Studentenverbindungen übergeben EB Jäger Dokumentation zum Stadtgeburtstag

Als Akademiker und Bürger Karlsruhe lebenslang verbunden

Als Akademiker und Bürger Karlsruhe lebenslang verbunden

Der Geschenkereigen für die Fächerstadt zu ihrem 300. Geburtstag riss bis zuletzt nicht ab: Mehr als 175 Jahre schon gestalten Studentenverbindungen Karlsruhes akademische und städtische Geschichte mit. Grund genug für vier Corps, drei Landsmannschaften, eine Turnerschaft sowie die Alten Herren Studentischer Corps (AHSC) und die Vereinigung Alter Herren im Coburger Convent (VACC) erstmals als Initiative „Verbindungsstudenten in Karlsruhe“ gemeinsam aufzutreten und vorigen Sommer zum Tag der offenen Tür einzuladen. „Den haben wir als Geschenk an die Bevölkerung verstanden“, erklärte Dr. Warnfrid Grams, AHSC-Ehrenmitglied, nun am 30. Dezember gegenüber Erstem Bürgermeister Wolfram Jäger und dem Leiter des Stadtarchivs, Dr. Ernst Otto Bräunche, zur Übergabe einer Dokumentation. Diese umfasst neben der Feierlichkeit auf dem hiesigen Corpshaus Alemannia, wie es im traditionellen Sprachgebrauch heißt, unter anderem Genese und Wirken der Verbindungen samt großherzoglicher Huldigung. Sie ist selbst ein Stück Stadtgeschichte, verkörpert zugleich die Historie des 1825 gegründeten Polytechnikums bis zur heutigen Struktur als KIT und weiterer Hochschulen.

Beim Empfang in seinem Amtszimmer dankte der sich interessiert nach Strukturen und Netzwerke erkundigende EB Jäger ausdrücklich für das Engagement der Verbindungen, wozu eine Spendensammlung zur Finanzierung eines keimfreien Krankenhaus-Besucherraums für Geschwister und Freunde krebskranker Kinder zählt. „Diese Einrichtung passt gut zu unseren Prinzipien“, betonte Grams im Fokus auf das Gemeinwesen. Rund 6.000 Studenten aller Fakultäten und verschiedenster Nationalitäten schlossen im Lauf der Zeit als Angehörige einer Verbindung ab, um ihrem Bündnis- und Bildungsstandort darüber hinaus in aller Regel ewig treu zu bleiben. Die älteste Karlsruher Verbindung, das Corps Franconia, wurde 1839, die jüngste, Landsmannschaft Rhenania, 1920 gegründet.

Neben elementaren Losungen wie lebenslange Freundschaft, Demokratie und Toleranz spornen die Verbindungen zu Verantwortungsbewusstsein und Leistungsbereitschaft an, was sich in den beruflichen und gesellschaftlichen Erfolgen vieler, auch prominenter Repräsentanten (von Architekt Hermann Billing, Namensgeber eines eigenen Preises, über den Industriellen August Thyssen bis zu Hermann Karl August Weinkauff, erster Präsident des Bundesgerichtshofs) niederschlägt. Sie halten Traditionen hoch und bleiben aktuell, vermitteln den heutigen Studenten Soft Skills, im Arbeitsleben unverzichtbare soziale Kompetenzen. Auch bieten die Verbindungshäuser Studienanfängern insgesamt etwa 100 Zimmer. Die farbentragenden und pflichtschlagenden Verbindungen sowie die aus Alumnis und Zugezogenen bestehenden Altherren-Verbände distanzierten sich im Gespräch ausdrücklich von den Burschenschaften, vor allem darin verbreiteter rechtsradikaler Tendenzen wegen. Beide studentischen Kräfte waren indes im frühen 19. Jahrhundert, nicht zuletzt in Baden und Karlsruhe, Triebfedern des revolutionären Kampfs für Einheit, Freiheit und Volkssouveränität.

Quelle: Stadt Karlsruhe