Frau Ute Rang, Redakteurin bei der Thüringer Allgemeinen, veröffentlichte am 10.05.2014 folgenden Bericht über den Oettinger-Brauerei-Chef und Corpsstudenten Dirk Kollmar:

Gotha. Die Familie, die Stadt Gotha, die Brauerei Oettinger und der Basketball-Club nahmen Abschied von Dirk Kollmar.

Noch lange standen die Trauernden nach einer bewegenden Andacht für Dirk Kollmar auf dem Klosterplatz vor der Augustinerkirche. Foto: Peter Riecke

Noch lange standen die Trauernden nach einer bewegenden Andacht für Dirk Kollmar auf dem Klosterplatz vor der Augustinerkirche. Foto: Peter Riecke

Der Klosterplatz ist seit dem Mittag gesperrt. Am Eingang zur Augustinerkirche haben sich zwei Schlangen gebildet. Die Menschen wollen sich in die Kondolenzbücher eintragen. In dieser Kirche im Herzen der Stadt habe viele bedeutende Menschen gesprochen. Im April 1521 predigte Martin Luther.

An diesem 9. Mai 2014 ist Trauergottesdienst für Dirk Kollmar.

Bereits kurz nach 13 Uhr sind nur noch auf dem Emporen Plätze frei. Die Belegschaft der Brauerei Oettinger ist gekommen. Die Mitglieder der Basketball-Familie Gotha wollen Abschied nehmen und mit ihnen Hunderte Gothaer.

Das Management der Brauerei, die im schwäbischen Oettingen ihren Sitz hat, ist angereist. Mitglieder der Studentenverbindung Corps Donariaaus Freising bei München entrollen ihre Fahne.

In der Kirche liegen auf den Stufen zum Altar Kränze und Gebinde. Cremefarbene Nelken und Hortensien, weiße Lilien sind der Blumenschmuck.

Vor dem Altar steht der Sarg aus hellem Holz. Auf ihm liegt ein Herz aus Efeu und cremefarbenen Rosen. Davor, zu ebener Erde, leuchtet in den einzigen roten Rosen ein weiteres Herz. Links vom Sarg steht ein Bild von Dirk Kollmar, geschmückt mit drei Blüten und Trauerflor.

Um 13.50 Uhr läuten die Glocken. Kurz darauf betritt die Familie die Kirche. Jeder zündet eine Kerze an.

Ingrid Kollmar, die Mutter von Dirk Kollmar, sitzt neben ihrer Schwiegertochter Astrid.
Pfarrer Martin Hundertmark eröffnet den Gottesdienst, über dem der Bibelvers steht: „Wer dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst“.

Sie schmieden Pläne. Amerika lockt.

Im Blick auf das Leben von Dirk Kollmar, geboren im Juni 1963 in Oettingen, ist der Pfarrer schnell beim Wunsch des noch kleinen Jungen, einmal Brauer zu werden.

In der Schulzeit kommt er auf ein Sportinternat und spielt leidenschaftlich Basketball. Er erlangt die Mittlere Reife, geht zur Armee, spielt Fußball, fährt Ski in den Bergen und auch auf dem Wasser.

Er holt das Abitur nach und beginnt 1988 das Studium der Brauwissenschaft in Freising-Weihenstephan.

Da hat er seine spätere Frau Astrid bereits getroffen. Ihre Lebenswege kreuzen sich und verweben sich.

Sie schmieden Pläne. Amerika lockt. Aber dann kommt in Deutschland alles anders, und in Oettingen sucht man einen neuen Brauerei-Standort. Dirk Kollmar entscheidet sich für Gotha und für Astrid als seine Frau. 1994 wird Sohn Dennis geboren, acht Jahre später sein Bruder Kevin.

Sie wohnen zuerst in Uelleben, später in Luisenthal, wo Kollmar auch ein Brauereimuseum aufbaut. Er lebt seine Leidenschaft vom Basketball weiter und fördert diesen Sport in Gotha außergewöhnlich stark.

Als im Familienurlaub die Idee entsteht, seine Gutenachtgeschichten zu veröffentlichen, und er keinen Verlag findet, gründet er einen.

Das Jahr 2013 wird schwer. Die Familie, die Firma trauern um das Oberhaupt Günther Kollmar. Im Juni wird Dirk Kollmar operiert. Das Krankenhaus verlässt er als veränderter Mensch. Pfarrer Hundertmark sagt: „Er kämpfte, es gab Hoffnungszeichen. Am vergangenen Samstag hörte sein Herz plötzlich auf zu schlagen.“

Der Gothaer Gospelchor singt „Deep river of love“ (Tiefer Fluss der Liebe).
Der Oberbürgermeister spricht den Abschied der Stadt. Knut Kreuch erinnert sich an die erste Begegnung und gesteht freimütig: „Wenn die Oettinger-Flotte aus der Stadt rollt, dann strahlt das Herz eines Bürgermeisters.“

Es gab darüber hinaus eine sehr persönliche Beziehung. Knut Kreuch sagt: „Dirk, Du bist und bleibst unvergessen, auch wenn der Ball deines Lebens in ein anderes Spielfeld gerollt ist. Leb wohl, guter Freund, und sei sicher: Du wirst in unserer Mitte bleiben.“
Michael Mayer, einer der Geschäftsführer der Oettinger Brauerei, würdigt den Unternehmer Dirk Kollmar, bei dem „ein gegebenes Wort ein gegebenes Wort war“, was in der deutschen Unternehmerlandschaft inzwischen ein kostbares Gut sei. Er sagt: „Die deutsche Bierbranche hat eine herausragende Persönlichkeit verloren.“

Er versichert der Familie die tiefe Anteilnahme der Belegschaft und verspricht: „Sie können sich auf uns verlassen.“

Fast an jedem Samstag hatte er eine Rose dabei

Der Vertreter der Studentenverbindung Corps Donaria erinnert an den Macher, der Dirk Kollmar bereits als Student war, und auch an den leidenschaftlichen Fechter. Schließlich hebt er die außergewöhnliche musische Begabung im Schreiben und Zeichnen hervor.
Peter Sturmhöfel spricht für die Basketballer in Gotha, die sich BiG nennen. Auch er wird persönlich: „Der Vater des Gothaer Basketballs hat mir, dem Älteren von uns beiden, gezeigt, wie man Wege geht und Ziele erreicht. Wir haben seine Kraft gespürt. Dirk, wir sagen danke dafür, dass wir Teil Deines Lebens sein durften.“

Bevor Peter Sturmhöfel sich wieder setzt, drückt er allen Angehörigen in der ersten Reihe die Hand.

Ein Herr mit weißem Haar tritt nach vorn. Es ist der Patenonkel von Dirk Kollmar und das älteste Mitglied der Familie. Er sagt: „Dirk hat viel erreicht, und es ist seiner würdig, dass an seinem Sarg daran erinnert wird.Aber mit 50 Jahren hat man noch Träume, Ziele und Hoffnungen. Sie sollen für seine Frau und seine Söhne keine bleierne Last werden.“
Nun stehen Astrid und Dennis Kollmar auf. Gemeinsam treten sie vor den Sarg und dann an das Mikrofon. Die Frau, die den Mann und den Vater ihrer Kinder verloren hat, sagt, dass sie auch ihren besten Freund verloren hat, und teilt ihr Erinnern mit den Menschen in der Kirche: „Er war nicht jemand, der mir am Valentinstag einen großen Blumenstrauß gebracht hat, aber fast an jedem Samstag hatte er eine rote Rose für mich.“

Dennis blendet in seine Kindheit, als der Vater ihm die Heldengeschichten erzählte, und schildert aus dem Büro eine spätere Szene, die sich eingeprägt hat. Ein Mann kam herein und sagte: Herr Kollmar, ich habe ein Problem. Sein Vater sagte: Ich habe 20 Probleme, aber kommen Sie herein.

Der Sohn ist sich sicher, einen Wunsch seines Vater zu kennen, und spricht ihn aus: „Er hätte gewollt, dass wir mit Optimismus in die Zukunft blicken.“

Die Mutter und der Sohn gehen gemeinsam zu ihren Plätzen. Dennis drückt seiner Mutter die Hand. Und dann die der Großmutter.

Quelle: Thüringer Allgemeine

Über Dirk Kollmar

Weitere Informationen über Dirk Kollmar finden Sie u.a. bei Wikipedia.

Noch lange standen die Trauernden nach einer bewegenden Andacht für Dirk Kollmar auf dem Klosterplatz vor der Augustinerkirche. Foto: Peter Riecke