reihe von links Dietrich Aden, Tarlan Kurak, Constantin Graf zu Castell-Castell und Korbinian Hirschmüller. Foto: Christian Ammon

Blau und orange – die Farben des Hauses Nassau-Oranien sind seit 175 Jahren eng mit der Würzburger Studentenschaft verbunden. Erweitert um die Farbe Weiß ist die Trikolore als Couleur-Band um die Brust und eine orange Mütze das Erkennungszeichen der Corpsstudenten der Nassovia. Am 1. Januar 1836 haben das Corps 13 Würzburger Studenten gestiftet. Da mehrere von ihnen aus dem Herzogtum Nassau stammten, erhielt es den Namen „Nassovia“.

Jetzt haben die Würzburger Nassauer rund 200 Gäste aus nah und fern ihr Gründungsjubiläum gefeiert. Heute zählt das Corps rund 180 Mitglieder, vom Studenten bis zum Pensionär, aus den verschiedensten natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen.

In seinem Grußwort bezeichnete Domdekan Günter Putz die auf lebenslange Freundschaft ausgerichteten Studentenverbindungen als wichtige Entgegnung auf die zunehmende „Ent-bindung“ der Menschen. Auch für Bürgermeister Adolf Bauer sind die 135 Studentenverbindungen in Würzburg kein „Relikt der Vergangenheit“, sondern eine „ausgezeichnete Lebensschule“. Sie vermittelten zeitlose Werte wie Toleranz und Verhaltensweisen, die dem Einzelkämpfertum an den Massenuniversitäten und dem Rückzug ins Private entgegenwirkten.

Zwischen dem Kösener-Senioren-Convents-Verband (KSCV), dem ältesten Verband von Studentenverbindungen im deutschen Sprachraum, und Würzburg besteht eine enge Beziehung. So fanden von 1954 bis 1994 die Kösener Congresse in Würzburg statt in Bad Kösen in Sachsen-Anhalt statt. Noch heute befindet sich das Kösener Archiv im Würzburger Institut für Hochschulkunde. Ein Stück weit knüpfen die Würzburger Nassauer im Sommer 2011 an diese Tradition an. Dann übernimmt das Corps den Vorsitz des KSCV. Ihm gehören zurzeit 102 aktive Corps an 40 Hochschulorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

Eine tiefe Zäsur in der Geschichte des Corps Nassovia bildete die Zwangsauflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1936. Erst 1951 erfolgte die Neugründung. Im Jahr 1961 hat das Corps ein Haus aus den 1930er Jahren in der Mergentheimer Straße 42 bezogen und durch Anbauten erweitert. Zusätzlich betreibt das Corps ein Studentenwohnheim in der Haugerpfarrgasse 9. Zurzeit bietet das Corps zwölf Studentenzimmer für Mitglieder und Nicht-Mitglieder an, möchte dieses Angebot aber kurzfristig auf 17 Zimmer ausweiten. Das 1896 erbaute repräsentative Corpshaus in der Schönleinstraße wurde beim Bombenangriff auf Würzburg 1945 zerstört.

Corps sind die älteste Form von Studentenverbindungen. In ihnen schließen sich Studenten zusammen, um ihr Studium gemeinsam zu gestalten, zusammen zu feiern und ein Netzwerk lebenslanger Freundschaften aufzubauen. Corpsstudenten tragen Farben („Couleur“) und pflegen die Tradition des studentischen Fechtens, die Bestimmungsmensur.

Von unserem Mitarbeiter cHRISTIAN aMMON

Quelle: Main Post