Der Redakteur der Mainpost, Herr Ernst Lauterbach, veröffentlichte in der selbigen Zeitung am 1.11.2011 folgenden Artikel über den KSCV, die Corpsstudenten und ihr Wirken in Würzburg:

Am neuen Platz in der Kalterstube: Bürgermeister Adolf Bauer (links) und Bernhard Edler von Lapp vor der Gedenktafel im Ratskeller. Die Wandmalerei des Ochsenfurter Künstlers Nikolai Lagoida zeigt oben das Bad Kösener und das Würzburger Stadtwappen, darunter die Festung und die Alte Mainbrücke, unten angeschnitten die Rudelsburg. Foto: Norbert Schwarzott

Am neuen Platz in der Kalterstube: Bürgermeister Adolf Bauer (links) und Bernhard Edler von Lapp vor der Gedenktafel im Ratskeller. Die Wandmalerei des Ochsenfurter Künstlers Nikolai Lagoida zeigt oben das Bad Kösener und das Würzburger Stadtwappen, darunter die Festung und die Alte Mainbrücke, unten angeschnitten die Rudelsburg. Foto: Norbert Schwarzott

Eng war es in der Kalterstube im neu gestalteten Ratskeller. Rund 30 Gäste waren gekommen, um an der feierlichen Wiedereinweihung des Gedenksteins und der Wandmalerei teilzunehmen, die an die 40 Jahre erinnern, in denen die Kösener Corpsverbände ihre alljährliches Pfingstreffen in Würzburg abhielten. Im Rahmen der Neugestaltung waren sie von ihrem Platz im Hexenloch in die Kalterstube „gewandert“.

Der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), der Verband Alter Corpsstudenten (VAC) und die Vereinigung der in Würzburg wohnenden Alten Herren studentischer Corps (AHSC Würzburg) nahmen dies zum Anlass, mit einer Feierstunde dieses Kapitel der Würzburger Stadtgeschichte zu würdigen.

Die Kösener Corpsverbände haben ihren traditionellen Tagungsort auf der Rudelsburg bei Bad Kösen an der Saale in Sachsen-Anhalt. Wegen der deutschen Teilung tagten die Verbände erstmals im Jahr 1954 in Würzburg und taten dies bis nach der Wende im Jahr 1994 alljährlich.

Zum 20-jährigen Jubiläum 1974 überreichten sie dem damaligen Oberbürgermeister Klaus Zeitler einen Scheck über 30 000 Mark zum Wiederaufbau eines Raumes im Rathaus. Zur Erinnerung an diese Geste der Verbundenheit wurden im Hexenloch des Ratskellers der Gedenkstein und die Wandmalerei angebracht.

Wehmut

Bernhard Edler von Lapp, Vorsitzender des AHSC Würzburg, freute sich über dieses Zeichen der Verbundenheit zwischen dem Studienort Würzburg und den Verbindungen. Er erinnere sich immer mit leichtem Wehmut an die schönen Pfingstreffen in der Stadt am Main.

Bürgermeister Adolf Bauer lobte, die Stadt sei stolz, dass sie so viel Studenten in ihrem Mauern habe und die Verbindungen so lebendig seien. Das, was die Jugend dort lernen würde, nämlich Toleranz, Persönlichkeitsbildung und Sozialkompetenz seien Tugenden, die überall gebraucht würden.

Universitätsprsäsident Alfred Forchel sagte, die Verbindungen würden dieselben Ziele verfolgen wie die Uni, nämlich Bildung und Ausbildung. Er appellierte angesichts der stetig steigenden Studierendenzahlen, noch mehr Wohnraum auch in den Verbindungshäusern zu schaffen.

Seit Sommer 2011 leiten Würzburger Corpsstudenten als „Vorort“ die Amtsgeschäfte des mitteleuropäischen Studentenverbandes KSCV. Vorort-Sprecher Matthias Stier vom Corps Nassovia merkte an, „die Corps sind die Söhne des Humanismus und der Romantik. Wenn immer es heißt, die Amerikaner hätten die Nase vorn bei der emotionalen Bindung der Studenten an ihre Uni, ist dies aber doch genau das, was wir Corps bereits seit 200 Jahren tun.“

Humanismus und Romantik

Für den VAC sprach Friedhelm Dönges, zweiter Vorsitzender des Vorstandes. Die Corps seien auch deswegen so aktuell, weil dort die Jugend das Sagen habe, meinte Dönges. „Ich leite unser Corps nicht“, sagte der Alte Herr des Corps Nassovia Würzburg mit einem Lächeln, „ich zahle nur noch“. Er erinnerte daran, dass auch der Findling und einige Bäume am CCW der Erinnerung an 40 Jahre Gastfreundschaft durch die Stadt dienen sollen.

Die Corps

Corps als Studentenverbindungen gibt es in Deutschland, Österreich, der Schweiz, im Baltikum und in Belgien. Die ältesten, wie das Würzburger Corps Franconia, gegründet 1805, sind über 200 Jahre alt. Corps sind politisch neutral und folgen dem Toleranzprinzip, heißt es in einer Selbstdarstellung. Nationalität, Herkunft, Religion, die Ableistung von Wehr- oder Zivildienst sowie das Studienfach stellen kein Kriterium bei der Aufnahme von Mitgliedern dar. Auch beeinflussen die Corps ihre Mitglieder nicht hinsichtlich ihrer politischen, religiösen oder wissenschaftlichen Ausrichtung. Im Mittelpunkt des Corpslebens stehe die Pflege lebenslanger Freundschaft, die Ausbildung von Charakter sowie die Stärkung von Persönlichkeit und Tatkraft. Corpsstudenten tragen Farben (Couleur) als Erkennungszeichen und pflegen die Tradition des studentischen Fechtens, die Bestimmungs-Mensur.

Quelle: Mainpost