Die Journalistin Olivia Braun veröffentlichte unter dem Tite „Aufwachen und mehr wagen“ folgenden Artikel in der Allgemeinen Zeitung:

„Aufwachen und mehr wagen“

CORPS HASSIA Zum 200. Stiftungsfest gibt es auch mahnende Worte / Feier im Schloss

MAINZ – „Volles Haus“ herrschte im Forster-Saal des Kurfürstlichen Schlosses. Dort fand der Festakt des 200. Stiftungsfest von Corps Hassia Gießen zu Mainz statt.

Redner Rolf Kilian, Vorsitzender des Altherrenverbandes des Corps Hassia, sprach im Kurfürstlichen Schloss zu 250 „Corpslern“ und externen Gästen. Foto: Harry Braun

Redner Rolf Kilian, Vorsitzender des Altherrenverbandes des Corps Hassia, sprach im Kurfürstlichen Schloss zu 250 „Corpslern“ und externen Gästen. Foto: Harry Braun

Wie viele andere ist die Studentenverbindung sehr traditionsreich. Doch in einem Punkt unterscheidet sie sich von Burschenschaften: Sie ist neutral in Bezug auf Politik, Wissenschaft und Religion, wie Hans-Reinhard Scheu, einer der „Alten Herren“ der Verbindung, betont.

„Hesse auf Lebenszeit“

1815 in Gießen gegründet, zog der Corps nach dem Zweiten Weltkrieg nach Mainz um. Hier ist er heute noch am Drususwall angesiedelt. Derzeit hat er sechs aktive und knapp doppelt so viele inaktive Mitglieder. Wenn diese ihr Studium erfolgreich beendet haben, werden sie zu „Alten Herren“. Dann ist man „Hesse auf Lebenszeit“, erzählt Scheu. Größten Wert haben bei den „Brüdern“ gemeinsame Werte, das Fechten sowie das Bekennen zur strengen Erziehung, so Scheu weiter. Man hält zusammen. Vielleicht ist auch das ein Grund, dass zu den Feierlichkeiten circa 250 „Corpsler“, deren Frauen und externe Gäste aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland angereist waren.

Die Feierlichkeiten zum diesjährigen 200. Geburtstag begannen bereits am Donnerstag und endeten am Sonntag. Am Samstag sprachen im Kurfürstlichen Schloss Dr. Rolf Kilian, Vorsitzender des Altherrenverbandes, der CDU-Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner und Dr. Andreas Löhmer, Vorsitzender des Altherrenverbandes des Corps Saxonia Konstanz.

Neben Glückwünschen und Dank für das „Engagement in Staat und Gesellschaft“, mussten sich die Corpsbrüder von Löhmer einiges an Kritik anhören. Seine Festrede stand unter dem Motto „Morgen ist heute gestern“. Er plädierte dafür die, alten Traditionen zwar „nicht über Bord zu werfen“, sie aber mit „Sinn, Ehrlichkeit und einem Anspruch an Qualität zu füllen“ und so die Modernisierung der Corps voranzubringen. Man müsse „aufwachen und mehr wagen“. Harte Worte, die dennoch viel Applaus ernteten und sicher für einiges an Gesprächsstoff sorgten.

Quelle: Allgemeine Zeitung