Die  Badische Zeitung veröffentlichte am 08.06.2012 folgenden Artikel über das Corps Rhenania Freiburg:

Das Corps Rhenania ist die älteste Studentenverbindung der Stadt Freiburg und feiert an diesem Wochenende sein 200. Stiftungsfest.

Vier Generationen Rhenanen: (von links nach rechts) Dieter Kollmer, Hans Ritter, Julius Diekmann und Tobias Benz. Foto: Thomas Kunz

Vier Generationen Rhenanen: (von links nach rechts) Dieter Kollmer, Hans Ritter, Julius Diekmann und Tobias Benz. Foto: Thomas Kunz

Die letzten Vorbereitungen sind fast getätigt: Am Mittwochnachmittag hängen an der Fassade der Albertstraße 32 im Institutsviertel bereits drei Fahnen in Blau-Weiß-Rot, im Garten sind Festzelte aufgebaut, auch die Blumendeko auf den Biertischen ist in Blau-Weiß-Rot. Denn blau, weiß und rot sind die Farben von Corps Rhenania, das an diesem Wochenende sein 200. Stiftungsfest feiert und die älteste noch bestehende Studentenverbindung in Freiburg ist.
Gegründet wurde die Rhenania im Herbst 1812 von dem Medizinstudenten Karl Joseph Beck, der später Prorektor der Albert-Ludwigs-Universität werden sollte. Ein Besuch am Grab des Stifters auf dem Alten Friedhof steht an diesem Wochenende genauso auf dem Programm, wie ein Festakt im Historischen Kaufhaus am heutigen Freitag und ein Kommers auf Schloss Reinach. Rund 500 Gäste aus ganz Deutschland werden zu den Feierlichkeiten erwartet.

„Ein Stiftungsfest ist etwas Besonderes“, sagt Tobias Benz, 30, der das Fest geplant hat. „Da sitzt der 80-jährige Professor neben einem jungen Studenten und man duzt sich ganz selbstverständlich.“ Der wichtigste Werte des Corps sei die Brüderlichkeit, sagt Dieter Kollmer, 47. Der Militärhistoriker ist aus Potsdam angereist. „Wir haben vom Vorstandsvorsitzenden bis zum Hartz IV-Empfänger alles in unserer Gemeinschaft. Und wir sind alles Freiburger Rhenanen.“

Julius Diekmann ist aktuell Senior, Vertreter der zur Zeit im Corps aktiven Studenten. Zusammen mit drei weiteren Aktiven lebt der 23-jährige angehende Jurist im Corpshaus. Platz wäre für zehn. Als Hans Ritter Anfang der 80er Jahre hier lebte, waren die Zimmer voll und mehr als 15 Studenten aktiv. „Da war es noch ein ganz anderes Gefühl“, sagt der 66-jährige Anwalt aus Münster. Das Corps hat, wie fast alle Studentenverbindungen, ein Nachwuchsproblem. Die Verpflichtungen des Corporiertendaseins schreckten ab, die Anforderungen eines Bachelorstudiums täten ihr Übriges, befinden die Corpsbrüder. Verbindungsstudent zu sein, das koste Zeit. „Wir sind keine WG, sondern eine Lebensgemeinschaft, in der man sich gegenseitig fordert“, sagt Senior Diekmann. Langfristig biete das Corpsleben jedoch nur Vorteile: Man könne Soft Skills einüben, seine Allgemeinbildung vergrößern und Kontakte aufbauen. Zudem fördere die Mensur, die jeder Rhenane drei Mal bestreiten muss, Disziplin und Zusammenhalt. Und nach dem Studium blieben andauernde Freundschaften und Kontakte in die Studienstadt. „Es ist wunderbar, nach all den Jahren wieder aufs Haus zu kommen“, sagt Hans Ritter.

Zum Stiftungsfest spendet die Corps-eigene Bildungsstiftung 15.600 Euro an das universitäre Programm ,Stay‘, das jungen Wissenschaftlerinnen den Verbleib in der Forschung ermöglichen soll. Frauen fördern: gerne. Frauen aufnehmen: lieber nicht. „Das wäre ein ganz anderes Zusammenleben“, sagt Senior Diekmann. „Und dann wohl doch mehr WG.“

Im Internet haben Linksalternative dazu aufgerufen, das Fest mit „brennenden Tüten mit Hundekot, Klingelstreichen“ und einem „neuen schönen Außenanstrich“ des Hauses zu stören. Die Rhenanen zeigen sich von der Drohung wenig beeindruckt, trotzdem haben sie mit der Polizei Rücksprache gehalten. Dieter Kollmer: „Man begegnet uns mit genau der Intoleranz, die uns immer vorgeworfen wird.“

Quelle: Badische Zeitung