Am 10.06.2011 war über das 200. Stiftungsfest der Corps Frisia Göttingen im Göttinger Tageblatt folgender Artikel zu lesen:

Dass studentische Verbindungen mehr sind als die sprichwörtlich gewordenen Burschenschaften, verdeutlicht die 200-jährige Geschichte des Corps Frisia Gottingensis. Im Juni 1811 gründet sich die Göttinger „Frisia“ als Landsmannschaft.

Seit genau 100 Jahren die Heimat der Göttinger Friesen: Im Verbindungshaus im Nikolausberger Weg wird gefeiert.

Seit genau 100 Jahren die Heimat der Göttinger Friesen: Im Verbindungshaus im Nikolausberger Weg wird gefeiert.

Göttingen. Um der behördlichen Verfolgung zu entgehen, legt sich die junge Verbindung jedoch bald den Tarnnamen „Clubb“ zu. Schon ein knappes Jahr später, Ostern 1912 tauchen die getarnten Landsmannschaften unter dem Namen Corps wieder auf. So auch die Göttinger Friesen, die sich nach starkem Zuzug von Ostfriesen nach Göttingen (nach dem Wiener Kongress, 1815, gehörte Ostfriesland wie Göttingen zu Hannover) als eigenständiges Corps Frisia zusammenfanden. Als äußeres Erkennungszeichen dienen das Band in den ostfriesischen Landesfarben blau-rot-schwarz und die blaue Mütze.

Doch der Corpsgeist hält nicht lange: Göttinger Studenten werden von einer liberalen Fortschrittsbewegung erfasst, auch Mitglieder der Frisia. Schon bald bilden sich zwei Fraktionen, deren Haltung immer unversöhnlicher wird. Diese Entwicklung gipfelt schließlich im sogenannten Corpskrach im Jahr 1854. Die Friesen zerfallen in zwei Lager: Zum einen ins farbentragende Corps Friso-Luneburgia und in die Progressbewegung, die mit der bisherigen Tradition bricht und auf alle äußerlichen Kennzeichen wie Band oder Mütze verzichtet. Das Corps Friso-Luneburgia muss im Jahr 1868 schließen. Die Progress-Frisia nimmt im Jahr 1909 wieder die alten Farben blau-rot-schwarz an, tritt 1915 dem Verband der Deutschen Burschenschaft (DB) bei und bleibt bis 2003 eine Burschenschaft.

Nach Jahren, ja Jahrzehnten der kritischen Auseinandersetzung mit dem Burschenschaftsverband beschließen die aktiven Studenten und Alten Herren der Frisia den Austritt aus der DB und fassen den Plan in den WSC, den Dachverband der Weinheimer Corps-Verbindungen einzutreten. Nach rund 90 Jahren als Burschenschaft werden die Göttinger Friesen im Mai 2004 das Weinheimer Corps Frisia.

Wenn die Friesen an diesem Wochenende auf 200 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken und gebührend feiern, wird auch ein Ausflug zur Burgruine Hanstein nicht fehlen. Dort begann die Geschichte der Göttinger Friesen vier Jahre vor der Stiftung im Jahr 1811: Neun aus Halle verwiesene Ostfriesen schlossen sich einigen in Göttingen studierenden Jeveranern an. Das erste Zeugnis ist ein Eintrag im Gästebuch der Burgruine Hanstein, wo sich am 21. Juni 1807 eine Gruppe ostfriesischer Studenten unter ihrer Devise eintragen, die bis heute gilt: „Vivat Ostfrisia!“ luk/eb

Quelle: Göttinger Tageblatt