Lebensbund im Geist der Toleranz

Festakt 190 Jahre Corps Thuringia

Von Michael Groß

Jena. Es ist zwar kein rundes Jubiläum, das an diesem Wochenende vom Corps Thuringia Jena gefeiert werden kann, aber 190 Jahre sind ja auch beachtlich. Damit ist diese Studentverbindung eine der ältesten Studentenverbindungen dieser Stadt. Und es gibt noch ein Jubiläum. Das Corps Thuringia kehrte vor fast genau 20 Jahren nach der Wende, also noch zur DDR-Zeit, wieder nach Jena zurückkam und gründete sich gewissermaßen hier neu, nachdem man viele Jahre im Exil in Hamburg gewirkt hatte.

Ein Exil, das nach 1945 begann, aber schon zurückgeht ins Jahr 1936, als die Nazis die Auflösung des Corps anordneten. Zu DDR-Zeiten war dann kein Verbindungsleben möglich. Doch sogleich nach der Wende kehrte das Corps nach Jena zurück. Und seit 15 Jahren besitzt man auch wieder ein eigenes Verbindungshaus in der Humboldtstraße 9. Früher hatte man Verbindungshäuser in der Schillerstraße (ehemaliges Zeiss-Hauptwerk, heute Modehaus Sinn Leffers) und in der August-Bebel-Straße (später Zeiss-Klubhaus und heute Sitz des LebenshilfeVereins).

Das Corps hat in Jena wieder Fuß gefasst und vereint heute etwa 200 Mitglieder, die wie man stolz betont, aus allen Fachrichtungen der Jenaer Universität und der Fachhochschule kommen, aber auch aus der ehemaligen Studentenschaft der Hamburger Exilzeit. Außerdem verweist man innerhalb der Verbindung auch auf die Prinzipien, die man pflegt: Gegenseitige Hilfe von Älteren für Jüngere beim Studium, gemeinsames Feiern und ein Netzwerk lebenslanger Freundschaften. Hinzu komme natürlich auch die bekannte Tradition des Fechtens. Zudem sieht man sich beim Corps als politisch neutral und der Toleranz verpflichtet, wie Albrecht Fehlig, Sprecher des Dachverbandes der Corpsstudenten, sagt: „Wir sind offen für alle, unabhängig ihrer sozialen Herkunft. Das heißt auch, dass Nationalität, Religion, Ableistung von Wehr-oder Zivildienst, aber auch das Studienfach kein Kriterium bei der Aufnahme neuer Mitglieder sind. Auch beeinflussen wir die Mitglieder nicht in ihrer politischen, religiösen, weltanschaulichen oder wissenschaftlichen Ausrichtung.“

Nun steigt am Wochenende in Jena das 190. Stiftungsfest des Corps Thuringia. So wird es am heutigen Freitagabend einen Festkommers im Spiegelsaal des Hotels „Schwarzer Bär“ geben. Und am morgigen Sonnabend soll ab 15 Uhr in der Aula der Universität ein Festakt stattfinden. Als Festredner konnte die Verbindung den langjährig am Historischen Institut der Jenaer Universität wirkenden Prof. Dr. Helmut G. Walther gewinnen. Er wird einen Festvortrag über die Geschichte der Jenenser Alma Mater halten. Mit diesem Stiftungsfest, so Albrecht Fehlig, gedenkt das Corps Thuringia nicht nur seiner Gründung am 6. Juni 1820, sondern auch der Rückkehr an seine Gründungshochschule nach der Wende vor 20 Jahren. Übrigens die erste Verbindung, die sich wieder in Jena einfand.

Archiv / Quelle: http://www.tlz.de/

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